Gießen/Wetzlar. „Die große Runde zeigt, dass unser traditionelles Jahresgespräch Widerhall findet. Wir freuen uns immer über den Austausch, egal ob hier in Wetzlar oder wie kürzlich bei der Grünen Woche in Berlin.“ Mit diesen Worten begrüßte der Gießener Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Jahresgesprächs mit der Landwirtschaft in Mittelhessen. Wie gewohnt hatten die Vertreterinnen und Vertreter des Hessischen Bauernverbandes, der Kreisbauernverbände im Regierungsbezirk und Kreislandwirte sowie der Ämter für den ländlichen Raum im Vorfeld Themen angemeldet, zu denen neben Regierungspräsident Ullrich Fachleute der Behörde Rede und Antwort standen. Erneut wurde die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen, rege genutzt, worüber sich auch Abteilungsleiterin Sonja Heckrodt freute. Dabei ging es beispielsweise um Themen wie die Afrikanische Schweinepest, den Regionalplan und die Biber in Mittelhessen.
In Sachen Regionalplan erfuhren die knapp 20 Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaft von RP-Mitarbeiter Stefan Uhlenkotte (Dezernat Regionalplanung, Bauleitplanung), dass bei der zweiten Beteiligung rund 370 Stellungnahmen eingereicht wurden. Die Änderungen am Entwurf des Regionalplans, die sich daraus bisher ergeben haben, müssen aber voraussichtlich nicht noch einmal offengelegt werden. „Ziel ist, den Entwurf noch in dieser Legislaturperiode der Regionalversammlung zu verabschieden“, erklärte Dr. Christoph Ullrich. Das wird voraussichtlich Ende September sein. Im Anschluss muss auch noch die Landesregierung ihr Einverständnis geben.
„Tierseuchen näher, als uns allen lieb ist“
Erläutert wurde auch das Procedere bei der Zulassung landwirtschaftlicher Fahrzeuge mit Überbreite. Durch die Auflösung der hessischen Bündelungsbehörde zum Jahresbeginn und des damit verbundenen Wegfallens eines zusätzlichen Behördengangs wurde das Verfahren etwas erleichtert. Die Betriebserlaubnis wird seitdem von der Zulassungsstelle vor Ort erteilt. Hier wie auch bei der Beantragung von Ausnahmegenehmigungen appellierte RP-Mitarbeiter Benjamin Schmidt vom Verkehrsdezernat, die Unterlagen möglichst frühzeitig – gerne direkt nach dem Kauf – und vollständig einzureichen. Die Bearbeitungszeit liege dann in der Regel bei wenigen Tagen und maximal zwei Wochen. Bei einer Breite der Fahrzeuge von mehr als drei Metern ist zusätzlich eine Erlaubnis von Hessen Mobil notwendig. In jedem Fall sei das Verfahren gesetzlich vorgegeben und eine sorgfältige Einzelprüfung erforderlich, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, betonte er.
„Die Tierseuchen sind uns näher, als uns allen lieb ist.“ Mit diesen Worten leitete Regierungspräsident Ullrich zum nächsten Thema über. „Die Lage ist bei der Afrikanischen Schweinepest und der Vogelgrippe sehr dynamisch“, erklärte RP-Mitarbeiterin Dr. Alena Alsen vom Dezernat für Veterinärwesen und Verbraucherschutz. Gab es bei der Afrikanischen Schweinepest im Vorjahr noch ein Geschehen, sind es jetzt zwei, die Hessen betreffen. In Südhessen wurden seit dem ersten Fund 2024 bislang mehr als 2.300 positiv getestete Wildschweine registriert. Aktuell werden hier pro Woche wenige bis keine Kadaver gefunden. „Aber wir dürfen uns nicht in Sicherheit wähnen“, betonte Dr. Alena Alsen. Daher laufen die Schutzmaßnahmen mit festen Zäunen, der gezielten Suche nach Fallwild und einer verstärkten Bejagung weiter. Betroffen von einer Sperrzone ist jetzt auch ein Teil des Landkreises Marburg-Biedenkopf, nachdem im Februar ein infizierter Frischling in Nordrhein-Westfalen, nur sechs Kilometer von der hessischen Landesgrenze entfernt, erlegt worden war.
Neue Biber-Billigkeitsrichtlinie
Was die Vogelgrippe angeht, so gibt es seit Oktober 2025 einen starken Anstieg der Fallzahlen in Europa, verdeutlichte Dr. Alena Alsen. Inzwischen trete die Vogelgrippe nicht mehr nur saisonal, sondern ganzjährig auf. Aktuell wurde die Vogelgrippe im Regierungsbezirk Gießen seit Oktober bei rund 150 Wildvögeln nachgewiesen. Waren im Herbst noch hauptsächlich Kraniche betroffen, so waren es im Februar vor allem Wasser- und Greifvögel. „Der Schutz unseres Geflügels hat nach wie vor oberste Priorität“, betonte Dr. Alena Alsen. Ein weiteres Thema, über das Anne Willig vom Dezernat Pflanzenschutzdienst informierte, war die Bekämpfung von Schadnagern, da alle Betriebe, die hierfür Biozide einsetzen, ab Ende Juli 2027 eine entsprechende Sachkunde nach Gefahrstoffrecht nachweisen müssen. In der Diskussion war dabei auch der Umfang der dazugehörigen Schulung.
RP-Mitarbeiter und Bibermanager Sebastian Weller informierte über die neue Biber-Billigkeitsrichtlinie. Sie ermöglicht in bestimmten Fällen Ausgleichszahlungen des Landes für Schäden, die Biber beispielsweise an landwirtschaftlichen Flächen verursacht haben. „Sie gilt allerdings nicht für Sach- oder Personenschäden und ist als freiwillige Leistung des Landes ohne Rechtsanspruch zu verstehen. Zudem müssen nach einer Zahlung Präventivmaßnahmen ergriffen werden, um erneute Leistungen beantragen zu können“, erklärte Sebastian Weller. Er setzt bei Konflikten auch weiterhin auf einen konstruktiven Austausch. „Wir haben bislang immer Lösungen gefunden“, betonte er. Im Regierungsbezirk Gießen gibt es aktuell rund 175 Biberreviere, 110 alleine im Vogelsbergkreis.
Abschließend ging es noch um den geplanten Rhein-Main-Link. Hier wird das Regierungspräsidium im Zuge des Genehmigungsverfahrens Stellungnahmen abgeben, wie RP-Mitarbeiter Henning Brenner sagte. Zudem wird die Behörde die Bauarbeiten begleiten und auch weiterhin im Austausch mit den Vertreterinnen und Vertretern der Landwirtschaft stehen.