Exotische und artgeschützte Tiere gehören nicht als Geschenk unter den Weihnachtsbaum

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Schildkröte

Gießen/Wetzlar. Ein eigenes Haustier – das gehört zu den sehnlichsten Wünschen vieler Kinder. Neben Hunden, Katzen, Kaninchen oder Meerschweinchen finden sich zunehmend auch Schildkröten, kleinere Reptilien oder größere Papageien und Sittiche auf den Wunschzetteln. Alle Jahre wieder landen die Tiere als Geschenk dann auch unter dem Weihnachtsbaum.

In Zooläden, Baumärkten und vor allem im Internet häufen sich die Anzeigen mit den lebenden „Weihnachtsgeschenken“. Die Freude an dem Haustier währt aber leider oft nur kurz und die unüberlegt gekauften Tiere werden bald „entsorgt“. Deswegen raten die Artenschutzexperten des Gießener Regierungspräsidiums (RP) dringend von diesen Geschenken ab, denn die Tiere haben außerhalb der menschlichen Obhut keinerlei Überlebenschance oder verfälschen gar die heimische Fauna.

„Viele Tierheime richten genau in dieser Jahreszeit einen Vermittlungsstopp ein, denn Tiere sind Lebewesen und keine Spielzeuge, Geschenke oder Accessoires.“

Einem Tier ein Zuhause zu schenken, sei eine verantwortungsvolle Aufgabe. Das ist oft zeit- und kostenintensiv – und das nicht selten für viele Jahre. Vor allem die Haltung exotischer Tiere erfordert umfassende Sachkenntnis und die Haltung muss sehr speziell auf die Bedürfnisse der jeweiligen Art ausgerichtet sein. Die Anschaffung von solchen Tieren müsse deswegen sorgfältig geplant werden. „Die Tiere haben einen Anspruch auf art- und verhaltensgerechte Unterbringung sowie eine angemessene Pflege auf Lebenszeit“, sagt Corinna Vahrenkamp vom zuständigen Dezernat mit Sitz in Wetzlar.

Diese Tiere sind häufig geschützt und die Haltung ist an die Erfüllung von Bedingungen geknüpft. Dazu gehört neben der artgerechten Haltung das Vorliegen der erforderlichen Papiere und die Anmeldung (Registrierung) bei der zuständigen Artenschutzbehörde. „In Deutschland genießt der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz Verfassungsrang“, wie Vahrenkamp erklärt. „Die Überwachung des Handels mit geschützten Tierarten stellt eine wichtige Säule im Artenschutz dar.“ Daher müssen sie auch bei der Behörde registriert werden.
Im seriösen Zoohandel oder beim privaten Züchter sollte man darauf achten, dass stets ein Herkunftsnachweis oder bei streng geschützten Arten eine amtliche Bescheinigung (EG-Bescheinigung) ausgehändigt wird. Ohne diese unterliegen die Tiere einem Besitzverbot und können unter Umständen sogar eingezogen (weggenommen) werden. Tiere aus zweifelhafter Herkunft dürfen gar nicht erst gekauft werden. „Wer leichtsinnig kauft, unterstützt unter Umständen den illegalen Handel mit Tieren oder Tierprodukten – und das ist kein Kavaliersdelikt“, mahnt die RP-Expertin. Das seit 1975 geltende Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES) verbiete den Handel mit bedrohten Arten. Etwa 5000 Tierarten und rund 29.000 Pflanzenarten seien hierdurch aktuell geschützt.

Aktuell wurden zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten unter den Schutz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gestellt. Darunter befinden sich beliebte Terrarienarten wie der Leopard- und der Tokehgecko, die auf Reptilienbörsen sehr häufig als Nachzuchten zum Verkauf angeboten werden. Sie werden demnächst in die EU-Artenschutzverordnung aufgenommen und sind dann auch in Deutschland geschützt.

Wissen müsse man auch, dass die Haltung gefährlicher Tiere in Hessen verboten ist. Das treffe zum Beispiel auf einige Schlangen, Spinnen, Krokodile, Skorpione und Großkatzen zu. Eine „Überschneidung“ sei denkbar, denn geschützte Arten gelten teilweise zugleich auch als gefährlich.

Auch wenn man Kindern ihre Wünsche erfüllen will, so begreifen diese im Gespräch doch mehr als man denken mag, sagt Vahrenkamp: „Dieser Wunsch bringt viele Probleme mit sich, denn ein Tier lässt sich nicht so einfach wie ein Pullover oder ein Spielzeug umtauschen.“
Weitere Informationen zum Artenschutz und zur Haltung gefährlicher Wildtiere sind auf der Homepage des Regierungspräsidiums Gießen unter www.rp-giessen.de zu finden.

Hintergrund
Die Entscheidung für ein Haustier ist eine weitreichende. Dieser Verantwortung sollte man sich bewusst sein.

Daher gilt:

  • Analysieren Sie ihre eigenen Lebensumstände: Können Sie sich ein Tier zeitlich, räumlich und finanziell leisten?
  • Reden Sie mit Ihren Kindern, wenn sich diese ein Tier wünschen. Kinder verstehen die Dinge oft besser, als man denkt.
  • Lassen Sie sich Zeit bei der Entscheidung ein Tier zu kaufen.
  • Informieren Sie sich über das gewünschte Tier: Handelt es sich um ein gefährliches oder geschütztes Tier?
  • Gehen Sie am besten zum seriösen Zoohandel: Dort erhalten Sie auch Informationen zur Haltung, den möglichen Folgekosten, zur Nahrung oder notwendigen Tierarztbesuchen.
  • Auch beim privaten Züchter müssen Sie auf einem Herkunftsnachweis bzw. auf einer amtlichen Bescheinigung (EU-Bescheinigung) bestehen. Wenn Ihnen solch ein Dokument nicht ausgehändigt wird, verzichten Sie bitte auf den Kauf.
Kontakt für Pressevertreter
Pressesprecher: Herr Oliver Keßler
Stabsstelle Presse, Öffentlichkeitsarbeit, Region Mittelhessen
Telefon: 0641-303 2005
Fax: 0641-303 2008
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