Förderung im Rahmen des Integrierten Klimaschutzplans Hessen 2025

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Der „Integrierte Klimaschutzplan Hessen 2025“ wurde im März 2017 von der Hessischen Landesregierung beschlossen. Dieser beinhaltet 140 Maßnahmen in allen relevanten Handlungsfeldern durch die die hessischen Klimaziele erreicht und Anpassungen an Klimawandelfolgen durchgeführt werden sollen. Zu den relevanten Handlungsfeldern zählen z.B. Biodiversität, Wasser, Land-und Forstwirtschaft, Wirtschaft, Energie und Verkehr.

Die Oberen Naturschutzbehörden der Regierungspräsidien wurden vom Hessischen Ministerium für Umwelt-, Klima-und Verbraucherschutz im Rahmen des Klimaschutzplans beauftragt, Maßnahmen zum ökologischen Hochwasserschutz und zum Biotopverbund umzusetzen. Es handelt sich dabei um zwei Klimaanpassungmaßnahmen, die dazu beitragen sollen, potentiell negative Folgen des Klimawandels abzuschwächen. Zu diesen negativen Auswirkungen zählen z.B. die Zunahme von Starkregenereignissen und langanhaltenden Trockenperioden, die Erhöhung der Jahresmitteltemperatur oder die Zunahme besonders heißer Tage.

Bezüglich der Niederschlagsverteilung ist ebenfalls mit Veränderungen zu rechnen: Den Projektionen zufolge kommt es zunehmend zu einer Verschiebung des Niederschlags vom Sommer in die Winterjahreszeit. Zusammen mit häufigeren und intensiveren Starkregenniederschlägen ist demnach auch von vermehrt auftretenden Hochwassersituationen auszugehen. Die Maßnahme L 28 „Ökologischer Hochwasserschutz und Auenrenaturierung“ des Klimaschutzplans hat daher zum Ziel, den natürlichen Wasserrückhalt in den Auen zu stärken. Diese Maßnahmen werden gemeinsam mit der Oberen Wasserbehörde abgestimmt.

Die Auswirkungen des Klimawandels beeinflussen die biologische Vielfalt auf allen Ebenen: von einzelnen Individuen über Artgemeinschaften bis hin zu ganzen Ökosystemen. Durch die Klimawandelfolgen können die Lebensbedingungen für –insbesondere heute schon seltende– Pflanzen und Tiere zusätzlich verschlechtert werden. Wenn sich die Bedingungen in den Ökosystemen soweit verändern, dass Arten keine geeigneten Lebensräume mehr vorfinden, müssen diese in andere passende Gebiete ausweichen. Das Ziel der Maßnahme L 14 „Erhaltung und Weiterentwicklung von Biotopverbundsystemen und Vermeidung weiterer Landschaftszerschneidungen“ ist es daher, betroffenen Arten Wanderbewegungen zu ermöglichen, um sich dadurch an klimawandelbedingte Arealverschiebungen anzupassen. Zur Auswahl von Maßnahmen für das Land Hessen wurde vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie eine Liste mit potentiellen Klimaverlierern (Arten und Lebensraumtypen) erarbeitet.

Im Bereich des Regierungspräsidiums Gießen werden seit 2017 verschiedene Klimaanpassungsmaßnahmen im Rahmen des integrierten Klimaschutzplans umgesetzt. Im Naturschutzgebiet „Lahnaue zwischen Atzbach, Dutenhofen und Heuchelheim“ wurden zum Beispiel Blänken zum Wasserrückhalt in der Aue angelegt, die z.B. auch von der Kreuzkröte als Laichgewässer genutzt werden.

Blänke an der Lahnaue und Kaulquappen
Abbildung links: im Herbst 2018 angelegte Blänke in der Lahnaue zwischen Gießen und Wetzlar; Abbildung rechts: Kaulquappen der Kreuzkröte im Juni 2020 in der mit Wasser gefüllten Blänke

Eine große Maßnahme wurde 2019/2020 an der „Gisselberger Spannweite“ südlich von Marburg im Rahmen des EU-Life-Projektes „Living Lahn“ umgesetzt. Durch die Renaturierung des Gewässer- und Auebereiches wird auch der Biotopverbund für verschiedene Klimaverlierer gestärkt. Vielfältig geschafffene Strukturen können nun von diversen, seltenen Amphibien, Vögeln oder Fledermäusen als Lebensraum genutzt werden. Beispielhaft sind hier Arten wie die Kreuzkröte (Epidalea calamita), der Flussregenpfeiffer (Charadrius dubius) oder die Bekassine (Gallinago gallinago) zu nennen, die von der Maßnahme profitieren sollen.

Gisselberger Spannweite
Abbildungen links und rechts: Luftaufnahmen von der „Gisselberger Spannweite“ nach der Umsetzung (April 2020)

Weitere Maßnahmen-Schwerpunkträume liegen im FFH-Gebiet „Schelder Wald“ oder im Vogelschutzgebiet „Hörre bei Herborn und Lemptal“. Hier wurden in mehreren Bereichen Gewässer und Auen naturnah umgestaltet, um sowohl den natürlichen Wasserrückhalt in der Fläche zu stärken als auch den Biotopverbund für Klimaverlierer zu verbessern. Im Fokus dieser Maßnahmen steht u.a. der Schwarzstorch, der diese Lebensräume insbesondere als Nahrungshabitat nutzt.

Renaturrierung und Entbuschung
Abbildung links: Renaturierung und Entbuschung am Rinkenbach; Abbildung rechts: Gewässerrenaturierung im Vogelschutzgebiet Hörre bei Herborn und Lemptal

Maßnahmen, die den Biotopverbund und die Populationen stärken sollen, wurden zudem auch für den Blauschillernden Feuerfalter (Lycaena helle) im Hohen Westerwald oder auch für verschiedene moorgebundene Arten, wie die Arktische Smaragdlibelle (Somatochlora arctica) im Burgwald durchgeführt. Die Erhaltung und Renaturierung von Mooren trägt wesentlich zum Klimaschutz bei, da diese sehr große Mengen an Kohlenstoff sowie Wasser speichern können. Moore bedecken nur 3 % der Landesfläche und binden dabei ein Drittel der Kohlenstoffvorräte. Daher werden Moorrenatuierungen im Burgwald seit mehreren Jahren über den Klimaschutzplan umgesetzt und erweitert.

Verschließung von Entwässerungsgräben und Feuerfalter
Abbildung links: Verschließung von Entwässerungsgräben zur Verbesserung eines Moores im Burgwald; Abbildung rechts: Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle) an Schlangenknöterich (Bistorta officinalis)

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