Grebenau-Wallersdorf. „Aus naturschutzfachlicher Sicht ist es ein Traum, was sich hier entwickeln kann.“ Sebastian Weller, Bibermanager des Regierungspräsidiums Gießen, steht die Begeisterung ins Gesicht geschrieben, als er auf die Teichanlage Wallersdorf im Vogelsbergkreis blickt. Vögel zwitschern ununterbrochen und fliegen umher, Frösche quaken, eine Gänsefamilie schwimmt im Wasser und ein Graureiher stakst herum. Was sich rund um die Anlage sowie unter der Wasseroberfläche tummelt, lässt sich nur erahnen. Aber fest steht: „Die Teichanlage ist ein extrem wertvoller Lebensraum geworden, in dem sich nicht nur heimische Tiere, sondern auch sehr selten gewordene Arten wohlfühlen“, betont Weller. Wie das gekommen ist und dass dafür kein geringerer als der Biber verantwortlich ist, darüber informiert seit neuestem eine Hinweistafel. Der Gießener Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Grebenaus Bürgermeister Lars Wicke und Bibermanager Sebastian Weller packten gerne an, als es darum ging, die Tafel aufzuhängen.
Biber lebt seit 2023 hier
Früher war die Anlage in Privatbesitz. Im Jahr 2023 zog der Biber hier ein. „Der Biber ist dem Menschen sehr ähnlich, er verändert seinen Lebensraum nach seinen Bedürfnissen“, merkte Bürgermeister Wicke an. Das gefällt aber nicht jedem. Doch anstatt zu versuchen, ihn zu vergrämen, wandte sich der Eigentümer damals an Sebastian Weller. „Schon bald wurde der Biber sehr aktiv“, erinnert er sich. Eine Lösung musste her, da schnell auch die umliegenden Flächen beeinträchtigt waren. Und diese Lösung bestand im Fall der Teichanlage daraus, dass das Land die gesamte Anlage aus Mitteln der hessischen Biodiversitätsstrategie erworben hat. Derzeit werden außerdem benachbarte Flächen angekauft. So kann sich der Biber, inzwischen wahrscheinlich eine Familie, austoben – und die Natur und andere Tiere, darunter viele seltene Arten, profitieren davon.
„Seit 2018 hat sich der Biber in Grebenau wieder angesiedelt. Er ist gekommen, um zu bleiben. Das geht nicht konfliktfrei. Die Population ist inzwischen auf über 30 Tiere angewachsen. Wir setzen uns gemeinsam für eine ‚friedliche Koexistenz‘ zwischen Grundeigentümern und Baumeister Biber ein“, betonte Arno Eifert.