Ingrid Ferger erhält Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

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Ingrid Ferger erhält Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (l.) überreicht Ingrid Ferger die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Freude darüber herrscht auch bei ihrem Ehemann Michael Ferger.

Gießen/Marburg. „Diese Leistung verdient höchsten Respekt und Anerkennung.“ Mit diesen Worten würdigte der Gießener Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich die Marburgerin Ingrid Ferger. Seit 48 Jahren pflegt und versorgt sie ihren schwerstbehinderten Ehemann Michael Ferger. „Und das wirklich liebevoll“, zeigte sich der Regierungspräsident beeindruckt. Er überreichte der 78-Jährigen im kleinen Kreis die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Verliehen wird die Auszeichnung vom Bundespräsidenten. Neben ihrem Ehemann Michael waren auch die Assistenten Maik Grätz und Daniel Nieschalk mit zur Auszeichnung ins Gießener Regierungspräsidium gekommen.

Ingrid Ferger selbst leidet unter den Spätfolgen einer Kinderlähmung (Poliomyelitis), die als unheilbar gilt. Sie ist daher auf den Rollstuhl angewiesen. Die Geehrte erlernte den Beruf der Psychologin. Bis zu ihrem Renteneintritt im Jahr 1997 war sie in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Vitos Gießen-Marburg in Marburg beschäftigt.

Mit dem Badeunfall ihres Ehemannes Michael hat sich das Leben von Ingrid Ferger von Grund auf verändert. Die Diagnose war eine irreparable Querschnittslähmung der Wirbelsäule. Seitdem ist Michael Ferger schwerstbehindert, -pflegebedürftig und auf einen Rollstuhl angewiesen. Seine Feinmotorik ist ebenfalls beeinträchtigt. Deshalb kann er nicht alleine essen und benötigt auch bei allen anderen Dingen des täglichen Lebens Hilfe. Nach dem Unfall studierte er Diplom-Volkswirtschaftslehre. Ab dem Jahr 1973 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2006 war er als Berufsschullehrer in der Universitätsstadt Marburg tätig.

Im Jahr 1969 entstand in Marburg das Konrad-Biesalski-Haus (KBH), das bundesweit erste, speziell nach den Bedürfnissen behinderter Studenten mit chronischer Erkrankung konzipierte, Wohnheim. Dem KBH kommt eine Vorreiterrolle bei einer entscheidenden gesellschaftlichen Entwicklung im Umgang mit Behinderungen zu: Weg vom Gedanken der Fürsorge, hin zu einem verantwortungsvollen integrativen Miteinander, zur gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderung an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Im Dezember 1969 zogen die ersten 27 körperbehinderten Studenten in das neue Wohnheim am Marburger Schlossberg ein. KBH-Bewohner der ersten Stunde waren damals die Eheleute Ferger. Hier hat sich das Paar kennengelernt.

Die erforderlichen Pflegetätigkeiten außer der Grundpflege wurden und werden in beachtenswerter Weise von Ingrid Ferger durchgeführt. Hierzu zählen zum Beispiel Handreichungen beim Waschen, Zähneputzen, Rasieren. Dazu gehört auch die mundgerechte Zubereitung der Mahlzeiten und Getränke. „Die Pflegetätigkeiten von Ferger erfordern permanent ein hohes Maß an Kraft, Geduld und liebevoller Zuwendung, die sie unter Zurückstellung der eigenen gesundheitlichen Belange und trotz ihrer eigenen Behinderung jeden Tag neu unter Beweis stellt“, erläutert Regierungspräsident Ullrich. Dies ermöglichte ihrem Ehemann im Jahr 2009 trotz seines fortgeschrittenen Alters die Aufnahme eines erneuten Studiums zum Bachelor of Arts (B.A.) in Geschichte an der Philipps-Universität Marburg. Bereits 2016 war die Marburgerin daher mit der Pflegemedaille des Landes Hessen geehrt worden.

Seit Anfang der 1990er Jahre bis zur Auflösung des Vereins im Jahr 2018 war Ingrid Ferger im Vorstand der Marburger Vereinigung für die Rehabilitation Behinderter e. V. mit großem Engagement als Kassiererin tätig. Besonders profitiert von ihrem Engagement hat das Konrad-Biesalski-Haus. Durch ihren langjährigen Einsatz im Förderverein konnte für diese Einrichtung zum Beispiel ein Fahrzeug für den hauseigenen Busfahrdienst finanziert werden. Dieser Fahrdienst – mit rollstuhlgerecht ausgestatteten Fahrzeugen – gewährleistet den Transport der behinderten Studierenden zu Vorlesungen, zur Mensa oder auch zu privaten Terminen innerhalb Marburgs.

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