(3)	Ministerpräsident Boris Rhein, Staatssekretär und künftiger Regierungspräsident Martin Rößler, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich und der hessische Innenminister Prof. Roman Poseck.

Regierungspräsidium Gießen

„Behördenleiter, Krisenmanager und Vermittler - und ein Regierungspräsident mit Haltung“

Ministerpräsident Boris Rhein verabschiedet Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich in der Uni-Aula der Justus-Liebig-Universität Gießen – Nachfolger Martin Rößler beginnt als Regierungspräsident am 1. November

Gießen. Elf Jahre und 28 Tage war Dr. Christoph Ullrich der Regierungspräsident des Regierungspräsidiums Gießen. So lange wie kein Vorgänger vor ihm. Zum altersbedingten Ende seiner Dienstzeit verabschiedeten ihn über 300 Gäste in der Uni-Aula der Justus-Liebig-Universität Gießen. Als Festredner zog Ministerpräsident Boris Rhein eine Bilanz der „elf sehr prägenden Jahre“. Moderiert wurde die Veranstaltung von Jens Ihle vom Regionalmanagement Mittelhessen und musikalisch begleitet von der LieBigBand der Liebigschule.

Die Wertschätzung für den scheidenden Regierungspräsident, aber auch den Mensch Christoph Ullrich zeigte sich an den vielen Zusagen aus verschiedensten gesellschaftlichen Sphären. RP-Abteilungsleiter Manfred Becker hatte die schwierige Aufgabe der protokollarischen Begrüßung der 300 Gäste übernommen. Dazu zählten unter anderem der hessische Innenminister Prof. Roman Poseck, Staatssekretäre, vier ehemalige Regierungspräsidenten, Bürger- und Oberbürgermeister, Landräte, Land- und Bundestagsabgeordnete, Gerichts- und Polizeipräsidenten.

Ministerpräsident Boris Rhein lobte in seiner Rede vor der Übergabe der Ruhestandsurkunde: „Dr. Christoph Ullrich hat das Regierungspräsidium Gießen elf Jahre lang durch Verlässlichkeit in der Krise, Klarheit in den Verfahren und Augenmaß bei der Entwicklung der Region geführt.“ Gerade in der Flüchtlingskrise habe er in seiner Funktion Verantwortung übernommen und gezeigt, „dass Humanität und Ordnung keine Gegensätze sind“. Und weiter: „Dr. Christoph Ullrich war als Jurist Behördenleiter, Krisenmanager und Vermittler – und ein Regierungspräsident mit Haltung. Für sein herausragendes Engagement gebühren ihm und dem Regierungspräsidium Dank und Anerkennung.“

Die Personalratsvorsitzende Sandra Jost sprach für die über 1500 Beschäftigten im Regierungspräsidium: „Wenn wir auf Ihre Amtszeit zurückblicken, zeigt sich ein Bild, das mir auch intern bestätigt wurde: Sie sind bodenständig geblieben, waren ansprechbar und haben nach Lösungen gesucht, statt sich in Problemen zu verlieren.“ Seine Tür habe immer offen gestanden. „Sie haben sich auch für die Menschen hinter den Aufgaben interessiert.“ Persönliche Karten zu unterschiedlichen Anlässen und kleine Gesten hätten gezeigt, „dass Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur als Beschäftigte wahrgenommen haben“.

Für die Kommunen sprach Manfred Wagner, Oberbürgermeister der Stadt Wetzlar: „Ich schätze das Agieren auf Augenhöhe und seine optimistische Art, die es mehr denn je braucht, denn trotz aller Herausforderungen ist das berühmte Glas mindestens halbvoll und eben nicht halbleer.“ Dr. Ullrich habe das Amt des Regierungspräsidenten mit großem Engagement ausgeübt und mit der kommunalen Familie Verantwortung für die Weiterentwicklung und Zukunftsfähigkeit Mittelhessens als einem starken Teil unseres Bundeslandes übernommen. „Dafür bildet der zum Abschluss seiner Amtszeit von der Regionalversammlung beschlossene Regionalplan eine sehr gute Grundlage.“

Eberhard Flammer, Gründungspräsident des Industrie- und Handelskammertages, legte seinen Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Perspektive als Schlüsselfaktor für öffentlichen Wohlstand: „Ich danke RP Dr. Christoph Ullrich und seinem Haus aufrichtig als stets zukunftsgerichtete Ermöglicher und Dienstleister. Ganz große Anerkennung für eine großartige Zeit der Zusammenarbeit.“ Und mit mittelhessischem Tonfall: „Was machen wir dann ohne Sie: immer ansprechbar und positiv mit einer Prise Humor?“ Es hätten einige Stunden mit Reden zusammenkommen können. Damit Menschen aus verschiedenen Phasen seines Berufslebens zu Wort kommen konnte, grüßten 20 Wegbegleiter per Video, das zusammengeschnitten den Übergang zur Dankesrede des scheidenden Regierungspräsidenten bildete.

Dr. Christoph Ullrich zitierte zu Beginn den Apple-Gründer Steve Jobs: „Der einzige Weg, großartige Arbeit zu leisten, ist zu lieben, was man tut.“ In dem Sinne dankte er dem damaligen und auch bei der Verabschiedung anwesenden Ministerpräsident Volker Bouffier für das Vertrauen, das der ihm in 2015 entgegengebracht hatte. Seitdem habe er als Regierungspräsident ein Motto geprägt und gelebt: „Für die Menschen, für die Wirtschaft, für die Region“. Dazu griff er einen Gedanken aus der Rede von Ministerpräsident Rhein auf: „Staat muss funktionieren und wir müssen den Bürgerinnen und Bürgern vermitteln, dass er funktioniert.“ Dabei erinnerte RP Ullrich an die Herausforderungen seiner elfjährigen Amtszeit: Die hohen Flüchtlingszahlen zu Beginn seiner Amtszeit, die Corona-Pandemie, der Lückenschluss der A49 oder auch der Ausbruch des Ukraine-Kriegs, als fast 60.000 Menschen aus der Ukraine in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen aufgenommen wurden. „Es war mir eine Ehre, an führender Stelle daran mitzuwirken.“ Und er betonte: „Staat hat da funktioniert.“ Das gelte es immer wieder aufzuzeigen, um den extremen Strömungen von links und rechts inhaltlich entgegenzutreten. Mit Blick in Richtung des im November startenden neuen Regierungspräsidenten sagte er: „Herzlich willkommen: alles Gute hier im Regierungspräsidium.“

Martin Rößler selbst dankte seinem Vorgänger „für sieben Jahre gute Zusammenarbeit, gemeinsam ist es uns gelungen, etwas für die Region zu tun“. Denn: Vor seiner Tätigkeit als Staatssekretär im Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz war er Regierungsvizepräsident an der Seite von Christoph Ullrich. Zugleich richtete er einen Dank an Ministerpräsident Rhein für das erneut ausgesprochene Vertrauen, ihm diese große Behörde in seine Hände zu legen. „Die Aufgabe als Rückgrat dieser Verwaltung nehme ich gerne an“, sagte er. Und in Richtung der RP-Belegschaft sagte er augenzwinkernd: „In den vergangenen drei Jahren bin ich geblieben, wie ich bin. Ich hoffe, das schreckt sie nicht.“

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Oliver Keßler

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