Gießen. Ein Podcast, eine fiktive Zeitung, Märchen, Gedichte Kurzgeschichten, Zeichnungen bis hin zu Kunstausstellungen: „Das Ganze ist mehr als eine Preisverleihung, es ist ein Fest des europäischen Gedankens.“ Damit meint Laudator und Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich die regionale Preisverleihung des 73. Europäischen Wettbewerbs. Rund 60 Jungen und Mädchen sind mit ihren Lehrkräften in den Hauptsitz des Regierungspräsidiums Gießen gekommen, um ihre Urkunden und bei herausragenden Leistungen auch Büchergutscheine entgegenzunehmen. Das Motto lautete diesmal „Dein Europa: Recht, Respekt – Realität?!“.
„Dieser Wettbewerb zeigt, dass junge Menschen bereit sind, sich für Europa zu engagieren, ich danke Ihnen dafür und gratuliere zu Ihrem Preis“, sagte Regierungspräsident Ullrich. Die Preisträgerinnen und Preisträger kommen von der Liebigschule Gießen, der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar, der Gallus-Schule und der Theo-Koch-Schule in Grünberg (alle: Landkreis Gießen), von der Alexander-von-Humboldt-Schule in Lauterbach (Vogelsbergkreis) und von der Gesamtschule Solms (Lahn-Dill-Kreis). Acht Kinder der Liebig-Schule und der Clemens-Brentano-Europa-Schule erhielten einen Landespreis der Kategorie LP1 als höchste Auszeichnung.
Eigene Vorstellungen entwickeln
Als ältester Schülerwettbewerb Deutschlands ist der Europäische Wettbewerb seit über 70 Jahren ein zentrales Instrument für politische Bildung in Schulen. In Hessen hatten in diesem Jahr rund 6.500 Schülerinnen und Schüler ihre Beiträge eingereicht, die sich in bemerkenswerter Kreativität und Ernsthaftigkeit mit dem Motto auseinandersetzten. Eine Landesjury aus 20 Lehrkräften sichtete die Arbeiten in Text, Medien, Kunst und wählte die besten aus. „Der Europäische Wettbewerb zeigt auch in diesem Jahr eindrucksvoll, dass politische Bildung mehr ist als die Vermittlung von Fakten.“
Wie erleben junge Menschen ihre Rechte? Wo erfahren sie Respekt? Und wo sehen sie Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit? Diese Fragen berühren zentrale Werte Europas: Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung und Rechtsstaatlichkeit. Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen ist es wichtig, sich mit diesen Grundlagen auseinanderzusetzen und eigene Vorstellungen von einem gerechten und respektvollen Miteinander zu entwickeln.
Der Europäische Wettbewerb bietet einen Raum, diese Fragen altersgerecht, kritisch und kreativ zu erkunden. Viele haben sich mit Kinder- und Menschenrechten beschäftigt, mit Respekt im Alltag, mit Freiheit, Teilhabe und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Dabei sind ganz unterschiedliche und kreative Beiträge entstanden. Diese Vielfalt ist kein Zufall. Sie spiegelt genau das wider, was Europa ausmacht, wie RP Ullrich betont: „Unterschiedliche Perspektiven, unterschiedliche Erfahrungen und unterschiedliche Talente, die gemeinsam ein großes Ganzes bilden.“ Oder, um das europäische Motto zu zitieren: In Vielfalt geeint.
Dank an engagierte Lehrkräfte
„Europa lebt nicht von Vorträgen und Institutionen, sondern von den Menschen, die Europa gestalten“, ermutigte der Regierungspräsident die Kinder und Jugendlichen, sich auch in Zukunft für das die europäische Idee stark zu machen. Als Motivation für ein Engagement nannte er: „Europa ist für Frieden, Freiheit und Wohlstand ein Garant.“ Einen besonderen Dank richtete Dr. Christoph Ullrich an die engagierten Lehrkräfte der teilnehmenden Schulen. Eine Urkunde für den besonderen Erfolg ihrer Schülerinnen und Schüler erhielt die Lehrerin Kirsten Quass von der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Mittelstufenchor der Liebigschule in Gießen.