Nach Covid-19-Ausbruch in Erstaufnahmeeinrichtung Kassel-Niederzwehren: 86 negativ Getestete vorübergehend in zwei Ausweichquartiere verlegt

Weitere Tests in der kommenden Woche – Quarantäne gilt weiterhin

Gießen/Kassel. Vorausgegangen ist ein Covid-19-Ausbruch mit 109 positiv getesteten Bewohnerinnen und Bewohnern in der Erstaufnahmeeinrichtung in Kassel-Niederzwehren: Um die Gesamtsituation besser handhaben zu können, sind 86 Personen der auf das Corona-Virus negativ Getesteten am Samstagmittag vorübergehend in zwei andere Gebäude auf dem Stadtgebiet und im Landkreis Kassel verlegt worden.

Bis spät abends hatte das Regierungspräsidium Gießen (RP Gießen), das hessenweit die Erstaufnahme von Flüchtlingen organisiert, unter anderem auch in Kassel-Niederzwehren, am Donnerstag nochmals interne Verlegungen vorgenommen. Ziel war es dabei, die 480 Betten fassende Einrichtung für die aktuell 301 Bewohnerinnen und Bewohner nach den mit der Stadt Kassel und ihrem Gesundheitsamt abgestimmten Quarantäneplänen räumlich so weit wie irgend möglich nach positiv und negativ Getesteten zu trennen.

„Wir mussten leider am Freitag feststellen, dass zahlreiche der auch positiv getesteten Bewohnerinnen und Bewohner kein Verständnis für die Quarantäne-Maßnahmen zum Schutz aller haben“, berichtet Manfred Becker, Abteilungsleiter im RP Gießen und für die Erstaufnahmeeinrichtung zuständig. Im Laufe des späten Vormittags hatte es eine Auseinandersetzung in der Einrichtung gegeben, die von der Polizei geschlichtet werden musste. „Das Hauptproblem ist, dass viele der Betroffenen den Sinn der Quarantäneverfügung nicht verstehen und akzeptieren, da sie sich völlig gesund fühlen und auch symptomfrei sind.“

Dadurch hätten die realistischen und mit der Stadt Kassel abgestimmten Quarantänepläne innerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung in Niederzwehren nicht umgesetzt werden können. Im Gespräch mit Oberbürgermeister Christian Geselle, der Leitung des Gesundheitsamtes, der Polizei und Abteilungsleiter Becker kamen die Beteiligten übereinstimmend zu dem Entschluss, besser einige Bewohnerinnen und Bewohner zu verlegen, um wieder mehr Ruhe in die Einrichtung zu bringen.

In enger Zusammenarbeit des Landes und mit Unterstützung der Stadt und des Landkreises Kassel sowie der Polizei sind in der Folge insgesamt 86 Bewohnerinnen und Bewohner verlegt worden. Dabei handelt es sich um 68 Männer und 18 Personen im Familienverbund. „Alle verlegten Personen waren zuvor negativ getestet worden“, betont Manfred Becker, „und sie werden am Dienstag ein weiteres Mal getestet. „Ich hoffe sehr, dass wir alle durch die vorgenommenen Verlegungen und die neue Belegung in der Einrichtung nun ruhigere Wochen vor uns haben“, sagt Manfred Becker.

Das RP Gießen steht seit Bekanntwerden des Ausbruchsgeschehens in der Erstaufnahmeeinrichtung in engem Kontakt mit Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle. „Wir haben natürlich unsere sofortige Unterstützung angeboten, um die Situation in der HEAE schnellstmöglich zu verbessern. Ziel war von Anfang an, die negativ-getesteten Personen von den mit Covid-19-infizierten Bewohnerinnen und Bewohnern räumlich weiter zu trennen“, sagt OB Geselle. Im Hintergrund wurde gemeinsam an Lösungen gearbeitet, es gab viel zu organisieren.

Jetzt habe die Stadt eine Ausweicheinrichtung im Stadtgebiet zur Verfügung stellen und einrichten können, erklärt Geselle weiter. Bedienstete der Kasseler Berufsfeuerwehr sowie der Freiwilligen Wehren hätten hierbei großartige Arbeit geleistet. Er sei zudem dankbar für die unkomplizierte Unterstützung von Vizelandrat Andreas Siebert, der im Landkreis Kassel eine freistehende Unterkunft angeboten habe. Geselle lobt weiterhin den großen Einsatz des städtischen Sozialamtes, des Gesundheitsamtes, der Kasseler Polizeidirektion sowie weiterer Hilfsorganisationen, die bei der Verlegung der Bewohner – die alle nach wie vor unter Quarantäne bleiben – beteiligt waren.

In den Liegenschaften sind entsprechende Maßnahmen getroffen worden, um die Quarantänevoraussetzungen sicherzustellen, von einer Einzäunung bis zu Sicherheitsmitarbeitern, die rund um die Uhr im Einsatz sind. „Der persönliche Einsatz aller Beteiligten war enorm, damit wir diese Verlegung bewältigen konnten“, sagt Abteilungsleiter Becker. „Das lässt sich in so kurzer Zeit nur gemeinschaftlich leisten und dafür danke ich allen, die sich engagiert haben.“ So erfolgte die Ausstattung der Gebäude in der Nacht auf Samstag durch Feuerwehrkräfte und Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe. Das Deutsche Rote Kreuz war ebenfalls im Einsatz. Die Verpflegung übernimmt bis Montag der Katastrophenschutz des Landkreises Kassel.

Die positiv getesteten Bewohnerinnen und Bewohner zeigen bisher keine oder nur milde Symptome. In einem Fall war jedoch eine Einweisung eines jungen Mannes in ein Krankenhaus erforderlich. In der kommenden Woche wird das Gesundheitsamt weitere Testungen vornehmen.

„Wir lernen in der Coronakrise dazu“, sagt Manfred Becker. Bislang habe das Sicherheitskonzept vom RP Gießen in der Corona-Krise gegriffen. In der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen sind aktuell 3323 Menschen an nun vorübergehend sieben Standorten untergebracht, davon 301 in Kassel. An allen hessischen Standorten sind seit dem Auftreten des Covid-19-Virus insgesamt lediglich 22 Personen positiv darauf getestet und umgehend isoliert worden. „Die Erfahrungen in Kassel werden wir sehr ernst nehmen und nach einer genauen Analyse der Infektionsketten mit in unser Sicherheitskonzept einfließen lassen“, betont Manfred Becker weiter.

Neu ankommende Flüchtlinge werden gemäß Corona-Sicherheitskonzept zum Beispiel nach der Aufnahme im Ankunftszentrum in Gießen generell für mindestens zwei Wochen vorsorglich in separaten Räumlichkeiten der dortigen Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht. Verdachtsfälle werden noch vor einem Befund in einem dafür vorgesehenen Gebäude isoliert. Sämtliche Maßnahmen und Konzepte waren und werden mit den jeweils zuständigen Gesundheitsämtern eng abgestimmt.

In allen Standorten sind Alltagsmasken an Bewohnerinnen und Bewohner sowie Beschäftigte ausgegeben worden. Alle am Standort beschäftigten Dienstleister erhalten regelmäßig Informationen zu Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen, die innerhalb der Einrichtung gelten. Auf die Corona-Risiken wird in allen Aufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften intensiv und wiederholt hingewiesen. Mahlzeiten werden nicht mehr gemeinschaftlich, sondern auf den Zimmern eingenommen. Aktuelle Informationen des Robert-Koch-Instituts zum Schutz vor dem Virus werden in mehreren Sprachen in jeder Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen ausgehängt. Die Sozialbetreuung und Dolmetscher informieren ständig über die aktuellen Entwicklungen. Darüber hinaus stellt das Land Hessen weitere Informationen mehrsprachig und fortlaufend zur Verfügung.

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