Heute die Weichen für das Europa von Morgen stellen

Über nichts Geringeres als die Zukunft Europas hat heute das Regierungspräsidium Gießen mit rund 150 Gästen und sachkundigem Podium im Kinopolis Gießen diskutiert. Im Rahmen der bundesweiten Europawoche hatte Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich eingeladen, um über „60 Jahre Europäische Union – große Errungenschaften und ungewisse Zukunft“ zu sprechen.

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Europawoche Veranstaltung 60 Jahre römische Verträge
v.l. Leiter der EU-Kommissionsvertretung Bonn Jochen Pöttgen, JEF Bundesvorsitzender Manuel Gath, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Christian Lemmer, Ingo Espenschied

Ein Höhepunkt direkt zu Beginn war der Beitrag von Ingo Espenschied: Der Vortragsspezialist stellte in einer spannenden Multimedia-Inszenierung die Entwicklung der Europäischen Union dar, ging dabei in Bild und Ton auf die geistigen Gründerväter Europas und die vielen Hürden der Geschichte ein. Besonderen Anlass für diesen Rückblick lieferte die Unterzeichnung der Römischen Verträge vor 60 Jahren, die als Grundstein für die heutige Europäische Union gelten. Espenschied veranschaulichte, welch erstaunliche Entwicklung Europa relativ kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nahm und welche Errungenschaften für uns daraus zutage getreten sind.

Mit diesen Eindrücken vor Augen diskutierte anschließend eine Expertenrunde mit den Gästen über die Gegenwart und Zukunft Europas. Dazu gehörten neben Ingo Espenschied Regierungspräsident und Gastgeber Dr. Christoph Ullrich, der Leiter der EU-Kommissionsvertretung in Bonn Jochen Pöttgen und der Bundesvorsitzende der Jungen Europäischen Föderalisten Manuel Gath. Schnell waren sich alle Beteiligten einig, dass Europa in jüngster Vergangenheit mit großen Herausforderungen umgehen musste, dabei zwar gute Fortschritte, aber auch Defizite gezeigt habe. Ullrich nahm die Migrationspolitik als aktuelles Beispiel: „Große Herausforderungen wie die Flüchtlingskrise können wir nur gemeinsam in den Griff bekommen. Der EU-Türkei-Pakt war auf diesem Weg ein wichtiger Schritt, aber wenn sich die Europäische Gemeinschaft gleichzeitig so schwer tut, 160.000 Flüchtlinge unter sich zu verteilen, verlieren einige Menschen auch das Vertrauen in europäische Lösungen.“ Ohnehin leide die EU noch heute unter ihrer oft als bürgerfern wahrgenommenen Politik, da würden Entwicklungen wie diese noch zusätzlich Öl ins Feuer gießen.

Auch der überzeugte Europäer Manuel Gath rief zu Realismus auf: „Natürlich gibt es Grund zur Kritik an der Europäischen Union und ihrer Politik. Aber wir haben auch Chancen: Die Jugend Europas ist so pro-europäisch wie kaum eine Generation zuvor. Daher muss ihr eine aktive Rolle eingeräumt werden, wenn es um die Gestaltung unseres künftigen Zusammenlebens geht. Es sind viele Reformen nötig. Hierfür müssen wir fair, ehrlich und demokratisch streiten und werben, um Mehrheiten zu bekommen“, appellierte Gath. Wie diese Zukunft Europas aussehen könnte, skizzierte Jochen Pöttgen, Leiter der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in Bonn. Er stellte fünf Szenarien aus dem aktuellen Weißbuch der EU-Kommission vor: 1. „Beschränkung auf den Binnenmarkt“, 2. „Weiter bisher“, 3. „Wer mehr will, tut mehr“, 4. „Weniger, aber effizienter“ und 5. „Viel mehr gemeinsames Handeln“. Die EU-Kommission verstehe diese Szenarien als Denkanstöße, so Pöttgen, nicht als abschließende Auswahl. „Wir erwarten jetzt von den Mitgliedstaaten, dass sie entscheiden, in welche Richtung sie gehen wollen. Und dafür möchten wir mit unserem Weißbuch eine umfassende Debatte unter den Bürgerinnen und Bürgern anstoßen.“ Die Kommission sei für die anschließende Umsetzung zuständig.

Nach den ersten Impulsen der Podiumsgäste diskutierte auch das überwiegend junge Publikum mit ein. Neben Fragen zu aktuellen Entwicklungen wie dem Brexit und einigen kritischen Äußerungen war von den Schülerinnen und Schülern vor allem Dankbarkeit und Zuversicht zu vernehmen. Die Grundstimmung sei positiv, man müsse mit diesem Geist nun „die richtigen Weichen für das Europa von Morgen stellen“, war sich die Expertenrunde einig. Wie auch in den vergangenen Jahren richtete sich das Format des Regierungspräsidiums und des EU-Informationszentrums Gießen vor allem an Schulen aus der Region, aber auch an die breite Öffentlichkeit. Die Veranstaltung bildet traditionell den Höhepunkt in der Gießener Europawoche.


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