RP genehmigt Wasserkraftanlage an der Lahn

Das Regierungspräsidium (RP) Gießen hat heute (8.2.) den Bau und Betrieb einer Wasserkraftanlage am ehemaligen Buderuswehr an der Lahn in Lollar-Ruttershausen (Gemarkung Ruttershausen) genehmigt und den entsprechenden Bescheid an Dr. Ronald Steinhoff für die Wasserkraft Lollar GmbH & Co. KG übergeben.

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RP genehmigt Wasserkraftanlage an der Lahn in Lollar-Ruttershausen
Dezernatsleiter Dirk Wamser (rechts) übergibt den Genehmigungsbescheid an Dr. Ronald Steinhoff

Der Antragstellerin wird die Erlaubnis erteilt, das in der Lahn abfließende Wasser in der Gemarkung Ruttershausen, Flur 5, Flurstück 377, und in der Gemarkung Lollar, Flur 2, Flurstück 406, mittels eines festen Wehres mit der Wehrkronenhöhe von 162,05 m ü.NN anzustauen, das gestaute Wasser in einer Menge von max. 17 m³/s, zuzüglich der ständig zu leitenden Wassermengen von mindestens 300 l/s über den Fischabstieg und mindestens 360 l/s über den Fisch-Kanu-Pass, zum Betrieb zweier Wasserkraftmaschinen mit einer Leistung von insgesamt 250 kW zu gebrauchen und wieder in die Lahn abzuleiten.

 

Die Genehmigung schließt die Errichtung von Nebenanlagen im Gewässer und im Gewässerrandstreifen, für die Kabelverlegung zum Anschluss an das Mittelspannungsnetz der EAM ein sowie für die Errichtung eines Betriebsgebäudes.

 

Der Antrag zur Errichtung des Wehres ging beim RP Gießen am 19.05.2014 ein und wurde letztmalig ergänzt am 23.07.2015. Nachdem zunächst der Einbau von zwei gleich großen Kaplanturbinen (insgesamt 265 kW) vorgesehen war, sollen nun nach einer entsprechenden Änderung des Antrags zwei vertikale Francisturbinen mit einer Leistung von 170 und 80 kW installiert werden. Der Wechsel des Turbinentyps und der Größenverteilung wurde unter anderem mit einer besseren Ausnutzung des Wasserpotenzials, einer heute optimierten Steuerungstechnik und einem Kostenvorteil im Maschinenbau begründet. Bereits im ursprünglichen Antrag waren mehrere Anlagenvarianten auch unter Berücksichtigung standortspezifischer Gegebenheiten untersucht worden. Bei einem Ausbaudurchfluss der Wasserkraftanlage von 17 m³/s ist mit einer mittleren jährlichen Energiemenge an Strom von etwa 1,1 Mio. kWh zu rechnen.

 

Die derzeit bestehende Wehranlage besteht aus einem etwa 56 m breiten und 25 m langen festen Wehrkörper, der als gewinkeltes Streichwehr teils mit Wasserbausteinen bestückt und teils betoniert ist. Die Fallhöhe bei Mittelwasserabfluss der Lahn beträgt ca. 1,75 m. Das Wehr ist bis auf einige kleinere Schadstellen auf dem Wehrrücken in einem guten baulichen Zustand, stellt aber laut der Datenbank Wanderhindernisse der Landes Hessen eine gewässerökologische Barriere (WH ID 22920) dar und ist für aufwärtswandernde Fische als weitgehend unpassierbar eingestuft worden. Am rechten Ufer soll daher neben der Kraftanlage eine Fischaufstiegsanlage in Form eines Fisch-Kanu-Passes gebaut werden. Die künftige Bauform ermöglicht sowohl die aufwärtsgerichtete Wanderung der Fische und anderer wasserabhängiger Lebewesen als auch die flussabwärts gerichtete gefahrlose Passage des Wehres für Wasserwanderer (Kanuten).

 

Zum Fischschutz und -abstieg ist ein in Draufsicht schräg verlaufender, horizontaler Leitrechen mit einem Stababstand von 12 mm vorgesehen und seitlicher Abwanderungsmöglichkeit über einen Leerschuss.

 

Die Investitionskosten werden nach der in den Antragsunterlagen enthaltenen Kostenberechnung mit 1.445.000 Euro beziffert.

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Pressesprecherin: Frau Gabriele Fischer
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