100 Jahre Erster Weltkrieg – Lehren einer Urkatastrophe für die Zukunft Europas

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100 Jahre Erster Weltkrieg – Lehren einer Urkatastrophe für die Zukunft Europas
Bundestagsabgeordnete Bettina Wiesmann, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (2.v.l.) und Sebastian Gratz (r.) vom CIVIC-Institut für internationale Bildung diskutierten mit dem Publikum.

Gießen. Eine alte Schnapsflasche stand im Mittelpunkt einer hochinformativen Veranstaltung zur Europawoche 2018 mit dem Titel „100 Jahre Erster Weltkrieg – Lehren einer Urkatastrophe für die Zukunft Europas“. Denn sie ist Ausgangs- und Endpunkt des Multimedia-Vortrags „Europa und der Erste Weltkrieg – Die Friedensbotschaft von Fiquelmont“ von Ingo Espenschied. Der Diplom-Politologe und Journalist berichtete live, unterstützt von virtuos montierten Gemälden, Karikaturen, Fotografien, Radio- und Filmbeiträgen auf der Leinwand in Saal 7 im Kinopolis, wie es zum Ersten Weltkrieg kommen konnte. Zu dem Vortrag mit anschließender Podiumsdiskussion eingeladen hatte das EU-Informationszentrum, das im Regierungspräsidium Gießen am Landgraf-Philipp-Platz seinen Sitz hat.

Die Flasche hatte der Bauer Fernand Boulanger im kleinen Ort Fiquelmont im Osten Frankreichs in Lothringen auf dem Dachboden seiner Scheune gefunden. 1981 war das, nachdem sie bereits 65 Jahre dort gelegen hatte. mit einer geheimnisvollen Botschaft. Hinterlassen wurde es von sechs deutschen Soldaten des 2. Husarenregiments der Reserve, die hier während des Ersten Weltkriegs einquartiert waren. Hautnah haben sie Nationalismus, Militarismus und das Gemetzel auf den Schlachtfeldern miterlebt und rufen in einem dramatischen Schreiben in ihrer Flaschenpost die kommenden Generationen zum Frieden auf mit den Worten: „Utopie und mögliches Eden ist ein geeintes Europa.“

Ingo Espenschied startet mit der Gründung des Deutschen Reichs von 1871 und zeichnet den nationalistischen Weg in die Urkatastrophe nach, berichtete von den Toten, macht die Zahlen spürbar. „Täglich sind mehr als 8000 Menschen gefallen“, sagt er über den Stellungskrieg an der Somme. An einer anderen Stelle berichtet der Journalist „von fünf Monaten erbitterter Kämpfe für vier Kilometer Landgewinn“. Einen großen Teil nimmt nicht nur der Erste Weltkrieg, sondern die große Bedeutung deutsch-französischer Annäherung nach Ende des Zweiten Weltkrieges ein. „Es ist ein ganz anderes Europa, das wir heute haben. Und wir erleben die längste Friedensperiode, die wir jemals hatten.“ Der Vortrag endet mit einem ermutigenden Appell: „Wir haben in Deutschland 80 Millionen Einwohner, das ist ein Prozent der Weltbevölkerung. Wenn wir 500 Millionen sind, wie aktuell in der Europäischen Union, dann werden auch in der Zukunft eine Chance haben.“

Zur anschließenden Diskussion sitzen Bettina Wiesmann, CDU-Bundestagsabgeordnete und Mitglied des Verteidigungsausschusses, Sebastian Gratz vom CIVIC-Institut für internationale Bildung sowie Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich auf dem Podium. Mit dem Publikum im Dialog hilft Moderator Ingo Espenschied dabei, eine Brücke zu aktuellen Themen innerhalb und außerhalb der Europäischen Union zu schlagen. „Viele unserer Regeln im Miteinander, die wir uns geben, sind auf Europa zurückzuführen“, sagt Sebastian Gratz und nennt den Verbraucherschutz als Beispiel. „Der hat seinen Ursprung im Europäischen Parlament.“

Der Wert der europäischen Idee wird unterschätzt, das ist der Tenor der Diskussion. „Die lange Zeit des Friedens in Europa wird in meiner Wahrnehmung als zu selbstverständlich angesehen“, sagt RP Ullrich. Ein Neuntklässler der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Lich meldet sich, berichtet von einer Begegnung mit einem Jugendlichen aus Afghanistan: „Wenn ich morgens zur Schule gehe, muss ich nicht damit rechnen, erschossen zu werden.“ Er stellt die Frage, die viele junge Menschen bewegt: „Was würde passieren, wenn morgen ein Krieg ausbricht?“ Der Regierungspräsident nimmt die Dramatik heraus. „Heute gibt es zum Glück viele internationale Abkommen und wirtschaftliche Verbindungen zwischen den Staaten.“ Ein Krieg werde heute nicht einfach einseitig erklärt wie 1914 im Ersten Weltkrieg.

Gefragt war auch die Arbeit von Bettina Wiesmann in Berlin, vor allem im Verteidigungsausschuss, die sie skizzierte. „Wir haben eine gemeinsame Verteidigungspolitik, aber wir haben da noch viel zu tun“, sagt die Bundestagsabgeordnete. Vorausgegangen war die Frage aus dem Publikum, ob Europa einheitlich auch im Verteidigungsfall zusammenstehe werde, da aktuell immer mehr nationalistische Töne zu hören seien. Die Große Koalition habe dies als wichtige Aufgabe erkannt.

Glücklicherweise, lautete eine weitere Meldung, könnten die Menschen – zumindest in Europa – in einer friedlichen und freiheitlichen Gemeinschaft leben. Das gelte jedoch nicht in allen Teilen der Welt. „Insofern müssen wir uns auch in Abwesenheit von Krieg für den Ernstfall rüsten und als Europäische Union eine klare Vorstellung von Sicherheit und Verteidigung entwickeln“, sagte Regierungspräsident Ullrich.

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