Ein runder Geburtstag ohne Feier

Regierungspräsidium Gießen startete offiziell vor 40 Jahren mit Festakt in der Gießener Kongresshalle.

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Foto von Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, der eine Torte zum 40. Geburtstag des RP in den Händen hält.
Eine Feier zum 40-jährigen Bestehen des Regierungspräsidiums Gießen ist Corona-bedingt nicht geplant, dafür gibt es eine Geburtstagstorte – zumindest als Motiv für das Titelblatt des RP Gießen-Kalenders 2021 und bereits im August entstanden.

Gießen. Das Regierungspräsidium Gießen wird 40. Während eines Festaktes am 14. Januar 1981 gab der damalige Hessische Innenminister Ekkehard Gries in der Gießener Kongresshalle den offiziellen Startschuss für die Arbeit der Mittelbehörde. „Seitdem verstehen wir uns nicht nur als die zentrale Verwaltung des Landes Hessen hier in Mittelhessen, sondern auch als unermüdlicher Förderer einer mittelhessischen Identität“, sagt der aktuelle Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Eine Feier zum runden Geburtstag kann Corona-bedingt nicht stattfinden.

Anfangs 158 Beschäftigte, heute rund 1350

Bereits ein Dreivierteljahr vor dem Festakt hatte der spätere RP Knut Müller, bis dahin Polizeipräsident in Frankfurt, mit einem zehnköpfigen Team die herausfordernde Aufgabe übernommen, ergänzend zu Darmstadt und Kassel, das Gießener Regierungspräsidium aufzubauen: und zwar aus dem Nichts für einen Bezirk, der zwischen Limburg und Schlitz, Münchhausen und Hungen fünf Landkreise umfasst. Hintergrund war einerseits das gescheiterte Großprojekt der Stadt Lahn und andererseits der Wille der Landesregierung, die Region strukturell zu stärken. „Gab es zum Zeitpunkt des Festakts bereits 158 Beschäftigte, sind es nach vielen hinzugekommenen Aufgaben aktuell rund 1350“, berichtet RP Ullrich. Darin eingerechnet sind nicht die dem RP Gießen nachgeordneten sechs hessischen Versorgungsämter sowie das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen.

Verschiedenste Belange unter einem Dach gebündelt

Was Knut Müller in seiner Amtszeit etablierte, ist von den späteren Regierungspräsidenten Dr. Tilman Pünder (1987-1989), Dr. Alois Rhiel (1989-1991), Hartmut Bäumer (1991-1999), Wilfried Schmied (1999-2009) und Dr. Lars Witteck (2009-2015) fortgeführt worden. Seit dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle im Herbst 2015 wird die Mittelbehörde von Dr. Christoph Ullrich geleitet. „Mit meinen Vorgängern verbindet mich die spannende Aufgabe, an der Spitze einer großen, teils sehr spezialisierten Verwaltung zu stehen, die etwa bei umfangreichen Genehmigungsverfahren verschiedenste Belange unter einem Dach bündelt und dadurch Problemlösungen aus einer Hand bietet.“ Dabei gelte es, etwa die gesetzlichen Voraussetzungen für einen nachhaltigen Umweltschutz, die Bedürfnisse der Wirtschaft mit den Entwicklungsmöglichkeiten der Infrastruktur für Mittelhessen in Einklang zu bringen. „Das ist unsere Stärke und zugleich unser Alleinstellungsmerkmal, den richtigen Weg und die gerechte Abwägung zwischen unterschiedlichen Interessen im Sinne des Gemeinwohls zu finden.“ Das sei nicht immer einfach, aber genau das sei das ausgesprochene Ziel.

„Die Aufgaben sind dabei so vielfältig, dass es unmöglich ist, alle aufzuzählen“, sagt RP Ullrich. Für insgesamt 101 Städte und Gemeinden mit über einer Million Menschen ist das Regierungspräsidium Gießen zuständig. In sieben Fachabteilungen arbeiten Generalisten und Spezialisten aus über 60 Berufen eng zusammen. „Als regionale Planungsbehörde wirken unsere Experten bei der Regional- und Bauplanung und bei großen Infrastrukturvorhaben mit und leisten damit wichtige Beiträge, die Region Mittelhessen weiterzuentwickeln.“ Außerdem weise das RP Gießen auch Schutzgebiete für Natur und Landschaft sowie zur Trinkwassergewinnung aus, genehmige industrielle Anlagen sowie solche der Abwasser- und Abfallentsorgung, der Rohstoffgewinnung sowie für den Hochwasserschutz. Wer mit diesen Themen im Alltag nichts zu tun hat, der kennt das RP Gießen vermutlich dafür als Betreiberin des Lahnfensters in Gießen, einem Besuchermagnet, der bereits über 120.000 Gästen an der Klinkel’schen Mühle einen tiefen Einblick in die Lahn ermöglicht hat.

Viele Aufgaben

„Wir haben aber auch viele Aufsichtsfunktionen und unsere Fachabteilungen gewährleisten die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in unterschiedlichen Lebensbereichen.“ Dazu zählen neben dem Brand-, Katastrophen- und Arbeitsschutz auch Fachbereiche wie beispielsweise der Strahlen-, Pflanzen- und Verbraucherschutz, der Natur-, Arten- und Umweltschutz sowie das Gewerbe-, Landwirtschafts- und Forstrecht. „Besonders die Überwachung gefährlicher Einrichtungen bildet einen Schwerpunkt unserer Tätigkeit.“ Dazu kommen viele Bereiche hessenweit, etwa im Sozialen, wie dem Schwerbehindertenrecht, Heimrecht, Elterngeld oder auch der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge. „Und dies ist nur ein kleiner Auszug unserer vielen Aufgaben“, betont RP Ullrich.

Das Regierungspräsidium Gießen hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten vom reinen Verwaltungs- auch zu einem Gestaltungspartner weiterentwickelt. „Wir sind mit unserer zentralen Lage eine bedeutende Region in der Mitte Hessens, in der Mitte Deutschlands“, erklärt der 60-Jährige mit mittelhessischer Biografie. Aufgewachsen bei Limburg, studierte er Rechtswissenschaften in Gießen, arbeitete später als Amtsgerichtsdirektor in Dillenburg, als Präsident am Landgericht in Marburg sowie zuletzt am Limburger Landgericht. „Wir repräsentieren die starke Mitte des Landes Hessen.“

Für die Bürger, für die Wirtschaft, für die Region

Die Region habe so viel zu bieten: als Bildungsstandort mit seinen drei Hochschulen in Marburg und Gießen bis hin zu den vielen mittelständischen Unternehmen und Global-Player. Je länger er im Amt ist, fragt sich Christoph Ullrich: „Warum sind wir nicht selbstbewusster?“ Die Mischung aus ländlichem und städtischem Leben, Naturnähe, einem kulturellen und gesunden Vereinsleben, die Zentralität als auch die Nähe ins Rhein-Main-Gebiet und nicht zuletzt die Überschaubarkeit: „All das macht Mittelhessen sehr attraktiv.“

Nicht umsonst lautet sein RP-Credo: Für die Bürger, für die Wirtschaft, für die Region. „Wir müssen mehr über Mittelhessen reden und die fünf Landkreise durch intensive Vernetzung noch enger zusammenbringen.“ Das ist sein persönliches Ziel: „Mit der Regionalmanagement Mittelhessen GmbH und dem dazugehörigen Verein Mittelhessen, dem ich vorstehe, sind wir aber auf einem guten Weg.“

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