„Die Zusammenarbeit ist sehr unkompliziert gelaufen“

Moore sichern und renaturieren: Regierungspräsident Ullrich besichtigt mit Beteiligten erweiterte Naturschutzgebiete im Burgwald

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Forstamtsleiter Eberhard Leicht und weitere Männer und Frauen, die an dem Termin teilnahmen.
Forstamtsleiter Eberhard Leicht erläutert auf den Franzosenwiesen Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (2.v.l.) mit den anderen Gästen die wichtige ökologische Bedeutung des Burgwalds.

Gießen. Auf einen Schlag sind sechs Naturschutzgebiete im Burgwald um zwei Drittel größer. Ursprünglich 269 Hektar sind nun auf 443 erweitert geworden. Ziel ist es, die ökologisch wichtigen Moorflächen zu erhalten und auszubauen. Ermöglicht hat das die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium (RP) Gießen. Angestoßen hatte das Projekt die Aktionsgemeinschaft „Rettet den Burgwald“ und das Forstamt Burgwald. In enger Zusammenarbeit mit Hessen-Forst ist es letztlich umgesetzt worden. Am Waldrand zwischen Mellnau und Oberrosphe trafen sich die Beteiligten, um die erfolgreiche Kooperation in dieser Naturschutz-Mission dem Regierungspräsidenten Dr. Christoph Ullrich vorzustellen.

Klimatisch höchst wirksam

Moore sind im Mittelhessischen eher exotisch. Diese speziellen Feuchtgebiete kommen überwiegend im Nordwesten und -osten der Republik sowie im Alpenvorland vor. Dafür sind sie aber klimatisch höchst wirksam, wie sich bei den ersten beiden Stationen der Besichtigung mitten im Burgwald zeigt: den Franzosenwiesen. Gummibestiefelt hat sich die zehnköpfige Besuchergruppe einige Meter auf die große, baumfreie Fläche vorgearbeitet. An einer umliegenden Fichte wird ein Stopp eingelegt. „Der Grund für die Erweiterung ist, dass diese Naturschutzgebiete etwas ganz Besonderes haben“, erläutert Jürgen Busse, Leiter des für Schutzgebiete zuständigen RP-Dezernats. Im Gegensatz zu den Mooren in der Rhön sind sie noch im Wachstum begriffen.

Wichtig dabei zu wissen: auch wenn Moore weltweit nur drei Prozent der Landfläche bedecken, speichern diese doch ein Drittel des terrestrischen Kohlenstoffs. Das heißt, die in den frisch-kühlen Talzügen des Burgwaldes anzutreffenden Moor- und Feuchtlebensräume sind höchst schützenswert. „Daher stellt deren Sicherung und Renaturierung einen wesentlichen Beitrag im Rahmen des Klimaschutzes dar“, sagt Jürgen Busse. „Es kommt auf jeden Hektar an“, sagt er. In diesem Zusammenhang dankt er der Aktionsgemeinschaft „Rettet den Burgwald“, diesen Vorschlag zur Erweiterung hartnäckig verfolgt zu haben. Dieser richtet sich an die anwesenden Dr. Anne Archinal als Vorsitzende und Dr. Jürgen Kluge, ebenfalls im Vorstand der Aktionsgemeinschaft sowie an das nicht anwesende Ehrenmitglied Helmut Jesberg. Dieser hat sich gegenüber dem Regierungspräsidium in den vergangenen Jahren maßgeblich für eine Schutzgebietserweiterung eingesetzt. „Seit fast 50 Jahren machen wir uns für den Naturschutz hier stark und schon vor 30 Jahren haben wir die ersten Moore im Burgwald revitalisiert“, sagt die Vorsitzende. „Heute gilt das Motto ,Gemeinsam für den Burgwald‘. Das war nicht immer so, aber das ist eine sehr positive Entwicklung.“

Modellforstamt Klimaschutz

Eberhard Leicht, Leiter des Forstamts Burgwald, berichtet, umsurrt von Schnaken, von dem Projekt. Sein Amt betreut nicht nur die Naturschutzgebiete im Auftrag der Oberen Naturschutzbehörde des RP Gießen, es ist von der Hessischen Landesregierung im Vorjahr auch zum Modellforstamt Klimaschutz erklärt worden. „Wir stehen mitten in der Katastrophe“, sagt er nüchtern. Damit gemeint sind Trockenheit und Schädlingsbefall, die nicht nur der Fichte zugesetzt haben. Diese beschleunigen nun den Waldumbau im Umfeld der Moore.  „Die Zusammenarbeit ist sehr unkompliziert gelaufen“, sagt er. Mit einem über das Gelände gespannten Seilkransystem, wie es in den Alpen in unzugänglichem Gelände eingesetzt wird, sind die Fichten moor- und bodenschonend entfernt worden. Das sollte immer so geschehen, ist aber noch nicht die allgemeine forstliche Praxis.

Geblieben sind viel Weitsicht, Heidekraut, Moose und offene Wasserflächen. „Unsere Hoffnung ist, dass die Vermoorung hier weiter voranschreitet“, sagt der Förster. Ideal wäre ein naturnaher Zustand, in den möglichst wenig eingegriffen werden müsste. „Die Trockenheit berührt aber auch die Moore.“ Deshalb soll in den Wassereinzugsgebieten um die erweiterten Naturschutzgebiete herum noch mehr passieren, wie Eberhard Leicht berichtet: „Wir wollen den Wald so umbauen, dass möglichst viel Wasser bei den Mooren ankommt.“ Nadelwald soll Laubwald weichen. Hier entsteht der Wald der Zukunft mit Bäumen, die weitaus weniger durstig sind als ihre Vorgänger.

Eberhard Leicht berichtet weiter von der Historie des Burgwalds, seinen hochwertigen Biotopen und dem Vogelschutzgebiet Burgwald‘, das vor allem für seine kleinen Eulenarten, aber auch Uhu und Schwarzstorch bekannt ist und dem Sturmtief Friederike, das tiefe Schneisen hinterließ.

Rund 140.000 Euro investiert

RP-Mitarbeiter Busse ergänzt, in den vergangenen vier Jahren seien rund 140.000 Euro für die Maßnahmen durch das Land Hessen investiert worden. „Wahrscheinlich wird es in diesem Jahr noch mehr werden.“ Außerdem soll die Ausweisung von zwei weiteren Naturschutzgebieten folgen.

Eine weitere Station der Burgwald-Tour ist ein Talgrund, bestanden mit hohen Fichten im Naturschutzgebiet Diebskeller/Nebeler Hintersprung. Steffen Hering, Revierleiter Münchhausen, steht mit der Gruppe unmittelbar an einem ausgetrockneten Wassergraben. Zu der gehören neben Ingo Schulze (Hessen-Forst / Bereichsleiter, Dienstleistung, Hoheit) auch Sonja Heckrodt (RP-Abteilungsleiterin), Reiner Diemel (RP-Dezernatsleiter) sowie Martin Schab (RP-Mitarbeiter). „Mein Plan ist es, hier im Winter tätig zu werden“ sagt Hering. Das Areal gehört drei privaten Eigentümern, mit denen er hofft, eine Einigung zu erzielen, um hier den Moorschutz voranzubringen, nämlich: die Fichten räumen, den Graben mit dem Bagger bis zum Mineralboden freiräumen und dann zu verfüllen.

Der Wunschzustand ist wenige Hundert Meter weiter am Gerhardshals zu begutachten. Auf der moorigen Fläche sind bereits alle Fichten entfernt und die Drainagegräben mit Sand verfüllt worden. Wie auf Bestellung fliegt eine Libelle vorbei, die sich in den noch fichtenbewachsenen Moorbereichen nicht aufhalten würde. „Wir haben alle verstanden, welche wichtige, ökologische Bedeutung die Moore und die Naturschutzgebiete hier im Burgwald haben“, sagt Regierungspräsident Ullrich am Ende der Besichtigungstour. „Deshalb sage ich herzlichen Dank für das Engagement aller Beteiligten, die dazu beigetragen haben, diese Gebiete zu erweitern. Die nächsten Generationen werden es uns danken.“

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