Abwasserentsorgung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels

Strategien zur Anpassung der Abwasserinfrastruktur bei rückläufigen Bevölkerungszahlen im ländlichen Raum

Zwei Entwicklungen prägen die Stadt- und Siedlungsentwicklung in Hessen: Auf der einen Seite Konzentrationsprozesse in Ballungsräumen und auf der anderen Seite eine schleichende Entleerung vieler ländlicher Regionen. Ländliche Kommunen mit großen Bevölkerungsverlusten stehen dadurch vor vielfältigen Problemen.

Ein wesentlicher Punkt sind die steigenden Kosten für die Infrastruktur und hier besonders die immensen Aufwendungen für eine ordnungsgemäße Abwasserentsorgung. Insbesondere wegen langer Entwässerungsnetze und oftmals maroder Kanäle sind die Entsorgungskosten hoch, Tendenz steigend. Die Bauausführung der Abwasserkanäle war in der Vergangenheit teilweise mangelhaft, deshalb sind die anstehenden Sanierungskosten besonders hoch (undichte Kanäle, hohe Fremdwasserzuflüsse).

Infolge des Bevölkerungsrückgangs und des hohen Fixkostenanteils von ca. 80 %, steigen die Kosten die jeder Bürger zu tragen hat. Zudem gibt es oftmals einen Investitionsstau, weil anstehende Aufgaben auf die lange Bank geschoben werden. Durch steigende Gebühren erhöhen sich die Einsparanstrengungen der Bürger und der Verbrauch bzw. die Abwassermenge sinkt weiter, was wiederum höhere m³-Preise zur Folge hat.

Im ländlichen Raum sind meist nur kleine und leistungsschwache Vorfluter vorhanden, deshalb sind an die Abwassereinleitungen weitergehende Anforderungen in hydraulischer und stofflicher Hinsicht zu stellen. Die Infrastruktur der Siedlungsentwässerung ist durch lange Nutzungs- und Abschreibungszeiten von 25 bis 100 Jahren gekennzeichnet. Eine schnelle Anpassung der Systeme ist deshalb kaum möglich.

Mögliche Lösungsansätze für eine nachhaltige Entwicklung

Der entwickelte Leitfaden soll Planern und Betreibern als Arbeitshilfe dienen. Im Zuge der Erstellung eines Leitfadens werden Alternativen der Abwasserentsorgung am Beispiel der Ortsteile Dirlammen und Eichelhain der Gem. Lautertal (Vogelsbergkreis) untersucht.

Der Leitfaden zeigt Wege auf, wie die Abwasserentsorgungssysteme des ländlichen Raums weiterentwickelt werden können. Wurde dieses Thema bisher eher fachspezifisch betrachtet, werden durch den Leitfaden nun abwassertechnische Lösungsansätze dargestellt und es erfolgt eine ganzheitliche Betrachtung aus siedlungswasserwirtschaftlicher und städteplanerischer Perspektive.

"Intelligent Schrumpfen" - Es gibt aber keine Patentlösungen. Es sind immer Einzelfallbetrachtungen erforderlich, die hohe fachliche und zeitliche Anforderungen an die Planer und Betreiber stellen. Einige Stichworte sind: Druck- oder Vakuumentwässerung, Trockentoiletten, dezentrale Lösungen.

Der Leitfaden wurde durch den Bürgermeister der Gemeinde Lautertal, die Mitarbeiter der UWB des Vogelsbergkreises und des RP Gießen initiiert. Anlass für das Projekt waren Fragestellungen, die sich u.a. aus dem Modellvorhaben der Raumordnung (MORO) des Vogelsbergkreises ergaben. Die Bearbeitung des Projektes erfolgte von Prof. Dr. Theilen, Prof. Jahnen (beide THM) und Dipl. Ing. Heß, Lauterbach.

Die ausführliche Fassung des Leitfadens, sowie ein Anhang mit den konkreten Strategien für zwei Ortsteile der Gemeinde Lautertal stehen im Downloadbereich als PDF Dokument zur Verfügung.

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