„Förderung ist gut investiertes Geld“

Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich lobt Kelterwiesen-Projekt im Landkreis Marburg-Biedenkopf – Landwirte haben auf ihren Wiesen bereits gut 840 Obstbäume gepflanzt

20210224 Kelterwiesen-Projekt mit Landrätin Fründt und Regierungspräsident Ullrich - Gruppenbild (1).JPG

Die Nebenerwerbslandwirte Horst Gombert und Bernd Lemmer, Landrätin Kirsten Fründt und Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich pflanzen einen Baum.
Die Nebenerwerbslandwirte Horst Gombert und Bernd Lemmer, Landrätin Kirsten Fründt und Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (von links) pflanzten einen Baum.

Marburg-Biedenkopf. „Mit dem Kelterwiesen-Projekt geht der Landkreis gemeinsam mit den beteiligten Landwirten und Verbänden vor Ort mit gutem Beispiel voran. Sie zeigen, was mit Eigeninitiative alles erreicht werden kann.“ Mit diesen Worten lobt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich das Projekt im Landkreis Marburg-Biedenkopf, das die regionale Versorgung mit Lebensmitteln und Rohstoffen mit dem Erhalt der heimischen Artenvielfalt verbindet. Es wird vom Regierungspräsidium Gießen gefördert. Mittlerweile haben bereits 15 Landwirte insgesamt gut 840 Obstbäume auf ihren Wiesen gepflanzt. Weitere Interessierte haben sich bereits angemeldet.

Die hessischen Keltereien verzeichnen einen stetigen Rückgang von Kelterobst und greifen deshalb immer öfter auf Importe zurück. Mit dem Rückgang von Obstanbauflächen und extensiv genutzten Streuobstwiesen schwinden auch Lebensräume für zahlreiche Insekten, Vögel und Kleinsäuger. Für dieses Problem bietet der Landkreis Marburg-Biedenkopf mit dem Kelterwiesen-Projekt eine Lösung an.

Neue Streuobstwiesen

Dabei pflanzen Landwirte aus dem Landkreis auf eigenen Flächen eine Vielzahl an Apfelbäumen. So sollen neue Streuobstwiesen entstehen, die nicht nur den heimischen Keltereien, sondern auch dem Artenschutz zugutekommen sollen. Der Landkreis Marburg-Biedenkopf koordiniert mit seinem Fachbereich Ländlicher Raum und Verbraucherschutz das Projekt, übernimmt die Abwicklung und steht beratend zur Seite. Hinzukommen soll zudem die Unterstützung der Vermarktung von Tafelobst.

Nachdem im vergangenen Jahr bereits elf Landwirte aus dem Landkreis insgesamt 740 hochstämmige Apfelbäume gepflanzt hatten, schlossen sich während eines erneuten Pflanz-Workshops am Mittwoch vier weitere Landwirte mit weiteren 103 Obstbäumen dem Projekt an. Und zum Pflanz-Workshop im Herbst liegen bereits Anmeldungen vor.

„Wir freuen uns sehr über das rege Interesse. Mit dem Kelterwiesen-Projekt nutzen wir die Möglichkeiten des wirtschaftlichen und ökologisch sinnvollen Obstanbaus gleich mehrfach. Nämlich um einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt zu leisten, die regionale Versorgung mit Lebensmitteln sicherzustellen und zudem nachhaltige Einkommensalternativen für landwirtschaftliche Familienbetriebe zu schaffen“, freut sich Landrätin Kirsten Fründt. Das komme nicht zuletzt auch der Vielfalt der Obstsorten selbst zugute.

Regierungspräsidium Gießen fördert jeden Baum mit 25 Euro

Das Regierungspräsidium Gießen fördert das Projekt. Jeder Baum wird mit 25 Euro aus Mitteln der Hessischen Biodiversitätsstrategie bezuschusst. Außerdem erhalten die Landwirte in den folgenden Jahren über den Fachbereich Ländlicher Raum und Verbraucherschutz der Kreisverwaltung einen Zuschuss aus dem Hessischen Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflegemaßnahmen (HALM) für die Pflege und Unterhaltung der Streuobstwiesen.

Das Projekt könne auch als Vorbild für andere Regionen in Mittelhessen dienen und zum Nachmachen motivieren, findet Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Die Artenvielfalt – und die Keltereien – dankten es in kurzer Zeit. „Nicht zu vergessen sind die Streuobstwiesen auch ein Erkennungsmerkmal unserer mittelhessischen Region.“ Als prägende Bestandteile der Kulturlandschaft hätten sie eine besondere Bedeutung für das Landschaftsbild. „Die Förderung ist deshalb gut investiertes Geld, für unsere Region insgesamt“, sagte Ullrich.

Das Kelterweisen-Projekt geht zurück auf eine Initiative heimischer Landwirte und der Firma Rapp´s Fruchtsäfte aus Karben zur Stärkung des Kelterobstanbaus. Der Landkreis griff die Anregung zunächst mit einem Infoabend auf, der gemeinsam mit Vertretern des Kreisbauerverbands Marburg sowie des Wasser-und Bodenverbands Marburg organisiert wurde. Dabei wurde klar, dass das Thema bei den heimischen Landwirten auf großes Interesse stößt.

In der Folge entwickelte sich die Projektidee, nämlich Kelterobst nicht wie ursprünglichen angedacht in Plantagenform, sondern als Streuobstwiese anzubauen. Zudem konnte zwischenzeitlich auch der Kreisverband für Obst-und Gartenbau für eine Mitarbeit und Unterstützung des Projektes gewonnen werden.

Weitere Informationen zum Projekt beantwortet der Fachbereich Ländlicher Raum und Verbraucherschutz des Landkreises Marburg-Biedenkopf telefonisch unter 06421 405-6214 oder per E-Mail an ZerbeM@marburg-biedenkopf.de.

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