Gefährdungsbeurteilung "Psychische Belastung"

Warum psychische Belastungen ermitteln?


Die Beweggründe, sich mit „psychischen Belastungen“ auseinander zu setzen, sind vielfältig.

  • Psychische Belastungen sind an jedem Arbeitsplatz zu finden; teilweise stellen sie eine Gefährdung der dort Beschäftigen dar.
  • Trotz Maßnahmen der Arbeitssicherheit häufen sich Unfälle, zahlreiche Erkrankungen und damit verbundene hohe Fehlzeiten, aber auch Arbeitsunzufriedenheit. Dies kann durch psychische Belastungen verursacht sein.
  • Psychische Belastungen stehen im engen Zusammenhang mit der Qualität und Quantität von Produkten oder Dienstleistungen sowie der Gesundheit und Zufriedenheit der Beschäftigten.
  • Veränderungen in den Arbeitsabläufen und Aufgaben stehen an, damit verbundene psychische und soziale Belastungen sollen vorgebeugt werden.
  • Das Unternehmen will Rechtssicherheit haben und die Vorgaben zur Gefährdungsbeurteilung erfüllen.

Was muss der Arbeitgeber tun?

Jeder Arbeitgeber ist auf der Grundlage des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen und zu ermitteln, ob bzw. welche Arbeitsschutzmaßnahmen erforderlich sind.

Im September 2013 hat der Gesetzgeber ausdrücklich klargestellt, dass in der Gefährdungsbeurteilung auch psychische Beastungen bei der Arbeit zu berücksichtigen sind. Die Beurteilung und die notwendigen Maßnahmen zur Verbesserung sind zu dokumentieren. (§§ 3 bis 6 ArbSchG)

Wer kann den Arbeitgeber unterstützen?

Unterstützung geben die betrieblichen Fachkräfte, wie der Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Auch der Betriebsrat ist immer eine Anlaufstelle. Bei der Ermittlung psychischer Belastungen und der Ableitung erforderlicher Maßnahmen sind die Beschäftigten und Führungskräfte einzubinden, da sie die vielfältigen Anforderungen an den Arbeitsplätzen gut kennen und häufig praktische Verbesserungsmöglichkeiten sehen.

Weiterhin unterstützen:

  • die staatlichen Arbeitsschutzbehörden
  • Berufsgenossenschaften und Unfallkassen 
  • Anbieter zu Organisationsberatung des freien Marktes
  • sonstige Institutionen,
    wie z.B.  die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) oder die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA)
  • weiterhin das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)

Welche Inhalte und Beurteilungskriterien sind wichtig?

Ziel der Gefährdungsbeurteilung ist die Erfassung und Bewertung der psychischen Belastung einer Tätigkeit bzw. der Arbeitsumgebung und nicht der persönlichen Stärken und Schwächen der Beschäftigten.

Wichtige Inhalte sind:

Arbeitsaufgabe, z.B.

  • Vollständigkeit der Tätigkeit (mit vorbereitenden, ausführenden und nachbereitenden Aufgaben)
  • Verantwortung
  • Information
  • zeitlicher und inhaltlicher Handlungsspielraum
  • Vorhersehbarkeit, Beeinflussbarkeit
  • emotionale Inanspruchnahme
  • körperliche Abwechslung
  • Qualifikation, Nutzung- und Erweiterung

Arbeitsorganisation, z.B.

  • Übereinstimmung der Vorgaben von Leistungs- und Realisierungsbedingungen (organisatorisch, technisch, personell)
  • Arbeitsanfall und Arbeitsablauf: Ausgeglichenheit des Arbeitsanfalls über die Arbeitszeit (Stoßzeit)
  • Unterbrechungen des Arbeitsablaufes durch Aus-fälle (z.B. durch Maschinen, Wartezeiten)
  • Transparenz in den Arbeitsabläufen und bzgl. der Erwartungen und der Vorhersehbarkeit

Soziale Bedingungen, z.B.

  • Führungsverhalten, Mitsprache der Beschäftigten
  • Verhalten der Kollegen, Gruppenverhalten

Arbeitsplatz- und Arbeitsumgebung, z.B.

  • Einrichtung des Arbeitsplatzes
  • Lärm, Beleuchtung, Klima
  • Verfügbarkeit geeigneter Arbeitsmittel  

Gestaltung der Arbeitszeit, z.B.

  • Vorgaben des Arbeitszeitgesetz zur Arbeitszeitge-staltung: Länge, Lage und Pausen
  • arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zu flexiblen Arbeitszeitformen – insbesondere Schicht-, Nacht-, und Wochenendarbeit

Wie können Sie die Ergebnisse dokumentieren?

Die Dokumentation nach § 6 ArbSchG muss keinem festgelegten Muster entsprechen. Es kann sich um Unterlagen in Papierform oder aber auch in Form elektronisch gespeicherter Dateien handeln.

In der Dokumentation muss mindestens enthalten sein:

  • die Beurteilung der Gefährdungen
  • die Festlegung konkreter Arbeitsschutzmaßnahmen
  • Termine und Verantwortliche
  • die Durchführung oder der Bearbeitungsstand der Maßnahmen
  • die Überprüfung der Wirksamkeit sowie
  • das Datum der Erstellung / Aktualisierung

Prozess: Wie sollte ein Betrieb vorgehen?

Planung

  • Einverständnis der Geschäftsleitung einholen, Vorgehen vereinbaren
  • Organisator mit Grundwissen in der Ermittlung psychischer Belastungen benennen
  • Betriebsrat und Präventionskräfte einbinden, ggf. eine Projektgruppe einrichten
  • Prozessschritte, Abfolge, Beteiligte und Zeitraum planen

Ermittlung und Bewertung

  • Erhebungsverfahren auswählen
  • die zu untersuchende Arbeitsbereiche festlegen, Mitarbeiter über Ziel, Ablauf und Ergebnisverwendung zu informieren
  • Erhebung und Bewertung durchführen

Maßnahmenfestlegung

  • Ergebnisse auswerten, Prioritäten setzen
  • Verbesserungsmaßnahmen vorzugsweise im Dialog mit Beschäftigten und Führungskräften erarbeiten, um die Akzeptanz zu erhöhen

Maßnahmenumsetzung

  • Ressourcen zur Verfügung stellen
  • Arbeitsorganisatorische Veränderungen mit Schulung oder Unterweisung begleiten bzw. die Möglichkeit schaffen, neu erworbene Kompetenzen am Arbeitsplatz zu üben und einzusetzen

Überprüfung und Erfolgskontrolle

  • Dokumentation
  • Umsetzung und Erfolg kontrollieren
  • Maßnahmen zur Fortführung und Prävention vereinbaren

Downloads: 

Abhandlung "Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung als Prozess - eine Zwischenbilanz"

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