Gießen/Frankfurt. Der Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießen hat immer alle Hände voll zu tun – und ganz besonders in den Wochen vor dem Valentinstag am 14. Februar. Am Frankfurter Flughafen kommen Unmengen an Schnittblumen an. Rosen aus Kenia oder Kolumbien, Lilien aus Ecuador, dazu Bindegrün. Das bedeutet: Großeinsatz für Andreas Scharnhorst, den Leiter der Grenzkontrollstelle am Flughafen, und seine Kolleginnen und Kollegen. Die 16 Beschäftigten des Regierungspräsidiums Gießen nehmen das ganze Jahr über direkt am Flughafen die Importe von Blumen, Obst und Gemüse aus Drittländern im wahrsten Sinne des Wortes unter die Lupe. Das geschieht entweder stichprobenartig oder sogar bei jeder Sendung.
Pflanzen können von Schädlingen befallen sein
Jetzt, kurz vor dem Valentinstag, ist Hochsaison. Was die Blumen angeht, führen Rosen weiterhin die Beliebtheitsskala an. Sie unterliegen der Beschaupflicht. Das heißt: Jede Sendung wird kontrolliert. Und von denen gibt es aktuell besonders viele. So wurden in den vergangenen zwei Wochen über 19 Millionen Rosen via Flughafen Frankfurt eingeführt. Begleitend hierzu steigt die Abfertigung von Schnittgrün an. „Kurz vor dem 14. Februar schnellen die Importzahlen für die Rosen in die Höhe“, erklärt Andreas Scharnhorst. Hauptanbauländer sind Kenia, Ecuador und Äthiopien und Uganda. Aber auch Tansania und Kolumbien exportieren die „Königin der Blumen“. „Für uns bedeutet dies eine Mehrzahl an Kontrollen bei der Ankunft der Schnittblumen und natürlich auch ein entsprechendes Arbeitsaufkommen bei der Überprüfung der Pflanzengesundheitszeugnisse und sonstiger Dokumente“, erläutert Andreas Scharnhorst weiter.
Doch warum wird überhaupt kontrolliert? „Pflanzliche Produkte wie Obst und Gemüse, aber eben auch Schnittblumen aus dem außereuropäischen Raum können mit Pflanzenschädlingen befallen sein“, sagt Experte Scharnhorst. Diese haben hierzulande oft keine natürlichen Fressfeinde und können sich daher mühelos ausbreiten. Wenn dies geschieht, können sie schnell zu einem Problem für die hiesige Pflanzenwelt werden.
Bei den Pflanzenschädlingen stehen besonders der „Heerwurm“ (Spodoptera frugiperda) und der Zitruswickler (Thaumatotibia leucotreta) im Fokus. Diese können durch ihr massenhaftes Auftreten große Schäden verursachen, dazu befallen sie noch sehr viele Pflanzenarten, was eine zusätzliche Gefahr birgt. Im vergangenen Jahr wurden EU-weit bei über 100 Importsendungen mit Rosenschnittblumen ein Befall mit diesen Schädlingen festgestellt. Darüber hinaus hat die EU-Kommission spezielle Regularien erlassen, die die Einschleppung dieser Schädlinge verhindern sollen.
Beschäftigte halten Ausschau nach Würmern, Thripsen oder Käfern
An weiteren Beispielen für Schaderreger, die ihren Weg über den Import pflanzlicher Güter gefunden haben, mangelt es nicht. Das Feuerbrandbakterium Xylella fastidiosa sorgt in Italien und Spanien für große Probleme. Aber auch der Asiatische Laubholzbockkäfer, einst mit unbehandeltem Verpackungsholz „eingereist“, ist mittlerweile als gefräßiger und schwierig zu bekämpfender Schädling in einigen Ländern der Union bekannt. Um dieses Risiko schädlicher sogenannter „Beifracht“ zu minimieren, werden alle pflanzlichen Waren vom Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießen untersucht. Die Beschäftigten halten beispielsweise Ausschau nach Würmern, Thripsen oder Käfern, ebenso nach Stellen, die durch Mehltau oder Rost geschädigt sind oder durch pflanzenschädigende Viren Verfärbungen aufweisen.
Zum Glück werden sie nicht oft fündig. Dies zeigt, dass das EU-Pflanzengesundheitssystem und dessen Importkontrollen schon in den Exportländern dazu führen, nur ‚saubere‘ Pflanzen zu senden. „Das fängt schon in den Herkunftsländern an“, weiß Andreas Scharnhorst, der bereits eine Rosenfarm in Kenia besucht hat. In den dortigen riesigen Gewächshäusern gibt es beispielsweise Klebefallen, die regelmäßig inspiziert werden. Gegebenenfalls werden die Pflanzen behandelt, bevor sie abgeschnitten, verpackt und gut gekühlt per Flugzeug oder Schiff in andere Länder gebracht werden – und den Beschenkten nicht nur zum Valentinstag eine Freude machen.