Gießen. Hochwasser enden nicht an Ländergrenzen. Bestes Beispiel: die Lahn. Um ein solches Szenario möglichst realistisch durchzuspielen, fand eine länderübergreifende Hochwasserübung der Verwaltungs- und Führungsstäbe im Grenzbereich von Hessen und Rheinland-Pfalz statt. Denn im Katastrophenfall kommt es nicht nur auf die Einsatzkräfte an, sondern auch auf ein reibungsloses Funktionieren der Krisenstäbe. Beschäftigte aus dem Dezernat Hochwasserschutz und oberirdische Gewässer beim Regierungspräsidium (RP) Gießen haben an allen drei Tagen die Übungsleitung unterstützt. An der „Operation Gilgamesch“ haben weit über 100 Personen teilgenommen. Die Initiative dazu kam von den Landkreisen Rhein-Lahn und Limburg-Weilburg.
Das Szenario hat die gesamte Palette von Problemen geboten, die die Einsatzkräfte bei einem Hochwasser zu bewältigen haben: vollgelaufene Keller, Ausfall der Infrastruktur, überschwemmte Straßen und vieles mehr. Ziel der Übung war es, eine gute Kommunikation zwischen den Stäben zu erzielen, ein Rollenverständnis und eine Klärung der Zuständigkeiten zu üben sowie die eigene Aufgabenwahrnehmung zu erlernen. Es galt auch, Möglichkeiten zur Verbesserung zu erkennen und daraus die richtigen Rückschlüsse für die zukünftige Zusammenarbeit im Katastrophenfall zu ziehen.
Intensive Vorbereitung
Einer der Aufgaben für das RP-Team lautete, gemeinsam mit dem Team aus der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord und dem Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz aktuelle Hochwasserlageberichte einzustellen, Anfragen zu beantworten und die Fachberatung zu übernehmen. Der Übung vorausgegangen war eine intensive Vorbereitung durch das Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz Rheinland-Pfalz. In Zusammenarbeit mit der Lülf+ Sicherheitsberatung GmbH wurde ein Hochwasserszenario an der Lahn simuliert, das einem 20-jährlichen Ereignis an der Lahn und einem 100-jährlichen Ereignis an den Nebengewässern der Lahn entspricht.
Die Übung startete am ersten Tag mit den Verwaltungsstäben der hessischen Kommunen Weilburg, Weinbach, Runkel und der Stadt Limburg. Einen Tag später lag der Übungsschwerpunkt in Rheinland-Pfalz, wo die Verbandsgemeinden Bad Ems-Nassau und Diez sowie die Stadt Lahnstein gemeinsam geübt haben. Der Höhepunkt der Übung folgte am dritten Tag mit einer Steigerung der Lage zu einem 50-jährlichen Hochwasserereignis, der mit den Katastrophenschutz- und Verwaltungsstäben der Landkreise Rhein-Lahn und Limburg-Weilburg geübt wurde. Auf hessischer Seite besuchte auch Dr. Sven Holland, Leiter des Dezernats Brand- und Katastrophenschutz beim RP Gießen, die Übungsleitung in Diez, um sich einen Überblick über die Lage im Landkreis Limburg-Weilburg zu verschaffen. Die Regie der Übung hatte an allen drei Tagen ihren Sitz im Feuerwehrhaus in Diez.
Ein wichtiger Aspekt bei einer solchen länderübergreifenden Übung ist immer der Austausch: Am Rande wurde mit den Fachkolleginnen und -kollegen der SGD Nord wurde nicht nur das eigene Wissen abgeglichen und erweitert. Es wurde auch bei der fachlichen Bearbeitung des Übungsszenarios gegenseitig unterstützt. Hierbei spielten etwa Fragen zur Abschaltung von Kläranlagen, zu Vorhersagen der Pegel und dem Umgang mit Anfragen aus den Stäben an die Übungsleitung eine Rolle.