Schnelle psychotherapeutische Hilfe für Opfer von Gewalttaten

Nicht selten kommt es vor, dass Menschen in Folge eines schädigenden Ereignisses unter einem psychischen Trauma leiden. Studien haben gezeigt, dass eine zeitnahe Behandlung chronische Belastungsstörungen sowie psychische Langzeit- und Spätfolgen vermeiden oder zumindest mildern können, um eine möglichst schnelle Teilhabe am Leben wieder zu ermöglichen.
Wurden die Leistungen im Rahmen des OEG-Trauma-Netzwerks bislang seitens des Regierungspräsidiums Gießen auf freiwilliger Basis erbracht, führt der Gesetzgeber im Rahmen der Reform des Sozialen Entschädigungsrechts die sog. Schnellen Hilfen ein, die dazu dienen, eine zeitnahe Versorgung von traumatisierten Gewaltopfern zu gewährleisten. Hierzu zählen auch die Leistungen der Traumaambulanzen, welche vom Land Hessen seit dem 01.01.2021 gesetzlich verpflichtend vorzuhalten sind.
Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Kliniken für erwachsene Menschen sowie für Kinder und Jugendliche soll dazu dienen, den Opfern von Gewalttaten auch zukünftig schneller kompetente und zielgerichtete Hilfen anzubieten.
Wer kann Leistungen nach dem OEG empfangen?
Wer in Deutschland einen gesundheitlichen Schaden durch eine Gewalttat erlitten hat, kann Versorgungsleistungen im Sinne des Opferentschädigungsgesetzes (OEG) erhalten. Dazu zählen beispielsweise Heil-und Krankenbehandlungen oder Rentenleistungen.
Da das Verfahren nach dem OEG einige Zeit in Anspruch nehmen und es dadurch zu Behandlungsverzögerungen kommen kann, wurde das OEG-Trauma-Netzwerk gegründet. Hier können Opfer einer Gewalttat im Sinne des OEG bereits vor einer Entscheidung über den Antrag psychotherapeutische Unterstützung erhalten.
Eine Gewalttat in diesem Sinne ist ein vorsätzlicher, rechtswidriger tätlicher Angriff gegen eine Person und kann zum Beispiel
ein Angriff gegen Leib und Leben (z.B. schwere Körperverletzung, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, Tötungsdelikt),
ein Schaden durch Vergiftung,
Brandstiftung oder
einen Angriff durch ein KfZ sein.
Anspruchsberechtigt sind nach § 2 Sozialgesetzbuch Vierzehntes Buch – Soziale Entschädigung – (SGB XIV) aber auch Angehörige, Hinterbliebene und Nahestehende der geschädigten Person.
Darüber hinaus können Personen, welche
bei der rechtmäßigen Abwehr einer Gewalttat gesundheitlich geschädigt worden sind,
Zeuge einer schweren Gewalttat im Sinne des OEG geworden sind oder
eine Nachricht über ein besonders schreckliches Ereignis in Zusammenhang mit einer Person, zu welcher ein besonderes Näheverhältnis besteht (z.B. zwischen Eheleuten oder zu Kindern), übermittelt bekommen haben
einen Anspruch auf Leistungen nach dem OEG und im Rahmen des OEG-Trauma-Netzwerks haben.
Sollte sich bei der abschließenden Bearbeitung herausstellen, dass Sie keinen Anspruch auf Versorgungsleistungen aufgrund des OEG haben, müssen Sie keine Kosten im Nachhinein übernehmen. In einem solchen Fall wendet sich das zuständige Hessische Amt für Versorgung und Soziales an die Krankenkasse oder übernimmt die Kosten selbst.
Welche Leistungen erhalte ich im OEG-Trauma-Netzwerk?
Als Erwachsener erhalten Sie fünf therapeutische Sitzungen. Kinder und Jugendliche erhalten acht therapeutische Sitzungen. Dieser Anspruch kann nach Bedarf um maximal zehn Sitzungen ausgedehnt werden.
Darüber hinaus werden die notwendigen und angemessenen Fahrtkosten vom Wohnort zur Traumaambulanz (und wieder zurück) übernommen. Darüber hinaus können die Fahrtkosten für eine Begleitperson oder die Betreuung von Kindern in der Zeit der Behandlung übernommen werden.
Sollten Sie einen Dolmetscher benötigen, wird dieser gerne von dem zuständigen Hessischen Amt für Versorgung und Soziales beauftragt und die Kosten übernommen.
Wie erhalte ich die Leistungen nach dem OEG-Trauma-Netzwerk?
Wünschen Sie sich eine Aufnahme in das OEG-Trauma-Netzwerk, dann wenden Sie sich direkt an unsere Fachkliniken oder Einrichtungen. Die Kontaktdaten finden sie unten auf der Seite oder im Flyer zum OEG-Trauma-Netzwerk (sh. rechts unter Downloads).
Sie können sich aber auch direkt an das für Sie zuständige Hessische Amt für Versorgung und Soziales wenden. Die Kontaktdaten finden Sie im Flyer zum OEG-Trauma-Netzwerk (sh. rechts unter Downloads) sowie auf unserer Website unter Ansprechpartner und Adressen[WV1].
In beiden Fällen können Sie das OEG-Trauma-Netzwerk ohne eine vorherige Antragstellung in Anspruch nehmen. Der bundeseinheitliche Antragsvordruck kann gemeinsam im Rahmen eines Sitzungstermins ausgefüllt werden bzw. im Anschluss an die erste Sitzung ausgefüllt und an das zuständige Hessische Amt für Versorgung und Soziales übersendet werden.
Sollten Sie allgemeine Fragen oder Anregungen zum OEG-Trauma-Netzwerk haben, können Sie sich per E-Mail an die Ansprechpartner des RP Gießen wenden: SER@rpgi.hessen.de
Fachkliniken und Einrichtungen des OEG-Trauma-Netzwerkes
für Erwachsene
1. Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Gießen
Licherstraße 106, 35394 Gießen
Tel.: 0641 4030
2. Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Friedrichstraße 33, 35390 Gießen
Tel.: 0641 98545601
3. Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Zentrum für Psychiatrie
Klinikstraße 36, 35385 Gießen
Tel.: 0641 98545720
4. Agaplesion-Markus-Krankenhaus - Klinik für Psychiatrie,
Psychotherapie und Psychosomatik
Wilhelm Epstein Straße 4, 60431 Frankfurt am Main
Tel.: 069 95330
5. Vitos Klinik Bamberger Hof
Mittelweg 49, 60318 Frankfurt am Main
Tel.: 069 678002601
6. Goethe-Universität Frankfurt am Main
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Heinrich-Hoffmann-Straße 10, 60528 Frankfurt am Main
Tel.: 069 63015079
7. Trauma- und Opferzentrum Frankfurt e. V.
Zeil 81, 60313 Frankfurt am Main
Tel.: 069 21655828
8. Verhaltenstherapie-Ambulanz
Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Varrentrappstraße 40 – 42, 60486 Frankfurt am Main
Tel.: 069 79825102
9. MediClin Klinik für Akutsymptomatik
Reha Zentrum am Hahnberg
Ziergartenstraße 9, 34537 Bad Wildungen
Tel: 05621 7960
10. Wicker-Klinik Werner Wicker GmbH & Co. KG
Fürst-Friedrich-Straße 2 – 4, 34537 Bad Wildungen
Tel.: 05621 / 7920
11. Klinikum Fulda gAG - Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie
Pecielliallee 4, 36043 Fulda
Tel.: 0661 840
12. Klinik Hohe Mark
Friedländer Straße 2 – 10, 61440 Oberursel
Tel.: 06171 2040
13. Ludwig-Noll-Krankenhaus - Klinik für Psychiatrie und
Psychotherapie
Dennhäuser Straße 154 - 164, 34134 Kassel
Tel.: 0561 48040
Fachkliniken und Einrichtungen des OEG-Trauma-Netzwerkes
für Kinder und Jugendliche
14. Vitos Klinik Rehberg - Klinik für Kinder- und Jugend-
psychiatrie,
Psychosomatik und Psychotherapie
Austraße 40, 35745 Herborn
Tel.: 02772 5040
15. Vitos Kinder- und Jugendklinik für psychische Gesundheit Riedstadt[WV2]
Philippsanlage 101, 64560 Riedstadt
Tel.: 06158 183334
16. Vitos Klinik Rheinhöhe - Klinik für Kinder- und Jugend-
psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Kloster-Eberbach-Straße 4, 65346 Eltville
Tel.: 06123 6020
17. Goethe-Universität Frankfurt am Main - Klinik für Psychiatrie,
Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
Deutschordenstraße 50, 60528 Frankfurt am Main
Tel.: 069 / 63015920
18. Vitos Klinik Gießen-Marburg - Kinder- und Jugendpsychiatrie
Cappeler Str. 98, 35039 Marburg
Tel. 06421 / 404341
https://www.vitos.de/gesellschaften/vitos-giessen-marburg/einrichtungen/...
 

Hessen-Suche