„Ich war und bin immer fokussiert auf ganzheitliche Lösungen“

Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich spricht diesmal mit Manuel Rupp, Gründer und Geschäftsführer von weLOG in Wetzlar.

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Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich im Gespräch mit Manuel Rupp von weLOG
Mutmacher in der Corona-Lage: Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (r.) spricht mit Manuel Rupp über sein im Sommer 2019 gegründetes Unternehmen weLOG, das rasant gewachsen ist.

Gießen/Wetzlar. „Gegründet wurde das Unternehmen im Sommer 2019. Jetzt haben Sie Mitarbeiter im hohen zweistelligen Bereich und Vertriebsniederlassungen in Hamburg, Berlin, Frankfurt und München. Wie geht sowas?“ Diese Frage brennt dem Gießener Regierungspräsidenten Dr. Christoph Ullrich auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie unter den Nägeln. Und so dauert es nicht lange, bis er genau das von Manuel Rupp wissen möchte. In seiner Reihe „Auf eine TelKo mit…“ spricht RP Ullrich diesmal mit dem Gründer und Geschäftsführer der weLOG GmbH in Wetzlar. Rupp ist einer der Mutmacher im Regierungsbezirk der fünf mittelhessischen Landkreise, die der RP vorstellt.

Bevor Manuel Rupp auf die Frage antwortet, muss er selbst erst mal schmunzeln. Denn das, was er macht, ist für ihn nichts Neues. Als ehemaliger Geschäftsführer zweier Logistik-Unternehmen verfügt Rupp über mehrjährige Erfahrung in seiner Branche. 2019 setzte er alles auf eine Karte, indem er weLOG ins Leben rief. „Ich habe das Unternehmen gegründet mit dem Slogan ,Klassische Logistik neu gedacht‘.“ Die Idee: das Geschäftsmodell und die Bedürfnisse der Geschäftspartner verstehen und gemeinsam individuelle Lösungen entwickeln, die Mehrwerte stiften. „Ich war und bin immer fokussiert auf ganzheitliche Lösungen.“ Am Anfang hat sich Rupp vermeintliche Hürden zu Nutze gemacht. „Ich habe mich an etwas herangetraut, das kein Logistiker gerne macht“, erklärt der 40-Jährige, „nämlich den Bereich Werbemittel-Logistik. Das Geschäft ist sehr zeitintensiv, die Verpackung aufwendig und die Margen verschwindend gering. Gleichzeitig ist es doch der Türöffner für neue Geschäftsbeziehungen.“

Vier Säulen

Heute ist dieser Bereich eine von vier Säulen, auf die Rupp baut. Das stärkste Wachstum verzeichnet dabei der Bereich eCommerce. Hier bietet weLOG ein ganzes Portfolio an Dienstleistungen an. „Sie ermöglichen es dem Kunden, sich voll und ganz auf das Produkt zu konzentrieren. Um Marketing, Vertrieb und Service kümmern sich die Mitarbeiter von weLOG“, erzählt er. Das sind mittlerweile 75 Frauen und Männer. Zu Beginn hatte das Unternehmen lediglich drei. Und der Regierungspräsident erfährt weitere interessante Zahlen. Etwa, dass pro Tag 2.500 Pakete in die ganze Welt verschickt werden und rund 400.000 Artikel von über 35 Vertragspartnern in der Zentrale in Wetzlar lagern.

„Ich habe mit meinen angebotenen Dienstleistungen den Nerv der Zeit getroffen. So habe ich sehr schnell sehr viele Kunden dazugewonnen“, sagt Rupp. Dazu zählen inzwischen sowohl Konzerne, mittelständische Unternehmen und Verbände als auch kleine Start-ups und Einzelhändler. „Unser Angebot ist anders als das von normalen Logistik-Dienstleistern.“ Was das konkret bedeutet, erfährt Regierungspräsident Ullrich auch direkt. „Mehr als die Hälfte meiner Mitarbeiter arbeitet nicht im Lager.“ Sieben arbeiten beispielsweise im Marketing, acht in der IT und 15 im Kundenservice. „Das Herzstück und der Platz, an dem alles wieder zusammenkommt, ist dennoch die Logistik.“

Interessant und auf den ersten Blick vielleicht auch ungewöhnlich ist das Preissystem des Unternehmens im Bereich eCommerce. Initialkosten für die Waren-Einlagerung, die Anbindung an IT-Systeme, Marketing oder Verpackung gibt es nicht. weLOG verdient erst beim Verkauf der Produkte und bekommt einen prozentualen Anteil. „Und das hat sich bislang bewährt?“, fragt Ullrich vorsichtig nach. „Ja, denn es schafft Vertrauen und eine enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Der Verkauf der Waren ist das gemeinsame Ziel. Unsere Mitarbeiter identifizieren sich mit den Produkten unserer Geschäftspartner und glauben an den Erfolg“, betont Rupp.

„Ich suche nach weiteren Flächen“

Sein Konzept geht auf. Davon zeugt allein schon die Tatsache, dass das Unternehmen bereits umziehen musste – und das während des laufenden Betriebs. Nach dem Start mit 2.500 Quadratmetern Lagerfläche in Solms-Albshausen wurden drei Monate später zusätzlich 1.000 Quadratmeter in Wetzlar gemietet. Im Januar wurde schließlich auf 9.500 Quadratmeter, ebenfalls in Wetzlar, zentralisiert und vergrößert. „Das sollte eigentlich ausreichend sein für zwei, zweieinhalb Jahre, aber es ist jetzt schon wieder voll und ich suche nach weiteren Flächen“, berichtet Manuel Rupp.

„Sie wachsen rasant – aber wie bekommen Sie denn so schnell Personal?“, fragt Ullrich. „Ich denke, es ist eine Mischung aus mehreren Faktoren, welche die weLOG für junge Talente, Teilzeitkräfte und Profis gleichermaßen attraktiv macht. Oft höre ich von Bewerbern, dass es in der Region nicht viele Start-ups gibt, die einen leichten Einstieg und flexible Jobs ermöglichen“, führt Rupp ein Beispiel an. Angesichts der bisherigen Entwicklung möchte Ullrich natürlich auch wissen, ob weLOG immer größer werden soll. „Unsere Ziele für 2021 sind klar definiert. Wir wollen weiter wachsen. Neben der zusätzlichen Lagerfläche werden wir weitere Mitarbeiter im Bereich IT einstellen und unsere Expertise im Bereich Online-Handel verstärken“, gibt der 40-Jährige einen Ausblick.

Trotz seines eigenen Unternehmens mit Fokus auf Online-Handel ist Manuel Rupp privat ein Freund des stationären Einzelhandels. „Ich kaufe sehr gerne in der Altstadt in Wetzlar ein.“ Aber er findet auch: Der stationäre Einzelhandel muss sich nach außen öffnen. „Ich vermute, ohne ein Standbein im Internet wird das schwierig für den lokalen Einzelhandel“, sagt Ullrich – und das nicht nur mit Blick auf Corona.

„Man darf nicht den Glauben an sich verlieren“

„Ich bin immer wieder begeistert, welche tollen Unternehmen wir hier in Mittelhessen haben. Unternehmen, die neue Ideen haben und die eigentlich alte Ideen neu denken, sodass sie innerhalb kürzester Zeit sehr groß werden“, lobt der Regierungspräsident zum Ende des Gesprächs. Manuel Rupp muss allerdings zugeben, dass es zu Beginn der Corona-Krise schwierig war und er sehr kreativ sein musste. „Als Corona kam, war mein Unternehmen sechs Monate alt.“ Er beantragte und bekam Soforthilfe, 70 Prozent seiner Mitarbeiter waren vorübergehend in Kurzarbeit. Inzwischen hat er die Verluste durch das Wachstum kompensiert. Rückblickend sagt Rupp: „Zum Glück steht das Unternehmen auf den Säulen verschiedener Kunden mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen und Dienstleistungen. Ich bin nicht von einer Branche oder von einem Land abhängig.“ Das kann er nur jedem empfehlen. Und: „Man darf nicht den Glauben an sich verlieren.“

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