Großes Interesse an Bildungs- und Berufswegeberatung in der Erstaufnahmeeinrichtung

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Bildungsberatung

Gießen. Bayan (22) aus Syrien ist vor einigen Tagen nach Deutschland gekommen, ebenso wie Mydia (27) und Heba (31). Die drei jungen Frauen leben in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen in Gießen und warten auf den Ausgang ihres Asylverfahrens. Neben dem persönlichen Fluchtschicksal verbindet sie aber noch etwas: der Wunsch, in Deutschland auch beruflich Fuß fassen zu können. Dafür bringen sie ganz unterschiedliche Voraussetzungen mit. Ihr begonnenes Studium der Kunstwissenschaften musste Bayan wegen des Krieges im Heimatland abbrechen. Mehrjährige Erfahrungen als Erzieherin kann sie aber vorweisen. Sie möchte wissen, wie ihre Chancen sind und was sie noch braucht, um auf dem Arbeitsmarkt selbst für ein geregeltes Einkommen sorgen zu können.

Die Bildungsberatung der Volkshochschule (Vhs) Gießen bietet in Kooperation mit dem Regierungspräsidium Gießen seit August genau für diese Zielgruppe eine kostenlose Beratung an. Ein Volltreffer, wie die Nachfrage eindrücklich beweist. Zu jedem Termin, der jeweils für eine ausgewählte Sprachgruppe stattfindet, bilden sich Warteschlangen vor dem kleinen Büro auf dem Gelände der Unterkunft. Hier erläutert Abderrahim En-Nosse, zertifizierter Bildungsberater, fachkundig und mit großer Geduld den deutschen Arbeitsmarkt, Beschäftigungsbedingungen sowie Anerkennungsmodalitäten von im Ausland erworbenen Kompetenzen und Abschlüssen. Bis Mitte November kamen 65 Ratsuchende, die meisten aus Afghanistan, Iran, Syrien, Aserbaidschan, Türkei, Somalia, Eritrea oder Tunesien. „Vom Analphabeten bis zum Kardiologen ist alles dabei“, berichtet der Berater der Vhs.

En-Nosse, der vier Sprachen beherrscht und in diesen auch berät, weiß, dass es wichtig ist, die eigene Bildung vor weiteren Integrationsschritten in den Focus zu nehmen, um „eigene Erwartungen richtig einordnen zu können“. Er gibt außerdem eine erste Einschätzung ab, welches Sprachniveau für welchen Werdegang erforderlich ist. „Ohne Deutsch geht nichts“, könne er nicht oft genug sagen. Wer die Sprache beherrsche, habe eine gute Perspektive, eine Arbeit zu finden.

Neben der Berufswegeberatung thematisieren die Ratsuchenden auch Wege zur persönlichen allgemeinen Orientierung in Deutschland, wie Aufstiegsfortbildung, Qualifizierung, Sprachkurse, Deutschprüfungen, Studienmöglichkeiten, Anerkennung ausländischer Abschlüsse und Voraussetzungen für eine Arbeitserlaubnis, berichtet En-Nosse. Regelmäßig verweist der Experte daher auch auf die fachspezifischen Beratungsstellen, wie Arbeitsagentur, Jobcenter, Behörden, Kammern und weitere Institutionen.

„Die Bildungsberatung bringt unseren geflüchteten Bewohnern mehrere Vorteile“, erläutert Manfred Becker, kommissarischer Abteilungsleiter beim RP. So hätten Interessierte die Möglichkeit, eine berufliche Neuorientierung und daran angepasste persönliche Lebensgestaltung von Anfang an in den Blick zu nehmen. „Die Inanspruchnahme einer Beratung vor der Verlegung in eine andere Unterkunft gibt dem Integrationsanspruch außerdem einen neuen qualitativen Impuls“, ergänzt Becker.

„Geflüchtete Fachkräfte können sich über die Bildungsberatung auf eigene Initiative Zugang zu Fachstellen verschaffen“, betont auch Stadträtin Astrid Eibelshäuser bei einem Arbeitsbesuch in der Beratungsstelle. In ihrem Fachressort ist die Volkshochschule angesiedelt, weshalb sie sich regelmäßig über das Angebot informiert. „Menschen mit einer positiven Bleibeperspektive können nach einer möglichst frühzeitigen Beratung besser planen.“ Sie unterstreicht außerdem: „Bei Fachkräften stärkt die Bildungsberatung auch die Anbindung an die Region.“

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