Gießen. Abstürze haben einen hohen Anteil in der Statistik der Arbeitsunfälle in Deutschland, häufig auch mit tödlichen oder schweren Verläufen. In diesem Jahr fanden bereits zwei Aktionswochen zum Thema Absturzsicherung statt. Dabei ging es um Arbeiten auf Gerüsten und Tätigkeiten auf Dächern. „In der dritten Aktionswoche nehmen unsere Arbeitsschutz-Expertinnen und -Experten in den drei hessischen Regierungspräsidien die Absturzgefährdung an Laderampen und an großen Fahrzeugen unter die Lupe“, teilt der neue Gießener Regierungspräsident Martin Rößler mit.
Laderampen sind für die Warenlogistik unverzichtbar und daher in vielen Betrieben anzutreffen. Sie weisen besondere Absturzrisiken auf, etwa durch ungesicherte Kanten oder fehlende Absperrungen. Die Absturzsicherung an Laderampen ist daher unerlässlich. „Auch Abstürze aus relativ geringen Höhen bergen ein hohes Verletzungsrisiko in sich. Häufig sind dabei schwere Kopfverletzungen zu verzeichnen“, erläutern Holger Lehnhardt und Betina Schuch vom Regierungspräsidium Gießen, die die Aktionswoche in Hessen fachlich koordinieren.
Hektik eine häufige Ursache für Unfälle
Weiterhin betrachten die Arbeitsschützerinnen und Arbeitsschützer im Rahmen der Aktion die Absturzgefährdung an großen Fahrzeugen. Denn insbesondere beim Auf- und Absteigen an Lkw, Baumaschinen oder landwirtschaftlichen Fahrzeugen passieren immer wieder Arbeitsunfälle. Häufige Ursachen sind hier Hektik bei der Arbeit, ungeeignete Trittflächen oder fehlende Haltegriffe.
„Wir sehen uns die Arbeiten direkt vor Ort in den Betrieben an, zum Beispiel, ob nicht genutzte Bereiche von Laderampen oder Treppen mit Geländern gesichert sind“, erklärt Arbeitsschutzexperte Holger Lehnhardt. „Es interessiert uns auch, ob die Beschäftigten gut über die Schutzmaßnahmen informiert sind. Deshalb kontrollieren wir, ob Sicherheitsunterweisungen für Ladevorgänge an Rampen stattgefunden haben und auch beherzigt werden“, kündigt Lehnhardt an.
„Bei den großen Fahrzeugen schauen wir uns in erster Linie die Trittstufen, Haltegriffe und Standflächen an. Es kommt häufiger vor, dass diese defekt oder komplett verschmutzt sind oder manchmal auch einfach fehlen. Wir lassen uns von den Fahrzeugführern zeigen, wie sie auf- und absteigen, und kontrollieren, ob dies gefahrlos möglich ist“, sagt Holger Lehnhardt.
Gefährdung im Blick behalten
Vom 9. bis 13. November müssen Unternehmen mit Laderampen oder großen Fahrzeugen in ganz Hessen mit einem Besuch der Arbeitsschutzbehörden rechnen. In Mittelhessen werden die Aufsichtskräfte der beiden Arbeitsschutzdezernate in Gießen und des Arbeitsschutzdezernats in Hadamar die Kontrollen durchführen. Dabei werden auch Gespräche mit den Verantwortlichen in den Unternehmen geführt. Denn es gehört zu den Aufgaben von Arbeitgebern und Führungskräften, die Absturzgefährdung im Blick zu behalten und für entsprechende Schutzmaßnahmen zu sorgen.
„Absturzunfälle verursachen menschliches Leid. Zudem entstehen oft hohe Kosten für die Heilbehandlung von Verunfallten. Das alles ist vermeidbar, wenn die richtigen Schutzmaßnahmen getroffen werden und auf deren Wirksamkeit geachtet wird“, betont Regierungspräsident Martin Rößler abschließend.
Auch die dritte Aktionswoche zur Thematik Absturzgefährdung findet im Rahmen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) statt, die vom Bund, den Ländern und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung getragen wird. Weitere Informationen zum Thema Arbeitsschutz sowie die Ansprechpartner beim Regierungspräsidium Gießen finden sich auf https://rp-giessen.hessen.de/arbeits-und-verbraucherschutz.