Maßnahmen zum Erreichen eines naturnahen Gewässerzustandes

Unsere heutige mittelhessische Landschaft ist geprägt von den rasanten Gesellschaftsveränderungen im letzten Jahrhundert- von der immensen Ausdehnung unserer Siedlungsflächen sowie der Intensivierung und technischen Optimierung der Landwirtschaft. Dabei wurde auch stark in die Gewässer eingegriffen – sie wurden auf Teilstrecken begradigt, an den Auenrand verlegt , in den Ortslagen oftmals in ein starres Betonbett gezwängt oder sogar verrohrt, Ufersäume vollständig gerodet und Auenflächen zur besseren Bewirtschaftung durch Entwässerung trocken gelegt. Aus naturnahen Gewässern wurden im Laufe der Zeit einförmige, strukturlose bzw. naturferne Bach– und Flussläufe.

Die Gewässer wurden bis Ende der siebziger Jahre zu einem hohen Anteil aus dem “ökonomischen Blickwinkel“ betrachtet. Das Gerinnebett sollte dem schadlosen Abfluss dienen, die Ackerflächen sollten entwässern, die hydraulische Leistungsfähigkeit von kanalartigen Gerinnen in den Ortlagen war gefragt, durch Regelprofile wurden die Gewässer vereinheitlicht und in ihrem Raumbedarf minimiert.

Erst danach begann man über naturnahe Gewässer, Gewässerrenaturierung und Biotopvernetzung nachzudenken. Die Frage nach der natürlichen und naturraumtypischen Gewässerstruktur und -gestalt sowie dem hohen ökologischen Wert naturnaher Gewässerzustände ist seit Ende der achtziger Jahre Bestandteil der Planungsphase bei Gewässerrenaturierungs- und sonstigen Gewässerausbaumaßnahmen sowie bei Gewässerunterhaltungsarbeiten.

Der naturnahe Gewässerzustand bzw. die naturnahe Gewässerstruktur ist heute Maßstab für die ökologische Zustandsbewertung von Gewässern und Leitziel für alle zukünftigen Gewässermaßnahmen. Bei heutigen Renaturierungsmaßnahmen soll verstärkt das eigendynamische Potential des Gewässers ohne größere Baumaßnahmen gefördert werden. Die Devise dieser auf die Fähigkeit zur Eigenregulation der Fließgewässer vertrauenden Renaturierungsansätze lautet „Hilfe zur Selbsthilfe“. Vorraussetzung dafür ist das Vorhandensein von ausreichender Fläche für das Gewässer, der durch Landankauf der Ufer- und Auenflächen erreicht werden kann.

Unterhaltung mit dem Ziel "Naturnahe Gewässerstruktur"

Wie für den Gewässerausbau ist auch bei der Gewässerunterhaltung und –pflege der naturnahe Gewässerzustand die Grundlage für notwendige Maßnahmen. Mit Hilfe der verschiedensten naturgemäßen Bauweisen, besonders in Kombination mit lebenden Pflanzen, kann z.Bsp. bei der Unterhaltung von Uferschäden im Bereich der bebauten Ortslagen die Vielfältigkeit der Gewässerstruktur erhöht werden.

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