Aufeinander abgestimmter Lebensraum für Mensch und Vogel

Eigentlich ist die Aartalsperre bei Mudersbach in erster Linie ein technisches Bauwerk für den Hochwasserschutz. Inzwischen hat sie sich aber auch zu einem der hessenweit bedeutsamsten Lebensräume für Vögel entwickelt, die an Gewässer und Frischgrünland gebunden sind. Ein Lebensraum, der Schutz braucht, denn immer mehr Menschen suchen dort Erholung.

PM 147 Neuer Lehrpfad im Naturschutzgebiet Aartalsperre (2).JPG

Hinweisschild
Eine Übersichtstafel am Eingang ins Naturschutzgebiet Aartalsperre

Um das Naturerlebnis weiter zu fördern und zugleich ein ungestörtes Vogelleben zu ermöglichen, ist nun ein Lehrpfad eingerichtet worden – inklusive Tafeln mit vertiefenden Informationen und QR-Codes. Auftraggeber war die Obere Naturschutzbehörde (ONB) im Regierungspräsidium Gießen mit enger fachlicher Beteiligung der ehrenamtlichen Schutzgebietsbetreuer von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) und Hessen Forst, Forstamt Wetzlar.

„Nicht nur an der Wasserfläche, sondern auch im Grünland an der Westseite brüten viele heimische Vogelarten“, berichtet Werner Schindler, ehrenamtlicher Schutzgebietsbetreuer der HGON. Das ganze Jahr über nutzen Durchzieher den Aartalsee als Rastplatz, zur Nahrungsaufnahme und als wichtigen Trittstein für ihre Fernwanderungen.

Vor rund 30 Jahren wurde beim Bau bewusst auf naturnahe Gewässerstrukturen verzichtet, um den technischen Anforderungen des Betriebs zu genügen. „Als Ausgleich für den damit verbundenen Eingriff in den Naturhaushalt wurde die Vorsperre als idealtypische Gewässerlandschaft konzipiert“, erläutert Johannes Volkmar, Schutzgebietsbetreuer des Forstamtes Wetzlar.

Hierzu wurde am Westufer eine vielfältig strukturierte und gegliederte Landschaft geschaffen und als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Sowohl Vor- als auch Hauptsperre gehören überdies zum Europäischen Vogelschutzgebiet „Wiesentäler um Hohenahr und Aartalsperre“, in dem die bedeutenden Vogelarten und ihre Lebensräume besonders geschützt sind und gefördert werden. Eine wesentliche Schutzmaßnahme besteht darin, das Gewässer, die Uferbereiche sowie das angrenzende Grünland weitgehend zu beruhigen, um Störungen der Vögel in ihren Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu vermeiden.

„Um Besucherinnen und Besuchern des Naturschutzgebiets dennoch ein intensives Naturerleben zu ermöglichen, wurde auf dem Westufer der Vorsperre ein Pfad eingerichtet, von dem aus die verschiedenen Lebensräume gut einzusehen sind“, berichtet Werner Schindler. Dieser Pfad soll im besonderen Maße der eher stillen Naturbeobachtung gewidmet sein, während der Betriebsweg am Ostufer etwas breiter ausgebaut ist und die Funktion des ehemaligen Dorfverbindungsweges zwischen Mudersbach, Niederweidbach und Ahrdt übernimmt.

Aus Sicht aller Beteiligten soll unabhängig davon das Naturerlebnis weiter gefördert werden, wofür der Lehrpfad eingerichtet worden ist. „An vier Stationen entlang des Westuferwegs werden die vorkommenden Arten und ihre Lebensräume näher vorgestellt“, erläutert Johannes Volkmar. Hier wird auf die wesentlichen Artengruppen und ihre verschiedenen Ansprüche sowie Besonderheiten am Standort hingewiesen. Die Bildtafeln wurden vom Büro Biopresent aus Gießen erstellt.

Vertiefende Informationen können über QR-Codes abgerufen werden, die auf weitere Angebote der ONB bzw. der Ornithologen verweisen. Vier neue Übersichtstafeln an den Eingängen vervollständigen das Informationsangebot. Der markante Farbcode – grüne Aufsteller im Naturschutzgebiet, blaue Aufsteller an der Hauptsperre – findet sich als Schraffur auf der Übersichtskarte wieder. „Dadurch ist die räumliche Aufteilung einerseits in einen Vorrangbereich für den Naturschutz und andererseits in einen für Freizeitaktivitäten und Erholung intuitiv erkennbar“, sagt Johannes Volkmar.

Mit Sorge registrieren die Schutzgebietsbetreuer der ONB und HGON allerdings die zunehmend intensivere Freizeitnutzung auch auf dem Westuferweg. „Insbesondere der Fahrradverkehr hat dort stark zugenommen, seit Elektrofahrräder immer weitere Verbreitung finden“, berichtet Werner Schindler. Durch die intensive Radnutzung wird der Weg stark belastet. Es kommt auch regelmäßig zu gefährlichen Begegnungen mit Fußgängern, vor allem in den kurvigen Abschnitten am Plateau, die abrupte Abbremsmanöver provozieren.

Die Schutzgebietsbetreuer appellieren deshalb zu besonderer Rücksichtnahme aufeinander und auf die Natur, die an dieser Stelle Vorrang hat. „Es wird gesellschaftlich derzeit viel über den Erhalt der Artenvielfalt gesprochen, hier kann jeder durch ein zurückhaltendes Verhalten einen Beitrag leisten“, bittet Werner Schindler um Rücksicht. Die erst im Vorjahr durch die Gemeinde Hohenahr erneuerte Sitzgarnitur auf dem Plateau lade in der jetzigen Form in unmittelbarer Nähe zu den Brutgebieten zu geselligem Beisammensein ein. Es wird daher darüber nachgedacht, die Sitzgelegenheit an einen weniger störenden Platz zu verlegen, um das Gelände zu beruhigen.

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