RP Gießen überwacht hessenweit gentechnische Anlagen

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Zahl des Monats, Gentechnik

Gießen. Mehr als 20 Jahre ist es her, dass Klon-Schaf Dolly Schlagzeilen machte. Die Möglichkeiten der Gentechnik schürten Ängste – und machten Schwerkranken gleichzeitig Hoffnung auf Heilung. Heute gibt es nach wie vor Gegner und Befürworter. Und die Gentechnik spielt längst in vielen Bereichen des täglichen Lebens eine Rolle. In der Landwirtschaft, in der medizinischen Forschung oder auch in der industriellen Produktion von Arzneimitteln und Haushaltsartikeln.

Das wird allerdings genauestens überwacht. In Hessen ist das Aufgabe des Regierungspräsidiums Gießen. „Wir sind für alle Fragen zum Thema Gentechnik zuständig“, sagt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Schwerpunkte bilden dabei die Genehmigung und die Überwachung der gentechnischen Anlagen. Deren Betreiber müssen der Behörde bestimmte sicherheitsrelevante Änderungen im Betrieb ihrer Anlage, Änderungen der verantwortlichen Personen, die weitere Durchführung gentechnischer Arbeiten oder unerwartete Vorkommnisse mitteilen. In diesem Jahr haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Regierungspräsidiums bereits 242 solcher Mitteilungen nach Gentechnikrecht bearbeitet – unsere „Zahl des Monats“.

Rund 670 gentechnische Anlagen gibt es in Hessen. Dazu zählen Produktionsanlagen, Gewächshäuser und Tierhaltungsräume und natürlich die klassischen Forschungslabore. „Mit Hilfe von gentechnisch veränderten Organismen werden beispielsweise Impfstoffe gegen Grippe und Arzneimittel wie Insulin hergestellt“, sagt Dr. Jens Gerlach, Dezernatsleiter und Experte für Gentechnik beim RP Gießen. „Gentechnik ist auch ganz aktuell bei der Entwicklung eines Impfstoffs und von Medikamenten gegen Corona gefragt.“

Sicherheit und Hygiene sind in gentechnischen Anlagen das A und O. Maßstab ist das Gentechnikgesetz. „Es gibt strenge Sicherheitsbestimmungen“, erklärt Gerlach. Wer in Hessen eine Anlage betreibt, muss das genau so machen, wie es das Regierungspräsidium genehmigt hat. Steht eine Änderung ins Haus, muss das mitgeteilt werden. „Das gehört zu den gesetzlichen Pflichten eines Betreibers“, betont Sachbearbeiterin Heike Schulte-Lünzum. Ob die reine Mitteilung reicht oder aber die Änderung so weitgreifend ist, dass eine neue Genehmigung erforderlich ist, wird von den RP-Mitarbeitern geprüft und entschieden. „Die Prüfung kann im Einzelfall sehr aufwendig sein“, weiß sie. Wenn erforderlich, findet ein Termin vor Ort statt.

Die meisten Mitteilungen – bislang 121 Fälle in diesem Jahr – betrafen einen Wechsel bei verantwortlichen Personen. Denn egal ob Projektleiter oder Beauftragte für die Biologische Sicherheit – sie werden offiziell gegenüber der Gentechnikbehörde benannt. Steht ein Wechsel an, prüfen die Mitarbeiter des Regierungspräsidiums, ob die neue Person überhaupt fachlich geeignet ist. Dabei gilt es unter anderem, Studienabschlüsse und die berufliche Qualifikation unter die Lupe zu nehmen. 53 Mitteilungen gab es wegen Änderungen sicherheitsrelevanter Einrichtungen und Vorkehrungen, vor allem die Aufstellung oder den Austausch mikrobiologischer Sicherheitswerkbänke.

„Sie halten Aerosole, die bei gentechnischen Arbeiten entstehen können, dank ihrer speziellen Filtertechnik und Luftführung zurück und schützen somit die Beschäftigten und die Umgebung“, erklärt die Expertin. Umso wichtiger ist es, beispielsweise Änderungen an der Lüftungstechnik vorab zu prüfen. Möchte ein Betreiber eine Anlage komplett stilllegen, teilt er dies ebenfalls mit. Das war in diesem Jahr bisher vier Mal der Fall.

Da es trotz aller Sicherheitsmaßnahmen auch in gentechnischen Anlagen zu unerwarteten Vorkommnissen kommen kann, müssen Betreiber diese der Behörde unverzüglich mitteilen. Das waren 2020 in Hessen bislang 17. Hierbei handelte es sich fast ausschließlich um Stromausfälle. Lediglich in einem Fall war ein Gerät ausgefallen. „Eine Gefährdung ging von den Anlagen in keinem der Fälle aus“, versichert Heike Schulte-Lünzum. Soll eine bestimmte Arbeit in einer anderen geeigneten Anlage erledigt werden, muss dies vorab ebenfalls mitgeteilt werden. Das war bisher 47 Mal der Fall. „Dieser Wechsel kommt häufig vor, da Arbeitsgruppen zum Beispiel in mehreren gentechnischen Anlagen tätig sind“, weiß die RP-Mitarbeiterin. Schließlich werden zum Teil auch spezielle, sehr teure Geräte für die Arbeiten benötigt, die nicht überall vorhanden sind.

„Diese Thematik und die Zahlen zeigen einmal mehr, wie vielfältig die Arbeit in unserer Behörde ist“, findet Regierungspräsident Ullrich. Die Gentechnik ist übrigens nicht der einzige Bereich, in dem das RP hessenweit zuständig ist. Auch wenn es beispielsweise um die Luftrettung, die Förderung von Naturparken, Flüchtlingsangelegenheiten oder die Versorgungsverwaltung geht, sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefragt.

Stichwort: Zahl des Monats
Eine Zahl besteht aus einer Ziffer oder mehreren, und sie sagt erst einmal nichts aus. Dahinter verstecken sich aber oft spannende Themen mit einem „Ach, das wusste ich noch gar nicht“-Effekt. In der Reihe „Zahl des Monats“ stellt das Regierungspräsidium Gießen interessante Zahlen aus dem Verwaltungsalltag vor und beleuchtet dabei Wissenswertes. Bürgerinnen und Bürger erhalten dadurch einen noch tieferen Einblick in die Aufgaben einer Mittelbehörde, die viel spannender ist, als vielleicht gedacht.

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