Gießen. Es war eine besondere Entdeckung: Im Roten Wasser im Burgwald, einem Zufluss der Ohm im Landkreis Marburg-Biedenkopf, lebt eine eigenständige, weitgehend ursprüngliche Bachforellenpopulation – die sogenannte Burgwaldforelle. Das Besondere an diesen Tieren ist, dass sie als regionale Linie besser an die sich verändernden Lebensbedingungen in den heimischen Gewässern sowie an die durch den Klimawandel bedingten Lebensraumveränderungen angepasst sind als Zuchtforellen. Bereits bei ihrer Entdeckung vor einigen Jahren waren diese Wildstämme selten, da die Gewässer seit Jahrzehnten mit Zuchtforellen aus überregionalen Handelsnetzen besetzt werden. Da die Bachforelle inzwischen bundesweit gefährdet ist, wurde sie 2023 in die Rote Liste aufgenommen. An dieser Stelle setzt das Burgwaldforellenprojekt des Landes Hessen an, das die Obere Fischereibehörde beim Regierungspräsidium Gießen umsetzt. „Ziel ist, den Wildstamm und diese einzigartigen Gene zu sichern und diese wertvolle genetische Linie kontrolliert in geeigneten Bächen des oberen Lahn- und Ohmsystems zu etablieren. Damit sollen die bestehenden Bachforellenbestände genetisch aufgewertet und deren Überlebensfähigkeit erhöht werden“, sagt RP-Mitarbeiter Dr. Christian Weber, der das Projekt vonseiten des Regierungspräsidiums betreut. Und es gibt bereits Erfolge.
Tiere werden in acht Projektgewässer eingesetzt
Doch der Reihe nach. 2015 war es, als das Institut für Umweltwissenschaften (Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau, ehemals Universität Koblenz-Landau) im Roten Wasser Hinweise für besondere genetische Anpassungen in einer Bachforellenpopulation fand. „Die Tiere sind aufgrund von Wanderhindernissen isoliert. Zudem ist davon auszugehen, dass über Jahrzehnte von Menschenhand keine anderen Forellen eingesetzt worden sind“, erklärt Dr. Christian Weber. Weitere genetische Untersuchungen des Instituts für Umweltwissenschaften im Auftrag der Oberen Fischereibehörde bestätigten 2023 eine eigenständige, weitgehend ursprüngliche Linie – die Burgwaldforelle.
Um sie zu erhalten und weil sich die heute verbreiteten, nicht regionalen Bestände vermutlich nicht vollständig ersetzen lassen, verfolgt das Burgwaldforellenprojekt einen pragmatischen Ansatz: Die Art wird schrittweise genetisch angereichert in Richtung eines regionaltypischen, widerstandsfähigeren Genpools. Dazu wurde aus der Wildpopulation ein gesicherter Zuchtstamm in der Fischzucht Wetterfeld (Familie Lierz) aufgebaut, aus dem Brütlinge und Setzlinge hervorgehen, die wiederum in die Gewässer eingesetzt werden. Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt das Büro für fisch- und gewässerökologische Studien (BfS) Marburg.