Netzwerk soll Opfern von Gewalt schnelle Hilfe bringen

Opfern von Gewalttaten soll künftig schneller geholfen werden. Sie erhalten bei Anerkennung durch die Versorgungsverwaltung bislang zwar ggf. eine finanzielle Entschädigung sowie eine entsprechend notwendige und angemessene Heil- und Krankenbehandlung, dies ist jedoch häufig mit langen Wartezeiten verbunden. Betroffene berichten zudem über Unsicherheiten bei der Therapeutenwahl sowie Wartezeiten von bis zu neun Monaten auf einen geeigneten Therapieplatz. In der Zwischenzeit ist das Leiden groß.

Um konkrete Hilfen nach einer Gewalttat zu beschleunigen, arbeiteten Experten seit drei Jahren am sogenannten „Traumanetzwerk“, einer Kooperation von insgesamt 18 Einrichtungen. Am 22. September 2015 trafen sie sich im Alten Schloß in Gießen zur feierlichen Unterzeichnung der Vertragsunterlagen. Das Konzept des Netzwerkes soll insbesondere Menschen zu Gute kommen, die Opfer von schweren Körperverletzungen, Sexualstraftaten, Überfällen wurden.

„Diese Menschen brauchen vor allem schnelle und kompetente Hilfe, und zwar bereits vor einer Anerkennung durch die Versorgungsverwaltung“, erläuterte RP Dr. Lars Witteck, der das neue Netzwerk heute der Öffentlichkeit vorstellte. Demnach sicherten die Kooperationsverträge mit den Fachkliniken und Facheinrichtungen künftig eine schnelle und kompetente Hilfe zu. Jeder, der innerhalb Hessens Opfer einer Gewalttat geworden ist und einen Antrag auf Opferentschädigung bereits gestellt hat oder noch stellen möchte, kann eine der kooperierenden Einrichtungen für die Erwachsenen- sowie auch Kinder- und Jugendpsychiatrie aufsuchen und erhält dort, sofern notwendig, sofort therapeutische Hilfe bzw. binnen vier Wochen nach einer ersten Kontaktaufnahme. Denn gerade bei psychischen Traumata ist es wichtig, so früh wie möglich Maßnahmen der Krisenintervention einzuleiten um dauerhafte seelische Störungen zu vermeiden bzw. zu mildern.

„Die Vetragsunterzeichnung markiert einen Meilenstein in der Opferentschädigung und Versorgung“, so Witteck. Seine Behörde habe sich mit viel Zeit und Arbeit dieser besonderen Aufgabe gewidmet. Ohne das große Engagement der beteiligten Einrichtungen wäre dieser Schritt nicht möglich gewesen. Witteck bedankte sich aufrichtig bei den Beteiligten und sagte zum Abschied: „Ich wünsche mir ein lebendiges, wachsendes Netzwerk, welches in Zukunft durch Unterstützung der Polizei sowie Opferschutzverbände oder –vereine noch weiter wachsen wird und somit eine entscheidende Stütze für Opfer von Gewalttaten darstellen soll“.

Eine Übersicht aller kooperierenden Einrichtungen ist auf dieser Seite sowie in einem Informationsflyer des Regierungspräsidiums Gießen zu finden.

Zusätzliches Wissen:

1976 trat das Gesetz über die Entschädigung für Opfer von Gewalttaten (OEG) in Kraft. Es stellt neben den Leistungen der Heil- und Krankenbehandlung, der Rehabilitation und der Hilfsmittelversorgung auch Renten- und Fürsorgeleistungen zur Verfügung.

Das Gesetz musste im Laufe der Zeit an die Bedürfnisse der Opfer von Gewalttaten angepasst werden und erforderte eine Weiterentwicklung. Der Bundesrat forderte daher im Jahre 2007 die Bundesregierung auf, Vorschläge für eine Neuordnung des Rechts der Gewaltopfer zu unterbreiten. Diese sollten nicht nur eine Optimierung der Opferbetreuung mit dem Ziel zügiger Erhalt der Leistungen, sondern auch psychologische Angebote außerhalb der Heilbehandlung im Sinne einer Soforthilfe als Regelleistung im OEG beinhalten. Die politische Vorgabe fordert einen Ausbau der Angebote für Opfer von Gewalttaten auf Länderebene und eine Vernetzung dieser Angebote über die Ländergrenzen hinaus. Das Ziel ist die Etablierung eines bundesweiten Netzes für die Soforthilfe und Betreuung von Opfern nach dem OEG.

Inzwischen sind in allen Bundesländern Aktivitäten zur Etablierung eines OEG-Trauma-Netzwerkes erkennbar. Einige Bundesländer greifen bereits auf mehrjährige Erfahrungen zurück. Bereits im Jahre 2000 wurde ein OEG-Trauma-Netzwerk in NRW, in 2009 in Bayern (bislang allerdings nur für Kinder- und Jugendliche) und in 2010 in Niedersachsen etabliert. In Hessen gab es erste Aktivitäten zur Etablierung eines Netzwerkes zwischen Versorgungsverwaltung und potentiellen Vertragspartnern aus dem klinischen Bereich im August 2012. Im Rahmen einer Länderumfrage wurde das Regierungspräsidium Gießen angefragt, inwieweit in Hessen Ansätze zur Etablierung eines Kooperationssystems zwischen der Versorgungsverwaltung und Traumatherapeuten existieren. Zeitgleich wurde das RP Gießen vom Hessischen Sozialministerium beauftragt, ein OEG-Trauma-Netzwerk in Hessen zu konzipieren und mit der Akquise von potentiellen Kooperationspartnern zu beginnen.

Aus diesem Grund hat das Regierungspräsidium nun, auch im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration, ein Konzept für ein fachärztliches und fachpsychologisches Netzwerk entwickelt, durch das den Betroffenen in allen Regionen Hessens fachkompetente Untersuchung und Therapie angeboten werden kann, sodass chronische Belastungsstörungen sowie psychische Langzeit- und Spätfolgen vermieden bzw. gemildert werden können. Nach den Ergebnissen aktueller Studien ist dies der Fall, wenn eine möglichst zeitnahe fachkompetente Therapie sichergestellt ist.

Einrichtungen des OEG-Trauma-Netzwerkes
für Erwachsene

1. Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Gießen
Licherstraße 106, 35394 Gießen
Tel.: 0641 4030

2. Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Friedrichstraße 33, 35390 Gießen
Tel.: 0641 98545601

3. Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Zentrum für Psychiatrie
Klinikstraße 36, 35385 Gießen
Tel.:  0641 98545720

4. Agaplesion-Markus-Krankenhaus - Klinik für Psychiatrie,
Psychotherapie und Psychosomatik
Wilhelm Epstein Straße 4, 60431 Frankfurt am Main
Tel.:  069 95330

5. Vitos Klinik Bamberger Hof
Mittelweg 49, 60318 Frankfurt am Main
Tel.: 069 678002601

6. Goethe-Universität Frankfurt am Main
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Heinrich-Hoffmann-Straße 10, 60528 Frankfurt am Main
Tel.:  069 63015079

7. Trauma- und Opferzentrum Frankfurt e. V.
Zeil 81, 60313 Frankfurt am Main
Tel.: 069 21655828

8. Verhaltenstherapie-Ambulanz
Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Varrentrappstraße 40 – 42, 60486 Frankfurt am Main
Tel.: 069 79825102

9. MediClin Klinik für Akutsymptomatik
Reha Zentrum am Hahnberg
Ziergartenstraße 9, 34537 Bad Wildungen
Tel: 05621 7960

10. Wicker-Klinik Werner Wicker GmbH & Co. KG
Fürst-Friedrich-Straße 2 – 4, 34537 Bad Wildungen
Tel.: 05621 / 7920

11. Klinikum Fulda gAG - Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie
Pecielliallee 4, 36043 Fulda
Tel.: 0661 840

12. Klinik Hohe Mark
Friedländer Straße 2 – 10, 61440 Oberursel
Tel.: 06171 2040

13. Ludwig-Noll-Krankenhaus - Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie
Dennhäuser Straße 154 - 164, 34134 Kassel
Tel.: 0561 48040

Kliniken des OEG-Trauma-Netzwerkes
für Kinder und Jugendliche

14. Vitos Klinik Rehberg  - Klinik für Kinder- und Jugend-
psychiatrie,
Psychosomatik und Psychotherapie
Austraße 40, 35745 Herborn
Tel.: 02772 5040

15. Vitos Klinik Hofheim - Klinik für Kinder- und Jugend-
psychiatrie, Psychotherapie
Philippsanlage 101, 64560 Riedstadt
Tel.:  06158 183334

16. Vitos Klinik Rheinhöhe - Klinik für Kinder- und Jugend-
psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Kloster-Eberbach-Straße 4, 65346 Eltville
Tel.:  06123 6020

17. Goethe-Universität Frankfurt am Main - Klinik für Psychiatrie,
Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
Deutschordenstraße 50, 60528 Frankfurt am Main
Tel.: 069 / 63015920

18. Vitos Klinik Gießen-Marburg - Kinder- und Jugendpsychiatrie
Cappeler Str. 98, 35039 Marburg
Tel. 06421 / 404341

Hessen-Suche