Gießen. Das Frühstücksei am Sonntag, die Nudeln zum Mittagessen, der Kuchen am Nachmittag: Eier sind beliebt und in ganz vielen Lebensmitteln enthalten, die wir täglich zu uns nehmen. In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 252 Eiern im Jahr. Gut, dass es genug Nachschub gibt. Der kommt in Hessen von mehr als 450 Betrieben, die ihre Eier im Handel anbieten. Hinzu kommen private Haltungen. „Es gibt außerdem viele weitere Legehennenbetriebe, die nicht registrierungspflichtig sind, da sie weniger als 350 Tiere haben und die Eier lose an Endverbraucher abgeben“, berichtet Dr. Katharina Fleck vom Dezernat für Qualitätssicherung für Futtermittel und tierische Erzeugnisse des Regierungspräsidiums Gießen. Warum sie das so genau weiß? Ganz einfach: Die Beschäftigten des Regierungspräsidiums registrieren hessenweit die Legehennen und lassen auch die Packstellen zu, in denen die Eier sortiert und verpackt werden.
Die nackten Zahlen sagen aber noch nichts über die Herkunft aus. Legehennen sind dabei längst nicht mehr nur in klassischen Ställen anzutreffen. Mobile Hühnerställe liegen seit einiger Zeit voll im Trend. Der auf einer Wiese an der Landstraße abgestellte Hühnerstall auf Rädern ist längst ein gewohnter Anblick. Deshalb werden auch immer mehr Legehennen auf diese Art und Weise gehalten. „In den vergangenen Jahren gab es in diesem Bereich eine Vielzahl von Neuregistrierungen, sodass in Hessen derzeit fast 299.000 Legehennen in Mobilställen gehalten werden“, erläutert Dr. Katharina Fleck passend zum Welt-Ei-Tag am Freitag, 9. Oktober. Das entspreche in der Regel der zunehmenden Freiland- oder der ökologischen Haltung.
Beim Regierungspräsidium Gießen kann genau aufschlüsselt werden, wie viele Hennen wie leben. Derzeit gibt es in Hessen alles in allem fast zwei Millionen registrierte Legehennen (1.914.129), die auf verschiedene Arten gehalten werden. Jeder Stall erhält durch die Behörde einen individuellen Erzeugercode, mit dem die Eier gestempelt werden. Die meisten Tiere, insgesamt etwas über eine Million (1.030.823), legen ihre Eier in Bodenhaltung. Das ist erkennbar an der „2“ zu Beginn des gestempelten Erzeugercodes. Steht davor eine „1“, dann handelt es sich um Freilandhaltung, bei der den 444.614 registrierten Hennen in Hessen zusätzlich zum Stall einen Auslauf zur Verfügung haben.
Farbe der Schale genetisch bedingt
435.919 Hennen werden ökologisch gehalten. „Die Hennen haben hier unter anderem mehr Platz im Stall und bekommen ökologisch erzeugtes Futter“, erklärt RP-Mitarbeiterin Fleck weiter. Dann sind die Eier mit einer „0“ an der ersten Stelle des Erzeugercodes bedruckt. Eier aus Kleingruppenhaltung, einer Spezialform der Käfighaltung, sind an der „3“ als erste Ziffer des Erzeugercodes auf dem Ei zu erkennen. Die Kleingruppenhaltung hat die seit 2012 in der EU verbotene konventionelle Käfighaltung ersetzt.
Bei hessischen Eiern wird man diese Kennzeichnung nicht mehr finden. Denn in Deutschland durfte diese Haltungsform nur noch bis Ende 2025 betrieben werden. In den meisten anderen EU-Mitgliedstaaten ist sie hingegen weiterhin erlaubt. Und Deutschland deckt seinen Eierbedarf nur zu gut 70 Prozent selbst. Entsprechend finden sich Eier aus Kleingruppenhaltung, gerade in verarbeiteten Produkten, noch immer auf dem deutschen Küchentisch. Interessant zu wissen ist in diesem Zusammenhang auch: Das Töten männlicher Küken ist in Deutschland zwar verboten, nicht jedoch in allen anderen EU-Staaten.
Der Stempel gibt aber nicht nur Aufschluss darüber, wie die Hennen leben. Er gewährleistet, dass jedes einzelne Ei zurückverfolgt werden kann. Denn der Ziffer für die Haltungsform folgen das Länderkürzel („DE“), das Kürzel des Bundeslandes – Hessen hat die Nummer „06“ – sowie die individuelle Betriebs- und Stallnummer.
Wussten Sie eigentlich, dass die Farbe der Eischale genetisch bedingt ist? Dabei hängt sie nicht, wie oft vermutet, mit der Gefiederfarbe zusammen. So gibt es weiße Hühner, die braune Eier legen und braune Hühner, die weiße Eier legen. Außen an der Ohrscheibe des Huhns ist zu erkennen, ob es weiße oder braune Eier legt. Dabei gilt folgende Faustregel, die fast immer zutrifft: Hennen mit weißer Ohrscheibe legen weiße Eier und solche mit roter Ohrscheibe braune Eier. Es macht also durchaus Sinn, sich mit dem Wunder „Ei“ nicht nur am Welt-Ei-Tag ein wenig zu beschäftigen.