Gießen/Butzbach. Wie lässt sich der Schienengüterverkehr in der Region stärken und nachhaltig weiterentwickeln? Diese Frage stand im Mittelpunkt des jüngsten Netzwerktreffens Schienengüterverkehr, das das Regierungspräsidium Gießen und der Regionalverband FrankfurtRheinMain gemeinsam in der neuen Werkstatthalle der Hessischen Landesbahn (HLB) in Butzbach veranstalteten. Die kürzlich eröffnete Halle liegt unmittelbar an der Regionsgrenze und bot damit einen passenden Rahmen für den interregionalen Austausch. Zugleich ist die HLB selbst im Schienengüterverkehr aktiv und stellt ihre Werkstatthalle als Dienstleister auch für die Wartung von Zügen anderer Unternehmen zur Verfügung.
Beide Institutionen setzen sich unter anderem mit Veranstaltungsreihen intensiv dafür ein, den nachhaltigen Güterverkehr auf der Schiene in den Regionen voranzubringen. Ziel ist es, die Standortqualität zu stärken und zugleich den Anforderungen von Unternehmen gerecht zu werden – insbesondere mit Blick auf Nachhaltigkeit und die Sicherheit von Lieferketten. Die Regionalen Schienencoaches des Regierungspräsidiums Gießen und des Regionalverbands FrankfurtRheinMain unterstützen Unternehmen bei planerischen Fragestellungen sind auch direkte Ansprechpartner.
In seinem Grußwort unterstrich der Erste Verbandsbeigeordnete Rouven Kötter die Bedeutung, geeignete Flächen für den Schienengüterverkehr zu sichern. Georgios Kontos, Abteilungsleiter Mobilität beim Regionalverband FrankfurtRheinMain, erläuterte anschließend den aktuellen Sachstand im Verbandsgebiet. Zunehmend würden Flächen des Schienenverkehrs für andere Nutzungen freigestellt, etwa für Rechenzentren oder den Wohnungsbau. Dadurch verringerten sich die Möglichkeiten, den Schienengüterverkehr weiterzuentwickeln, wofür insbesondere schienennahe Flächen von besonderer Bedeutung sind.
Jonas Goebel, Schienencoach beim Regierungspräsidium Gießen für die Region Mittelhessen, griff diese Herausforderungen auf. Er berichtete, dass der kürzlich von der Regionalversammlung Mittelhessen beschlossene neue Regionalplan Mittelhessen 2026 Umschlagpunkte zwischen Schiene und Straße als regionalplanerisches Ziel sichert, damit diese ernsthaft in die Entwicklung von Gewerbeflächen einbezogen werden.
Leistungsfähige Infrastruktur unabdingbar
Darüber hinaus stellte Goebel ein gemeinsames Projekt des Regierungspräsidiums Gießen und des Hessischen Industrie- und Handelskammertages vor. Im Rahmen des Projekts wurde die Kapazität der Main-Weser-Bahn im Abschnitt zwischen Gießen und Stadtallendorf untersucht. Die daraus abgeleiteten Handlungsvorschläge wurden kürzlich an den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG für das Land Hessen übergeben.
Die Spedition Bork gab einen Einblick in die unternehmerische Perspektive. Das nördlich von der HLB-Werkstatt gelegene Unternehmen verfügt über den auf dem Gelände der ehemaligen Ayers-Kaserne entstandenen Magna-Park über einen reaktivierbaren Gleisanschluss. Damit sollen neue Geschäftsmöglichkeiten erschlossen werden. Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Netzwerktreffens waren auch Unternehmen, die bereits im Magna-Park ansässig sind. Sie begrüßten die Überlegungen zur stärkeren Einbindung des Gleisanschlusses, da sie perspektivisch gerne auf die Schiene verlagern möchten. Auch Dritten soll die Nutzung ermöglicht werden.
Einigkeit bestand bei der abschließenden Diskussion darin, dass es für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Schienengüterverkehrs eine leistungsfähige Infrastruktur, klar identifizierte Ansprechpartner und ein Förderinstrumentarium braucht, das den aktuellen Rahmenbedingungen und Anforderungen gerecht wird. Das Netzwerktreffen verdeutlichte damit die Bedeutung der interregionalen Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Wirtschaft. Sie schafft eine wichtige Grundlage, um Flächenpotenziale zu sichern, konkrete Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen und Planungssicherheit für Unternehmen zu schaffen.