Netzwerk soll Opfern von Gewalt schnelle Hilfe bringen

Gießen. Opfern von Gewalttaten soll im Rahmen des Opferentschädigungsgesetzes künftig schneller geholfen werden.

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OEG-Traumanetzwerk Hessen
Vertragsunterzeichnung OEG-Traumanetzwerk Hessen

Sie erhalten bei Anerkennung durch die Versorgungsverwaltung bislang zwar finanzielle Entschädigungen sowie eine entsprechend notwendige und angemessene Heil- und Krankenbehandlung, dies ist jedoch häufig mit langen Wartezeiten verbunden. Betroffene berichten zudem über Unsicherheiten bei der Therapeutenwahl sowie Wartezeiten von bis zu neun Monaten auf einen geeigneten Therapieplatz. Um konkrete Hilfen nach einer Gewalttat zu beschleunigen, arbeiteten Experten seit drei Jahren am sogenannten „Traumanetzwerk“, einer Kooperation von insgesamt 18 Einrichtungen. Heute (22.9.) trafen sie sich im Alten Schloss in Gießen zur feierlichen Unterzeichnung der Vertragsunterlagen. Das Konzept des Netzwerkes soll insbesondere Menschen zu Gute kommen, die Opfer von schweren Körperverletzungen, Sexualstraftaten, Überfällen wurden.

 

Der Hessische Minister für Soziales und Integration, Stefan Grüttner, unterstützt die Initiative des Regierungspräsidiums in Gießen zur Errichtung eines OEG-Trauma-Netzwerkes für Opferbetreuung und Opfer-Soforthilfe in Hessen. „Es freut mich, dass nunmehr auch in Hessen eine flächendeckende Versorgung mit schneller und kompetenter Hilfe für traumatisierte Opfer von Gewaltverbrechen möglich ist. Die Unterzeichnung der Kooperationsverträge durch die Vertragskliniken und dem Regierungspräsidium Gießen ist ein wichtiger Schritt für eine bessere Versorgung von Opfern von Gewalttaten in Hessen“, so der Minister.

 

„Die betroffenen Menschen brauchen vor allem schnelle und kompetente Hilfe, und zwar bereits vor einer Anerkennung durch die Versorgungsverwaltung“, erläuterte RP Dr. Lars Witteck, der das neue Netzwerk heute der Öffentlichkeit vorstellte. Demnach sicherten die Kooperationsverträge mit den Fachkliniken und Facheinrichtungen künftig eine schnelle und kompetente Hilfe zu. Jeder, der innerhalb Hessens Opfer einer Gewalttat geworden ist und einen Antrag auf Opferentschädigung bereits gestellt hat oder noch stellen möchte, kann eine der kooperierenden Einrichtungen für die Erwachsenen- sowie auch Kinder- und Jugendpsychiatrie aufsuchen und erhält dort, sofern notwendig, sofort therapeutische Hilfe bzw. binnen vier Wochen nach einer ersten Kontaktaufnahme. Denn gerade bei psychischen Traumata ist es wichtig, so früh wie möglich Maßnahmen der Krisenintervention einzuleiten um dauerhafte seelische Störungen zu vermeiden oder zu mildern. „Die Vertragsunterzeichnung markiert einen Meilenstein in der Opferentschädigung und Versorgung“, so Witteck. Seine Behörde habe sich mit viel Zeit und Arbeit dieser besonderen Aufgabe gewidmet. Ohne das große Engagement der beteiligten Einrichtungen wäre dieser Schritt nicht möglich gewesen. Witteck bedankte sich bei den Beteiligten und sagte zum Abschied: „Ich wünsche mir ein lebendiges, wachsendes Netzwerk, welches in Zukunft durch Unterstützung der Polizei sowie Opferschutzverbände oder –vereine noch weiter wachsen wird und somit eine entscheidende Stütze für Opfer von Gewalttaten darstellen soll“. Noch im Herbst wird es eine große Auftaktveranstaltung mit unterschiedlichen Beteiligten und weiteren Informationen zum Netzwerk geben. Eine Übersicht aller kooperierenden Einrichtungen finden Sie hier sowie im Informationsflyer des Regierungspräsidiums Gießen unter "Downloads".

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Zusätzliches Wissen:

1976 trat das Gesetz über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten (OEG) in Kraft. Es stellt neben den Leistungen der Heil- und Krankenbehandlung, der Rehabilitation und der Hilfsmittelversorgung auch Renten- und Fürsorgeleistungen zur Verfügung. Das Gesetz musste im Laufe der Zeit an die Bedürfnisse der Opfer von Gewalttaten angepasst werden und erforderte eine Weiterentwicklung. Der Bundesrat forderte daher im Jahre 2007 die Bundesregierung auf, Vorschläge für eine Neuordnung des Rechts der Gewaltopfer zu unterbreiten. Diese sollten nicht nur eine Optimierung der Opferbetreuung mit dem Ziel zügiger Erhalt der Leistungen, sondern auch psychologische Angebote außerhalb der Heilbehandlung im Sinne einer Soforthilfe als Regelleistung im OEG beinhalten. Die politische Vorgabe fordert einen Ausbau der Angebote für Opfer von Gewalttaten auf Länderebene und eine Vernetzung dieser Angebote über die Ländergrenzen hinaus. Das Ziel ist die Etablierung eines bundesweiten Netzes für die Soforthilfe und Betreuung von Opfern nach dem OEG. Inzwischen sind in allen Bundesländern Aktivitäten zur Etablierung eines OEG-Trauma-Netzwerkes erkennbar. Einige Bundesländer greifen bereits auf mehrjährige Erfahrungen zurück. Bereits im Jahre 2000 wurde ein OEG-Trauma-Netzwerk in NRW, in 2009 in Bayern (bislang allerdings nur für Kinder- und Jugendliche) und in 2010 in Niedersachsen etabliert. In Hessen gab es erste Aktivitäten zur Etablierung eines Netzwerkes zwischen Versorgungsverwaltung und potentiellen Vertragspartnern aus dem klinischen Bereich im August 2012. Im Rahmen einer Länderumfrage wurde das Regierungspräsidium Gießen angefragt, inwieweit in Hessen Ansätze zur Etablierung eines Kooperationssystems zwischen der Versorgungsverwaltung und Traumatherapeuten existieren. Zeitgleich wurde das RP Gießen vom Hessischen Sozialministerium beauftragt, ein OEG-Trauma-Netzwerk in Hessen zu konzipieren und mit der Akquise von potentiellen Kooperationspartnern zu beginnen. Aus diesem Grund hat das Regierungspräsidium nun, auch im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration, ein Konzept für ein fachärztliches und fachpsychologisches Netzwerk entwickelt, durch das den Betroffenen in allen Regionen Hessens fachkompetente Untersuchung und Therapie angeboten werden kann, sodass chronische Belastungsstörungen sowie psychische Langzeit- und Spätfolgen vermieden bzw. gemildert werden können. Nach den Ergebnissen aktueller Studien ist dies der Fall, wenn eine möglichst zeitnahe fachkompetente Therapie sichergestellt ist. ***

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