Bagger und Kräne auf einer Groß-Baustelle.

Arbeitsschutz auf Baustellen

Lesedauer:10 Minuten

Kostengerecht, sicher und verantwortlich bauen - Arbeitsschutz auf Baustellen ist ein tragendes Element.

Bereits bei der Planung eines Bauvorhabens sind mögliche Gefährdungen für die Beschäftigten auf der Baustelle zu ermitteln und zu minimieren. Um eine sichere Bauausführung zu gewährleisten, müssen die jeweiligen Gewerke Gefährdungsbeurteilungen erstellen. Die sich daraus ergebenden Schutzmaßnahmen sind konsequent umzusetzen. Eine gute Koordination der Bauarbeiten und der notwendigen Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes ist der Schlüssel für eine sichere Ausführung des Bauvorhabens.

Doch nicht nur die Sicherheit profitiert von einer guten Koordination der Arbeiten. Auf einer gut organisierten Baustelle darf man auch eine hohe Arbeitszufriedenheit und eine gute Qualität der geleisteten Arbeit erwarten. Jeder Planer weiß, dass dies entscheidende Faktoren für einetermingerechte undkostengünstige Ausführung des Bauvorhabens sind.

Dementsprechend fordert die Baustellenverordnung dieBestellung von Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinatoren sowie dieErstellung eines Sicherheits- und Gesundheitsschutzplans (SiGePlan).Weitere wichtige Anforderungen der Baustellenverordnung sind die Baustellenvorankündigung unddie Erstellung einer Unterlage für spätere Arbeiten, die am Gebäudeerforderlich werden (z.B. Wartungs- und Reinigungsarbeiten). Die Notwendigkeit der Umsetzung dieser Bestimmungen richtet sichnach Art und Größe des Bauvorhabens.

Neben der Baustellenverordnung enthalten auch dasArbeitsschutzgesetz, die Arbeitsstättenverordnung und das Regelwerk der Bau-Berufsgenossenschaft wichtige Vorgaben für Bauherren, Planer und ausführende Unternehmen,die Baustellensicherheit dienen.

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Für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die regelmäßig Baustellenvorankündigungen tätigen, besteht die Möglichkeit einer vorherigen Online- RegistrierungÖffnet sich in einem neuen Fenster. Die Registrierung erspart Ihnen die wiederholte Eingabe von Grunddaten. Falls Sie das Online Verfahren nicht nutzen wollen steht Ihnenunter Downloads das Formular zur Vorankündigung einer Baustelle zur Verfügung.

Themen

Asbest ist schon seit vielen Jahren als krebserzeugender Gefahrstoff eingestuft. Wegen seiner thermischen Beständigkeit und seines Isoliervermögens war Asbest jedoch insbesondere in der Zeit von 1960 bis 1980 in vielen Baustoffen vorhanden. Diese wurden noch bis in die 90er Jahre bei Neubauten, aber auch bei Renovierungsarbeiten, eingesetzt. Bei allen Gebäuden, die vor dem 31. Oktober 1993 gebaut wurden, besteht grundsätzlich Asbestverdacht.

Zu unterscheiden sind asbesthaltige Produkte mit fester Faserbindung von solchen mit schwacher Faserbindung. Produkte mit fester Faserbindung sind insbesondere Asbestzementprodukte, die beispielsweise als ebene und gewellte Platten (z.B. auf Dächern oder an Fassaden) oder als Rohre (z.B. Abwasserrohre) in großem Umfang im Baubereich Verwendung fanden. Zu den Produkten mit schwacher Faserbindung zählen vor allem Spritzasbeste, aber auch Leichtbauplatten, Asbestpappen und Dichtungsschnüre, die für die Bereiche Brandschutz, Schallschutz sowie Wärme- und Feuchtigkeitsschutz eingesetzt wurden.

Da an den asbesthaltigen Baustoffen im Laufe der Zeit durch Alterung, Versprödung und mechanische Einflüsse eine Faserfreisetzung erfolgt, sind sie hochproblematisch. Dennoch gibt es in Deutschland keine Sanierungspflicht. Allerdings sind die Herstellung von asbesthaltigen Produkten sowie der Umgang damit seit vielen Jahren verboten. Erlaubt sind lediglich Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten (sogenannte ASI-Arbeiten).

Aber: Auch Instandhaltungsarbeiten, die zu einem Abtrag der Oberfläche von Asbest­produkten führen, wie z.B. Abschleifen, Fräsen, Druckreinigen, Abbürsten oder Bohren sind verboten, sofern diese Arbeiten nicht mit staatlich oder von den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung anerkannten emissionsarmen Verfahren durchgeführt werden. Auch das Überdecken und Überbauen von asbesthaltigen Produkten (z.B. durch die Montage von Photovoltaikanlagen auf asbesthaltigen Dacheindeckungen) ist nicht erlaubt. Diese Verbote gelten auch für Privatpersonen.

Firmen, die ASI-Arbeiten durchführen, müssen über sachkundiges Personal sowie entsprechende technische und persönliche Schutzausrüstung verfügen. Für Abbruch- und Sanierungsarbeiten mit schwach gebundenem Asbest müssen Firmen eine Zulassung besitzen, die in Hessen durch das Regierungspräsidium Kassel erteilt wird. Lediglich bei der Anwendung von anerkannten emissionsarmen Verfahren ist eine solche Zulassung nicht erforderlich.

Die Gefahrstoffverordnung sowie die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (insbesondere die TRGS 519) beschreiben die erforderlichen Schutzmaßnahmen sowie die Zulassung von Unternehmen für ASI-Arbeiten. Darüber hinaus regeln sie die Anzeigepflichten für die Durchführung der Arbeiten an die zuständige Behörde. In Hessen sind dies – je nach Örtlichkeit – die Regierungspräsidien in Darmstadt, Gießen oder Kassel.

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Für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die regelmäßig ASI-Arbeiten anzeigen, besteht die Möglichkeit einer vorherigen Online- RegistrierungÖffnet sich in einem neuen Fenster. Die Registrierung erspart Ihnen die wiederholte Eingabe von Grunddaten. Falls Sie das Online-Verfahren nicht nutzen möchten, stehen Ihnen unter Downloads Anzeige-Formulare sowie Informationen zu Asbestprodukten zur Verfügung.

Brandschadensanierung

Nach einem Gebäudebrand sind Aufräumarbeiten, ggf. Abbruch- und Entsorgungsmaßnahmen notwendig. Da sich durch die Brandeinwirkung häufig Stoffe mit gefährlichen Eigenschaften gebildet haben, sind umfangreiche Schutzmaßnahmen erforderlich. Für diese sogenannte Brandschadensanierung beschreibt die Gefahrstoffverordnung die notwendigen Gesundheitsschutz- und Sicherheitsmaßnahmen. Die konkreten Schritte zur Planung und Durchführung der Arbeiten sind in den VdS-Richtlinien zurBrandschadensanierung (VdS 2357) des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft e.V.beschrieben (siehe Downloads).

Altlastensanierung

Für diese sogenannte Altlastensanierung beschreibt die Gefahrstoffverordnung die notwendigen Gesundheitsschutz- und Sicherheitsmaßnahmen.

Von Altlastensanierungen spricht man beispielsweise, wenn gesundheitsgefährdende Stoffe von Grundstücken bzw. aus dem Erdreich entfernt und entsorgt werden müssen.

Schadstoffsanierung

Schadstoffbelastete Gebäude sind keine Seltenheit. Vor einem Umbau oder Abriss muss daher eine Bestandsaufnahme möglicher Schadstoffe in der Bausubstanz erfolgen. Weit verbreitete Schadstoffe sind:

  • Asbest, z.B. in Dachbelägen, Fassadenverkleidungen, Fußbodenbelägen, Isolierungen, Klebern, Dichtungen
  • Schwermetalle, z.B. in Farben und Lacken, Fehlbodenschüttungen, verschmutzten Industrieböden
  • Polychlorierte Biphenyle (PCB), z.B. in Dichtmassen, Ölfarben, Deckenanstrichen und Deckenplatten
  • Teeröle, z.B. in Schwarzanstrichen, Schweißbahnen, Teerpappe, Teerkork, Klebern
  • Künstliche Mineralfasern (KMF), z.B. in Steinwolle, Glaswolle, Isoliermaterialien
  • Pentachlorphenol (PCP) und Lindan, z.B. in Holzschutzmitteln und behandeltem Holz
  • Schimmelpilz, der z.B. in feuchten und schlecht belüfteten Kellerräumen auftreten kann.

Unter der Schadstoffsanierung versteht man die Entfernung dieser Stoffe und Materialien aus Gebäuden. Dabei ist eine besondere Sorgfalt geboten. Denn bei unsachgemäßem Umgang mit Schadstoffen drohen neben Gesundheits- und Umweltschäden auch empfindliche Strafen. Firmen, die Schadstoffsanierungen durchführen, müssen daher über sachkundiges Personal und eine entsprechende Ausrüstung verfügen.

Maßgebende Vorschriften zur Festlegung von Schutzmaßnahmen bei Schadstoffsanierungsarbeiten sinddie Gefahrstoffverordnung und die Biostoffverordnung sowie spezielle Technische Regeln.Die Hessischen Regierungspräsidien überwachendie Schadstoffsanierung und -entsorgung. Bei Fragenzu diesen Themen finden Siehier auchkompetente Ansprechpartner.

Bei Baumaßnahmen kann es vorkommen, dass kampfmittelverdächtige Gegenstände freigelegt werden. Hierbei handelt es sich nicht selten um Bombenblindgänger.

Wer Munition oder kampfmittelverdächtige Gegenstände findet oder entdeckt, hat daher bereits im eigenen Interesse folgende Verhaltensregeln zu beachten:

  • Kampfmittel bzw. munitionsverdächtige Gegenstände dürfen niemals bewegt oder aufgenommen werden.

  • Die Identifizierung und weitere Behandlung verdächtiger Gegenstände muss den fachkundigen Mitarbeitern des Kampfmittelräumdienstes des Landes Hessen überlassen werden.

Zu diesem Zweck ist umgehend die örtliche Ordnungsbehörde oder Polizeidienststelle zu benachrichtigen. Diese verständigen sofort den Kampfmittelräumdienst des Landes Hessen.

Dieserwird zentral vom Regierungspräsidium Darmstadt wahrgenommen. Auf der Internetseite des Kampfmittelräumdienstes finden Sieweitere Informationen zu diesem Thema.