Sortieranlagen

Ziel der zeitgemäßen Abfallwirtschaft ist im Bereich der Abfallbehandlung, dass möglichst sortenreine Wertstoff- / Abfall-Fraktionen am Ende der Aufbereitungskette vorliegen, um eine hochwertige stoffliche oder energetische Verwertung der Stoffe zu ermöglichen. Für diesen Zweck werden verschiedene Aufbereitungstechniken kombiniert (Weiteres dazu siehe unten).

Üblicherweise werden folgende Abfälle in Sortieranlagen behandelt:

  • Verpackungsabfälle (z. B. Abfälle aus dem Gelben Sack)
  • Siedlungsabfälle (Sperrmüll, Gewerbeabfälle etc.)
  • Altpapier
  • Baumischabfälle.

Zur Sortierung von Bauabfällen siehe auch Link zu „Bauschuttanlagen“.

Anlagentechnik

Die eingesetzten technischen Verfahren sind abhängig vom Eingangsmaterial und den Fraktionen, die nach den Behandlungsschritten als Anlagenoutput vorliegen sollen. So ist z. B. zu unterscheiden in

  • Negativsortierung
    In der Sortieranlage sollen lediglich Störstoffe aussortiert werden, um die Qualität des Outputs zu steigern
    (z. B. in Altpapier-Sortieranlagen oder in Anlagen zur Aufbereitung von PET), oder
  • Positivsortierung
    In der Sortieranlage wird das Inputmaterial in verschiedene Abfallfraktionen zerlegt, nicht verwertbare Abfälle bleiben als Sortierreste übrig
    (z. B. bei Sortieranlagen für den Gelben Sack).

Abgesehen von händischen Sortieranlagen, in denen das Personal an einem Fließband ein Abfallgemisch manuell in die verschiedenen Outputströme sortiert, kann man die technischen Abläufe in einer modernen und damit stärker automatisierten Sortieranlage grundsätzlich in folgende Abschnitte untergliedern:

  1. Anlieferung des Input-Materials mit Eingangskontrolle, Dokumentation, Entladen der Transportfahrzeuge und Beschickung der Aufbereitungsanlage
  2. Vorsortierung des Input-Materials, sperrige, große Stücke und Störstoffe werden ausgelesen, ggf. Aufbereitung durch Sack- oder Ballenaufreißer, Scheren, Mühlen, Shredder o. ä.
  3. Homogenisierung des Abfalls und Abtrennen der nicht sortierbaren Feinfraktion durch Mischtrommeln oder weniger automatisiert durch Lader und Krane
  4. Dosierung des Materials mittels Drehtrommel, Zuteiler oder Stetigförderer
  5. Separierung in Outputströme (der eigentliche Sortiervorgang)
  6. Weitere Behandlung der verschiedenen Abfallfraktionen z. B. durch Verpressen oder Zerkleinern; Sammlung verschiedener Sortierrestfraktionen entsprechend dem anschließenden Verwertungsweg (deponietechnisch oder energetisch).

Beim Sortiervorgang werden die mechanischen und physikalischen Eigenschaften von Abfällen für die Aufbereitung genutzt. Übliche Aggregate können sein:

  • Bagger und Lader (Hilfsmittel bei der manuellen Störstoffauslese)
  • Siebe (Trennung auf Grund der Materialgröße)
  • Leichtgutabscheider bzw. Sichter (Trennung auf Grund von Materialform und spezifischem Gewicht, z. B. bei Windsichtern oder Schwimm-Sink-Einrichtungen)
  • Ballistikseparatoren (Trennung auf Grund der Materialform wie flächig oder rollend)
  • Magnet- / NE-Scheider (Trennung auf Grund des Verhaltens in einem Magnetfeld).

Während bis vor einigen Jahren die Handsortierung die zuverlässigste Methode darstellte, um sortenreine Wertstoffe in brauchbarer Qualität zu erhalten, gibt es inzwischen sensorgestützte Technologien, die die manuelle Auslese ersetzen. So kann beispielsweise mit Hilfe von Metallsensoren Edelstahl von anderen Nichteisenmetallen getrennt werden, mit Nah-Infrarot-Sensoren können Verbundstoffe oder einzelne Kunststoffsorten separiert werden oder mittels Farbsensoren werden Kunststoffe oder Papier nach Farbe getrennt.

Umweltauswirkungen

  • Umgang mit staubförmigen Emissionen
    Bei der Sortierung von Abfällen kann es abhängig von Material und Behandlungsverfahren zu staubförmigen Emissionen kommen.
    Daher ist u. U. die Nr. 5.2.3 „Staubförmige Emissionen bei Umschlag, Lagerung oder Bearbeitung von festen Stoffen“ der TA Luft zu beachten und umzusetzen.
  • Gefährdung durch biologische Arbeitsstoffe
    In Bereichen mit manuellen Sortiervorgängen wie der händischen Störstoffauslese ist die Freisetzung von biologischen Arbeitsstoffen zu minimieren (biologische Arbeitsstoffe sind im weiteren Sinne Mikroorganismen, die Infektionen, sensibilisierende oder toxische Wirkungen beim Menschen hervorrufen können).
    Die Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) Nr. 214 behandelt diesen Aspekt speziell bei Abfallbehandlungsanlagen einschließlich Sortieranlagen.
  • Brandgefahr
    Die Sortieranlagen sind bauartbedingt meist stationär und in Hallen errichtet. Je nach Abfallart kann so in den Gebäuden eine erhebliche Brandlast vorliegen.
    Die Bestimmungen zum vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz sind deshalb von besonderer Bedeutung, zuständig hierfür sind die jeweiligen Städte und Landkreise.

Grundlagen zum Genehmigungsrecht von Sortieranlagen

Die Errichtung und der Betrieb von Sortieranlagen sind abhängig von den Durchsatzleistungen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) genehmigungsbedürftig. Zuständige Stellen sind die Fachdezernate für Abfallwirtschaft bei den Regierungspräsidien.

Die relevanten Mengenschwellen sind im Anhang zur Vierten Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über genehmigungsbedürftige Anlagen – 4. BImSchV) wie folgt festgelegt:

Nr. 8.4 (Zulassung im vereinfachten Genehmigungsverfahren)

  • Anlagen, in denen Stoffe aus […] hausmüllähnlichen Abfällen […] durch Sortieren […] zurückgewonnen werden, mit einer Durchsatzkapazität von 10 Tonnen Einsatzstoffen oder mehr je Tag.

Nr. 8.11.1.1 (Zulassung im förmlichen Genehmigungsverfahren)

  • Anlagen zur Behandlung von gefährlichen Abfällen […] durch spezielle Verfahren mit einer Durchsatzkapazität an Einsatzstoffen von 10 Tonne oder mehr je Tag

Nr. 8.11.1.2 (Zulassung im vereinfachten Genehmigungsverfahren)

  • Anlagen zur Behandlung von gefährlichen Abfällen […] durch spezielle Verfahren mit einer Durchsatzkapazität an Einsatzstoffen von 1 Tonne bis weniger als 10 Tonnen je Tag

Nr. 8.11.2.1 (Zulassung im vereinfachten Genehmigungsverfahren)

  • Anlagen zur sonstigen Behandlung […] von gefährlichen Abfällen mit einer Durchsatzkapazität von 1 Tonne oder mehr je Tag

Nr. 8.11.2.2 (Zulassung im vereinfachten Genehmigungsverfahren)

  • Anlagen zur sonstigen Behandlung von nicht gefährlichen Abfällen mit einer Durchsatzkapazität von 10 Tonne oder mehr je Tag

Für die in der Regel erforderliche Zwischenlagerung von Abfällen sind nach dem Anhang zur 4. BImSchV noch zusätzliche Genehmigungsziffern zu berücksichtigen (Nr. 8.12, u. U. 8.14).


Abhängig vom Einsatzstoff sind sowohl im Vorfeld der eigentlichen Sortierung als auch im Nachgang (z. B. wenn es um die weitere Verwendung einzelner Fraktionen geht), spezifische Regelungen zu beachten wie die Verpackungsverordnung oder die Gewerbeabfallverordnung.

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