Lebensraum für seltene Arten in und an der Lahn

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Gisselberger Spannweite
Der Spatenstich: (v.l.n.r.) Jürgen Schwarz (Vorsitzender Fischereiverein Marburg und Umgebung e.V.), Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Bürgermeister Wieland Stötzel.

Gießen/Marburg-Gisselberg. Ein Hoffnungsschimmer für Kreuzkröte, Eisvogel und Co.: um neue Strukturen und vielfältigen Lebensraum für gefährdete Tierarten zu schaffen, wird zwischen Gisselberg, Ronhausen und Cappel auf einer Länge von rund 1,5 km tonnenweise Boden bewegt. „In Mittelhessen wird viel für den Naturschutz und die Erhaltung bedrohter Arten getan“, sagt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. „Die Fachleute im RP Gießen sind in ständigem Austausch mit den Kommunen und kreisfreien Städten, um neue Projekte anzuschieben.“

Die Baumaßnahme ist Teil des EU-LIFE-Projektes „Living Lahn – ein Fluss, viele Ansprüche“ und hat unter anderem die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie zur ökologischen Verbesserung der Lahn und ihrer Aue zum Ziel.

„Verzweigungen und Aufweitungen des Flussschlauches, die Anlage von Kiesdepots und der Einbau von Totholz sorgen künftig für neue Strömungsverhältnisse und Strukturen im Gewässer selbst und der angrenzenden Aue,“ erklärt Elke Ebelt, Projektkoordinatorin des LIFE-Projektes im Regierungspräsidium Gießen. „Eigendynamische Entwicklung“ heißt das in der Fachsprache. Davon profitieren Fische, die im Lauf ihres Lebens ganz unterschiedliche Gewässerstrukturen benötigen: Neben einer guten Wasserqualität muss ihnen der Fluss auch Nahrung, Laichplätze und Schutz vor Freßfeinden bieten.

In den Uferbereichen sollen sich vor allem Tierarten ansiedeln, deren Lebensraum durch die Änderung der klimatischen Verhältnisse bedroht sind. Dazu gehören z.B. selten gewordene Amphibien wie die Kreuzkröte, Watvogelarten wie Bekassine, Kiebitz oder Flussregenpfeifer. Außerdem finden so verschiedene Fledermausarten, wie die Kleine Bartfledermaus oder der Große Abendsegler bessere Lebensbedingungen. Für den Erhalt dieser „Klimaverlierer“ werden gezielte Maßnahmen, etwa die Gestaltung der Ufer- und Auenbereiche oder die Anlage von Flachwasserzonen und Kleingewässern beitragen.

Die Chancen dafür stehen gut, denn der betreffende Abschnitt der Lahn vernetzt die nahe liegenden Schutzgebiete „Auenverbund Lahn-Ohm“, das Vogelschutzgebiet „Lahntal zwischen Marburg und Gießen“ und das Naturschutzgebiet „Unterm Wolfsberg“. Dort sind die seltenen Arten zu finden. Die renaturierte „Gisselberger Spannweite“ hat daher als „Trittstein“ zur Vernetzung der wertvollen Lebensräume eine herausragende Bedeutung.

Die Mittel aus dem LIFE-Projekt „Living Lahn“ werden daher mit Geldern aus der hessischen Fischerei-Abgabe und aus dem Integrierten Klimaschutzplan 2025 auf insgesamt 1,8 Mio. Euro aufgestockt. „Hierdurch erreichen wir den größtmöglichen Effekt für Flora und Fauna“, erläutert Elke Ebelt. Die Stadt Marburg stellt die entsprechenden Flächen für die Bauarbeiten zur Verfügung und begleitet gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Gießen die Bauarbeiten. „Wir freuen uns, durch die Umsetzung dieses Vorzeigeprojektes unserer mittelhessischen Heimat ein Stück Natur und Vielfalt zurückzugeben“, resümiert Regierungspräsident Dr. Ullrich.

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