Bodenmaterial, Straßenaufbruch und gemischte Baustellenabfälle

Verwertung von Bodenmaterial und Bauschutt

Bodenmaterial

Gemäß § 2 Nr. 1 Bundes-Bodenschutz-Verordnung ist Bodenmaterial definiert als Material aus Böden und deren Ausgangssubstraten (z. B. Lehm, Sand, Kies, Steine) einschließlich Mutterboden, das im Zusammenhang mit Baumaßnahmen oder anderen Veränderungen der Erdoberfläche ausgehoben, abgeschoben oder behandelt wird. Auch Bodenmaterial mit mineralischen Fremdbestandteilen (z. B. Bauschutt, Schlacke, Ziegelbruch) bis zu 10 Vol.-% fällt unter diese Definition.


Bodenmaterial kann - bedingt durch seine Herkunft oder Vorgeschichte - mit sehr unterschiedlichen Stoffen belastet sein. Liegen Anhaltspunkte vor, dass das Bodenmaterial belastet ist, ist dieses auf die in Frage kommenden Schadstoffe zu untersuchen.


Die Verwertungsmöglichkeit für Bodenmaterial hängt ab vom Schadstoff, Schadstoffgehalt und von der Mobilisierbarkeit des Schadstoffs sowie von den Einbaubedingungen am Ort der geplanten Verwertung.
Bodenmaterial kann ohne Einschränkungen in bodenähnlichen Anwendungen eingebaut werden, wenn die Anforderungen des vorsorgenden Boden- und Grundwasserschutzes erfüllt werden.
Bis zu einem gewissen Belastungsgrad kann Bodenmaterial unter bestimmten Einbaubedingungen außerhalb von Deponien verwertet werden. Bei höheren Belastungen kommt dagegen nur noch eine Verwertung auf einer Deponie (z. B. im Wegebau) in Frage.


Bei Bodenmaterial, das nicht als gefährlich gemäß Abfallverzeichnis-Verordnung eingestuft ist, ist die Abfallbehörde – auch wenn Schadstoffe in geringerem Umfang nachgewiesen werden – in der Regel nicht beteiligt. Als Abfallerzeuger hat der Bauherr, der Sanierungspflichtige oder der Bauunternehmer jedoch in eigener Verantwortung dafür Sorge zu tragen, dass das Bodenmaterial ordnungsgemäß und schadlos in einer zugelassenen Anlage bzw. Einbaumaßnahme verwertet wird.

Bauschutt

Bauschutt aus Abbruchmaßnahmen kann, bedingt durch die frühere Verwendung schadstoffhaltiger Baumaterialien oder die gewerbliche bzw. industrielle Nutzung der abgebrochenen Gebäude, mit sehr unterschiedlichen Stoffen belastet sein.


Liegen Anhaltspunkte vor, dass Teile des Gebäudes belastet sind, sind diese auf die in Frage kommenden Schadstoffe zu untersuchen. An Hand der Untersuchungsergebnisse kann die unbelastete Bausubstanz beim Abbruch von belasteter separiert und hochwertig, z. B. als Recyclingbaustoff, verwertet werden.


Die Verwertungsmöglichkeit für Bauschutt hängt ab vom Schadstoff, vom Schadstoffgehalt, von der Mobilisierbarkeit des Schadstoffs, von den Qualitätsanforderungen an einen Recyclingbaustoff bzw. von den Einbaubedingungen am Ort einer geplanten Auffüllung.


Unbelasteter Beton aus Bau- oder Abbruchmaßnahmen kann als Recyclingbeton im Hochbau verwertet werden.


Als Auffüllmaterial in oder auf dem Boden kann Bauschutt bis zu einem gewissen Belastungsgrad unter bestimmten Einbaubedingungen außerhalb von Deponien verwertet werden. Bei höheren Belastungen kommt dagegen nur noch eine Verwertung auf einer Deponie (z. B. im Wegebau) in Frage.


Bei Bauschutt, der nicht als gefährlich gemäß Abfallverzeichnis-Verordnung eingestuft ist, ist die Abfallbehörde – auch wenn Schadstoffe in geringerem Umfang nachgewiesen werden – in der Regel nicht beteiligt. Als Abfallerzeuger hat der Bauherr oder der Bauunternehmer jedoch in eigener Verantwortung dafür Sorge zu tragen, dass der angefallene Bauschutt ordnungsgemäß und schadlos in einer zugelassenen Anlage bzw. Einbaumaßnahme verwertet wird.

Einstufung und Verwertung von Straßenaufbruch

Definition

Bei Straßenaufbruch handelt es sich um Abfälle aus Oberbauschichten und aus Bodenverfestigungen des Unterbaus, die bei Bau- und Instandsetzungsarbeiten an Straßen, Wegen, Plätzen und sonstigen Verkehrsflächen anfallen.
Unterschieden wird in Ausbauasphalt (Bindemittel ist hier Bitumen), pechhaltigen Straßenaufbruch (Bindemittel ist hier Pech), hydraulisch gebundenen Straßenaufbruch (z. B. Betondeckenaufbruch), Natur-, Beton- und sonstige Werksteine sowie ungebundenen Straßenaufbruch (ohne Bindemittel).

Einstufungshinweis

Die im pechhaltigen Straßenaufbruch enthaltenen Stoffe Steinkohlenteer, Teeröl und Teerpech sind als krebserzeugend eingestuft. Pechhaltige Straßenaufbruchmaterialien werden gemäß Abfallverzeichnis-Verordnung als „kohlenteerhaltige Bitumengemische“ bezeichnet und damit als gefährliche Abfälle unter dem Abfallschlüssel 17 03 01 eingestuft.


Zur Untersuchung auf Pechbestandteile wird insbesondere das so genannte Lackansprühverfahren empfohlen. Hierzu wird eine an der Oberfläche lufttrockene Bruchfläche der Probe dünn mit einem weißen, lösemittelhaltigen Acryllackspray (RAL 9010) angesprüht. Je nach Pechgehalt ist bereits nach wenigen Sekunden eine deutlich grünliche bis gelbbräunliche Verfärbung des Lackes festzustellen.

Verwertungswege

Ausbauasphalt kann im klassifizierten Straßenoberbau im Heiß- oder Kaltverfahren verwertet werden. Für Straßenaufbruch mit Gehalten an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK; Summe von 16 Einzelsubstanzen nach EPA-Liste) über 25 mg/kg und für pechhaltigen Straßenaufbruch kommen lediglich Kaltverfahren in Frage. Bei solchen Kaltverfahren werden dem Straßenaufbruch Granulat-Bindemittel (Spezialzemente oder Bitumenemulsionen) zugesetzt.


Im Deponiebereich ist die Nutzung von Straßenaufbruch im Rahmen des Wegebaus möglich. Hierzu sind die Vorgaben der Deponieverordnung sowie die Genehmigungssituationen der einzelnen Deponien zu berücksichtigen.

Einstufung und Entsorgung von gemischten Baustellenabfällen

Allgemeines

Grundsätzlich sind Baustellen so einzurichten und zu organisieren, dass die dort anfallenden Abfälle voneinander getrennt erfasst und jeweils einer stofflichen oder energetischen Verwertung zugeführt werden.
Sofern eine vollständige Trennung aus technischen, organisatorischen und / oder wirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist, können bestimmte Abfälle aus dem Baubereich als Gemisch entsorgt werden.


Um dem Verwertungsgebot des § 7 i. V. m. § 6 Kreislaufwirtschaftsgesetz nachzukommen, sind gemischte Bau- und Abbruchabfälle grundsätzlich einer geeigneten und dafür zugelassenen Aufbereitungs- / Vorbehandlungsanlage zuzuführen. Ein solches Gemisch darf in diesen Fällen nur diejenigen Abfälle enthalten, die im § 4 Abs. 1 Nr. 1 und im Anhang der Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) genannt sind. Alle anderen Abfälle sind diesem Gemisch fernzuhalten.


Davon kann nur im Ausnahmefall abgesehen werden.

Einstufung

Abfallgemische aus dem Baustellenbereich, die nicht mit Schadstoffen belastet sind, werden unter dem Abfallschlüssel 17 09 04 „gemischte Bau- und Abbruchabfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 17 09 01, 17 09 02 und 17 09 03 fallen“ eingestuft.


Wenn es sich nachweislich nicht vermeiden lässt, dass das Bauabfall-Gemisch Abfälle enthält, die als gefährliche Abfälle im Sinne des § 3 der Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) einzustufen sind, ist das gesamte Gemisch unter dem Abfallschlüssel 17 09 03* „sonstige Bau- und Abbruchabfälle (einschließlich gemischte Abfälle), die gefährliche Stoffe enthalten“ einzustufen.

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