Weitere positive Fälle in der Erstaufnahmeeinrichtung

Gießen / Kassel. 109 von insgesamt 301 Bewohnerinnen und Bewohnern der Erstaufnahmeeinrichtung in Kassel-Niederzwehren sind in der vergangenen Woche positiv auf das Covid-19-Virus getestet worden. Am Wochenende verlegte das hessenweit für die Erstaufnahme von Flüchtlingen zuständige Regierungspräsidium Gießen (RP Gießen) 86 zuvor negativ getestete Personen vorübergehend in zwei andere Gebäude auf dem Stadtgebiet und im Landkreis Kassel. Diese stehen wie auch die Erstaufnahmeeinrichtung in Niederzwehren ebenfalls unter Quarantäne. Unter den verlegten Bewohnerinnen und Bewohnern sind 26 Personen Corona-positiv, wie sich bei der Auswertung einer zweiten Testreihe herausstellte. Auch in der Erstaufnahmeeinrichtung Niederzwehren fand eine Nachtestung von zuvor negativ getesteten Bewohnern sowie von RP-eigenen und Beschäftigten der Dienstleister statt. Von 29 Bewohnern wurden vier positiv getestet und von insgesamt 58 Beschäftigten war der Test eines RP-Mitarbeiters positiv.

Im Ausweichstandort im Landkreis Kassel sind 25 von 68 Bewohnern positiv getestet worden. „Sie wurden gestern nach Niederzwehren zurückverlegt“, berichtet Manfred Becker, Abteilungsleiter im RP Gießen und für die Erstaufnahmeeinrichtung zuständig. „Eine Rückverlegung der jetzt positiv Getesteten kann deshalb erfolgen, weil dadurch keine neuen Infektionsketten entstehen können“, erläutert Manfred Becker. Die Personen verblieben in der ohnehin schon bestehenden Infektionsgruppe, da das Gebäude weiterhin unter Quarantäne steht. In der Erstaufnahmeeinrichtung Niederzwehren wurde seit Sonntag eine Etage des Standortes vorsorglich für die Unterbringung solcher Rückkehrer vorbereitet. Alle Bewohner sind mit Masken ausgestattet worden und angehalten, Abstand zu halten.

Bei den im Stadtgebiet Kassel vorübergehend untergebrachten 18 Personen im Familienverbund ist ein Kind ebenfalls positiv getestet worden. Da es keine Möglichkeit gab, die Familie im Ausweichquartier zu isolieren, ist sie ebenfalls nach Niederzwehren zurückverlegt worden. Alle anderen dortigen Ergebnisse waren negativ.

Die positiv getesteten Bewohnerinnen und Bewohner zeigen weiterhin bisher keine oder milde Symptome. In einem Fall war jedoch eine Einweisung eines jungen Mannes in ein Krankenhaus erforderlich, die nicht im Zusammenhang mit dem positiven Corona-Befund stand.

Hintergrund: Corona-Ausbruch in Erstaufnahmeeinrichtung Kassel-Niederzwehren.
Nach dem Bekanntwerden des Corona-Ausbruchs vor rund einer Woche hatte das RP Gießen nochmals interne Verlegungen vorgenommen. Ziel war es dabei, die 480 Betten fassende Einrichtung für die derzeit 301 Bewohnerinnen und Bewohner nach den mit der Stadt Kassel und ihrem Gesundheitsamt abgestimmten Quarantäneplänen räumlich so weit wie möglich nach positiv und negativ Getesteten zu trennen. „Das Virus soll so Schritt für Schritt zurückgedrängt werden“, sagte der Abteilungsleiter.

Am vergangenen Freitag hatte sich jedoch herausgestellt, dass ein Teil der positiv getesteten Bewohnerinnen und Bewohner wenig Verständnis für die Quarantäne-Maßnahmen hatte, da sie sich gesund fühlten und symptomfrei waren. Das führte zu Auseinandersetzungen, die letztlich von der Polizei befriedet werden mussten. Dadurch konnten die realistischen und mit der Stadt Kassel abgestimmten Quarantänepläne innerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung in Niederzwehren nicht umgesetzt werden.

Im Gespräch mit Oberbürgermeister Christian Geselle, der Leitung des Gesundheitsamtes, der Polizei und Abteilungsleiter Becker kamen die Beteiligten vor einer Woche übereinstimmend zu dem Entschluss, als deeskalierende Maßnahme die negativ getesteten Bewohnerinnen und Bewohner zu verlegen, um wieder mehr Ruhe in die Einrichtung zu bringen. Die Verlegung von insgesamt 86 Personen ist am Wochenende umgesetzt worden.

In den Liegenschaften sind für die Verlegung entsprechende Maßnahmen getroffen worden, um die Quarantänevoraussetzungen sicherzustellen, unter anderem erfolgte eine Aufstockung der Sicherheitsmitarbeiter, die rund um die Uhr im Einsatz sind. „Der persönliche Einsatz aller Beteiligten war enorm, damit wir diese Verlegung bewältigen konnten“, sagte Abteilungsleiter Becker am Sonntagabend. Das lasse sich in so kurzer Zeit nur gemeinschaftlich leisten. „Dafür danke ich allen, die sich engagiert haben“, betonte er.

Hintergrund: Corona-Sicherheitskonzept.
Bislang hatte das Sicherheitskonzept vom RP Gießen in der Corona-Krise gegriffen. In der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen sind aktuell 3387 Menschen an nun vorübergehend sieben Standorten untergebracht. An allen hessischen Standorten sind seit dem Auftreten des Covid-19-Virus bis zu dem Ausbruch in Kassel-Niederzwehren insgesamt lediglich 22 Personen positiv darauf getestet und umgehend isoliert worden. „Die Erfahrungen in Kassel werden wir sehr ernst nehmen und nach einer genauen Analyse der Infektionsketten mit in unser Sicherheitskonzept einfließen lassen“, betont Manfred Becker weiter. „Wir lernen in der Coronakrise jeden Tag dazu, weil wir es ja auch mit einer sehr dynamischen Pandemie zu tun haben.“

Neu ankommende Flüchtlinge werden gemäß Corona-Sicherheitskonzept zum Beispiel nach der Aufnahme im Ankunftszentrum in Gießen generell für mindestens zwei Wochen vorsorglich in separaten Räumlichkeiten der dortigen Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht. Verdachtsfälle werden noch vor einem Befund in einem dafür vorgesehenen Gebäude isoliert. Sämtliche Maßnahmen und Konzepte waren und werden mit den jeweils zuständigen Gesundheitsämtern eng abgestimmt.

In allen Standorten sind Alltagsmasken an Bewohnerinnen und Bewohner sowie Beschäftigte ausgegeben worden. Alle am Standort beschäftigten Dienstleister erhalten regelmäßig Informationen zu Hygienemaßnahmen und Abstandsregelungen, die innerhalb der Einrichtung gelten. Auf die Corona-Risiken wird in allen Aufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften intensiv und wiederholt hingewiesen. Mahlzeiten werden nicht mehr gemeinschaftlich, sondern auf den Zimmern eingenommen.

Aktuelle Informationen des Robert-Koch-Instituts zum Schutz vor dem Virus werden in mehreren Sprachen in jeder Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen ausgehängt. Die Sozialbetreuung und Dolmetscher informieren ständig über die aktuellen Entwicklungen.

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